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Afrika

5.12.2005 | Von:

Politische Ideen der Unabhängigkeitsbewegung

Sambischer Humanismus

Einen von sozialistischen Gedanken geprägten Entwicklungsweg durchzusetzen versuchte auch Sambias Präsident Kenneth Kaunda, dessen Staatsphilosophie sowohl vom christlichen Glauben als auch von Gandhis Lehre der Gewaltlosigkeit geprägt war. 1967, also im selben Jahr, als Nyerere sein politisches Programm in der Arusha-Deklaration niederlegte, verkündete Kaunda die Philosophie des sambischen Humanismus als ideologische Grundlage der angestrebten sozialistischen Entwicklung des Landes.

Zentrale Aussage dieses Humanismus ist es, daß der Mensch im Mittelpunkt allen gesellschaftlichen Handelns steht. Um die Ausbeutung des Menschen durch die Auswirkungen des Kolonialismus und Kapitalismus zu beenden, sollte – so Kaundas Konzeption – die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft als Zwischenstadium auf dem Weg zur Verwirklichung des Humanismus angestrebt werden. Aus der zentralen Stellung des Menschen im gesellschaftlichen Konzept des Humanismus ergab sich auch die Forderung nach einer partizipatorischen Demokratie, also einer politischen Herrschaftsordnung, in der die Bevölkerung in Entscheidungs- sowie Entwicklungsprozesse aktiv miteinbezogen werden sollte. Das sambische Einparteiensystem, vom dem letztendlich vorwiegend die Mitglieder der herrschenden Elite profitierten, konnte diesen Anforderungen jedoch nicht breitenwirksam gerecht werden.

Ähnlich wie bei der Ujamaa-Philosophie Nyereres leitete auch Kaunda den sambischen Humanismus aus den Werten und der Organisation der traditionellen afrikanischen Lebensweise ab. Beide Entwicklungskonzepte kann man dem sogenannten "Afrikanischen Sozialismus" zuordnen. Sowohl Nyerere als auch Kaunda versuchten, dem Sozialismus durch das Anknüpfen an die Wiederherstellung vorkolonialer Strukturen ein spezifisch afrikanisches Gesicht zu verleihen. Daß sie mit diesen Vorhaben letztendlich scheiterten, lag nicht nur an den in der Kolonialzeit geprägten Strukturen, sondern auch an den Interessen der neuen Machteliten.


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