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Afrika

5.12.2005 | Von:

Politische Ideen der Unabhängigkeitsbewegung

Sozialismus

In der kritischen Auseinandersetzung mit westlich-kapitalistischen Entwicklungsstrategien entstanden auf dem afrikanischen Kontinent alternative Entwicklungskonzepte, die auf nationaler Ebene auch umgesetzt wurden. Herausragendes Beispiel hierfür ist der von Julius Kambaragene Nyerere in Tansania eingeführte Ujamaa-Sozialismus, dessen Grundlagen er in der sogenannten Arusha-Deklaration von 1967 darlegte. Als Präsident Tansanias versuchte Nyerere nach der politischen Unabhängigkeit im Jahre 1961 nun mit Hilfe der Ujamaa-Politik auch die wirtschaftliche Eigenständigkeit des Landes zu forcieren.

Dem tansanischen Sozialismus lag dabei eine Entwicklungsstrategie zugrunde, die auf kurzfristige Erfolge bewußt verzichtete. Von zentraler Bedeutung hingegen war das Konzept der self-reliance, das – ausgehend vom Vertrauen auf die eigenen Kräfte – die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen erschließen und einsetzen wollte. Dies sollte durch eine Konzentration auf den Binnenmarkt und eine verstärkte Partizipation der Bevölkerung erreicht werden. Die wichtigsten Ziele des tansanischen Sozialismus waren die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die Schaffung einer egalitären Gesellschaft mit gleichen Einkommens- und Vermögensstrukturen, die Einbeziehung der gesamten Bevölkerung in den Entwicklungsprozeß sowie die Beendigung der Abhängigkeit und Ausbeutung. Neben der Verbesserung von sozialen Diensten war auch die Neuorientierung des Erziehungswesens ein Schwerpunkt des von Nyerere propagierten Sozialismus.

Im Mittelpunkt des Konzepts Ujamaa (Swahili: "wie eine Familie leben") stand jedoch die ländliche Entwicklung. Hierdurch sollte das massive Gefälle zwischen Stadt und Land, aber auch zwischen verschiedenen Regionen des Landes abgebaut werden. Zu diesem Zweck wurde seit 1967 die verstreut siedelnde Landbevölkerung zunächst freiwillig, später jedoch unter Zwang in sogenannte Ujamaa-Dörfer umgesiedelt. In genossenschaftlichen Produktionseinheiten sollten landwirtschaftliche sowie kommunale Aufgaben arbeitsteilig und gemeinschaftlich durchgeführt werden.

Der in Tansania bis in die achtziger Jahre hinein verfolgte Ujamaa-Sozialismus versuchte, als Alternative zu wachstums- und weltmarktorientierten Entwicklungsstrategien einen eigenständigen und den Gegebenheiten Tansanias angepaßten Entwicklungsweg zu gehen. Zwar konnte die Politik Nyereres keine wirkliche Transformation der historisch gewachsenen und durch die Kolonialzeit geprägten Strukturen in Tansania herbeiführen. Als idealistische politische Ideen hingegen haben die Konzepte self-reliance und Ujamaa, die zeitweise sogar als Modell für die Dritte Welt galten, einen großen Einfluß gewonnen und das Selbstbewußtsein der Entwicklungsländer über Afrika hinaus gestärkt.


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