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Afrika

5.12.2005 | Von:

Politische Ideen der Unabhängigkeitsbewegung

Panafrikanismus

Afrikanische politische Denker, die durch ihre Sozialisation in Frankreich eng mit der frankophonen Kultur verbunden waren, verliehen ihren Vorstellungen zur Dekolonisation vorwiegend auf literarischer Ebene Ausdruck; afrikanische Intellektuelle aus ehemaligen britischen Kolonien hingegen argumentierten meist direkter und politischer.

Der 1909 in Ghana geborene Kwame Nkrumah – geistiger Führer des Panafrikanismus – verfaßte seine Ideen und Forderungen in Form eines politischen Programms. Während seiner Studienaufenthalte in den USA und in Großbritannien traf Nkrumah auf die führenden Vertreter der panafrikanischen Kongreßbewegung, durch die er maßgeblich beeinflußt wurde. Ziel dieser kulturellen und politischen Bewegung war die afro-amerikanische Emanzipation von Schwarzen in den USA und in Westindien sowie die Einigung des durch koloniale Grenzziehungen zersplitterten Afrikas. Als Nkrumah 1947 nach Afrika zurückkehrte, um sich der ghanaischen Unabhängigkeitsbewegung im Kampf gegen die britische Kolonialmacht anzu- schließen, entwickelte sich Ghana zum Zentrum des Panafrikanismus in Afrika. Mit der Unabhängigkeit im Jahre 1957 wurde der charismatische Führer erster Präsident eines souveränen schwarzafrikanischen Staates.

Der Grundgedanke des Panafrikanismuskonzeptes war, nach dem Ende der Kolonialzeit wieder zusammenzuführen, was zusammengehörte, nämlich die durch willkürliche Grenzziehung auseinandergerissenen Volksgruppen. Das von den afrikanischen Kolonialmächten übergestülpte Modell des Nationalstaates sollte durch einen afrikanischen Kontinentalstaat ersetzt werden. Nkrumahs Plädoyer für ein vereintes Afrika sah in der engen Zusammenarbeit national unabhängiger Staaten und schließlich in der Einheit im Rahmen einer gesamtafrikanischen Gemeinschaft eine Chance, den Kontinent politisch zu stärken und die Durchsetzung afrikanischer Interessen voranzutreiben. Nach dem Entwurf Nkrumahs sollte die angestrebte panafrikanische Einigung eine Art Konföderation darstellen, die nach einem ökonomischen Gesamtplan handelt, eine gemeinsame Militär- und Verteidigungsstrategie aufstellt sowie eine einheitliche Außenpolitik anwendet.

Bei der Gründung der "Organisation Afrikanischer Einheit" im Jahre 1963 setzte sich statt der von Nkrumah angestreb- ten supranationalen Union afrikanischer Staaten jedoch nur das sehr gemäßigte Konzept eines losen Zusammenschlusses durch. Als gemeinsame Vision für Afrika wurde der Panafrikanismus jedoch zum Verbindungsglied afrikanischer Befreiungsbewegungen und somit zu einem zentralen Bestandteil der Dekolonisationsgeschichte Afrikas.


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