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Afrika

5.12.2005 | Von:

Politische Ideen der Unabhängigkeitsbewegung

Bedeutung des Marxismus

Sozialistisches und später auch marxistisches Ideengut hatten generell einen sehr großen Einfluß auf die politischen Vorstellungen und Umsetzungen in Afrika. Dies gilt für die Konzepte von Nyerere und Kaunda ebenso wie für die Programmatik von Nkrumah und Senghor, aber auch für die Ideen anderer politischer Denker der Unabhängigkeitsbewegung, wie beispielsweise Sékou Touré, Modibo Keita oder Matthieu Kerikou.

Für die gerade in die Unabhängigkeit entlassenen Staaten Afrikas südlich der Sahara war der sozialistische Entwicklungsweg durchaus eine vielversprechende Option. Zwar bedeutete ein innenpolitisches Bekenntnis zum Sozialismus nicht automatisch eine außenpolitische Hinwendung zum bzw. Unterstützung durch den Ostblock. Die meisten der neuen Führer befürworteten eine Politik der Blockfreiheit, welche jedoch weniger auf Neutralität als auf die Möglichkeit zu eigenständiger Kooperation zwischen Ost und West abzielte. Da die übernommenen Strukturen des Kolonialismus in erster Linie als System der ökonomischen Ausbeutung begriffen wurden, war der Marxismus zu einer ideologischen Quelle der Befreiungspolitik geworden. Anfang der siebziger Jahre entstanden in Afrika südlich der Sahara Regime, die sich explizit zum "wissenschaftlichen Sozialismus" auf der Basis der marxistisch-leninistischen Lehren bekannten.

Zu den Ländern, in denen der "Afro-Marxismus" am stärksten ausgeprägt war, zählen Angola, Moçambique sowie Äthiopien. Der sozialistische Entwicklungsweg inklusive Einparteiensystem und Planwirtschaft wurde von dortigen Führern mit der Möglichkeit verbunden, Fortschritt "unter Abkürzung der Phase kapitalistischer Schmerzen" zu erreichen. Aufgrund der wirtschaftlichen Rückständigkeit sowie der mangelnden "proletarischen Basis" erwies sich das marxistische Ziel, den Kapitalismus durch eine Revolution der Arbeiterschaft zu stürzen, jedoch als schwer übertragbar. Afro-marxistische Regime bemühten sich daher ohne Rücksicht auf Klassen und Schichten um eine Organisierung der "kolonialen Massen", also der ländlichen Bevölkerung. Die Prinzipien des Marxismus-Leninismus sowie die Theorie der sozialistischen Transformation der Gesellschaft wurden also auf die spezifischen Bedingungen der jeweiligen Länder angepaßt.

Diese Option scheiterte in Afrika südlich der Sahara letztendlich aus mehreren Gründen. Neben den massiven Fehlentwicklungen aufgrund der zentralisierten Planwirtschaften spielte auch die Einstellung des militärischen und wirtschaftlichen Engagements des Ostblocks nach dem Ende des Ost-West-Konflikts eine entscheidende Rolle.


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