Afrika
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Sprachen und Kulturen


20.5.2005
Die Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel, mit dem sich Menschen verständigen. Unterteilt man die afrikanischen Sprachen in einzelne Gruppen, entstehen vier große Segmente, die im Laufe der vergangenen Jahrhunderte entstanden sind. Es ist jedoch notwendig, ihre Entstehung im Zusammenhang mit der jeweiligen Kultur zu verstehen.


Auszug aus:
Informationen zur politischen Bildung (Heft 272) - Sprachen und Kulturen

Einleitung



Entsprechend den Vorschlägen des amerikanischen Sprachwissenschaftlers Joseph Greenberg (1963) werden die afrikanischen Sprachen in vier große Gruppen eingeteilt: afroasiatische, niger-kordofanische, nilosaharanische und Khoisan-Sprachen. Die Verbreitungszone der afroasiatischen (früher: hamito-semitischen) Sprachen erstreckt sich aber nicht nur über Nord- und Ostafrika, sondern auch über Südwestasien, die Heimat der semitischen Sprachen.

Zu den hamitischen Zweigen der afroasiatischen Sprachfamilie gehören:

  • Ägyptisch, dessen älteste in Hieroglyphen geschriebene Belege auf circa 3000 v. Chr. datiert werden. Man unterscheidet Altägyptisch (die Sprache der Inschriften der Frühzeit und des Alten Reiches, circa 3000 bis 2000 v. Chr.), Mittelägyptisch (die klassische Literatursprache) und Neuägyptisch (die Inschriften von circa 1300 bis 660 v. Chr.). Über mehrere Zwischenstufen entstand schließlich im dritten Jahrhundert n. Chr. das Koptische, das als Liturgiesprache der ägyptischen Koptischen Kirche bis heute überlebt hat.

  • Berberisch, dessen zahlreiche Einzelsprachen bzw. Dialektgruppen zwischen Atlantik und Westägypten größtenteils erst in der Neuzeit belegt sind. "Das berberische Sprachgebiet stellt sich heute als eine linguistische Insellandschaft dar, die ihr Entstehen in erster Linie den Auswirkungen der arabischen Invasionen (seit dem siebten Jahrhundert) verdankt." (H. Ekkehard Wolff) Es hat wohl nie eine gemeinsame Standardsprache gegeben, auch nicht in neuerer Zeit. Gleichwohl berufen sich heute Berberophone und ihre politischen Aktivisten in den Maghrebstaaten auf eine gemeinsame sprachliche Identität, die sich, wie sie meinen, auf die vorislamische Zeit zurückführen lässt. Durch die räumliche Isolierung in Sprachinseln gab es starke regionale Entwicklungen, die als sekundär entstandene eigenständige Berbersprachen bezeichnet werden, zum Beispiel Siwi (in der Oase Siwa in Ägypten), Nefusi (im Djebel Nefusa im westlichen Libyen), Tuareg (in der südalgerischen und nigerischen Sahara) und Zenaga (an der mauretanischen Atlantikküste). Diesen stehen aber größere berberische Spracheinheiten gegenüber, nämlich in Süd- und Zentralmarokko, in Nordmarokko und Westalgerien, in Südalgerien und in Nordalgerien (Kabylei).

  • Kuschitisch (einschließlich Omotisch), das rund 70 Sprachen zusammenfasst, die im Sudan, in Äthiopien, Somalia, Dschibuti, Kenia gesprochen werden. Dazu gehören so bedeutende Idiome wie Somali und Oromo (Galla) in Ostafrika.

  • Tschadisch mit über 125 Einzelsprachen in Nigeria, Tschad und Kamerun, deren Zugehörigkeit zur hamitisch-semitischen Familie noch bezweifelt wird.
Die semitischen Zweige der afroasiatischen Sprachen sind wie das (Nord-)Arabische (siehe unten) in Vorderasien beheimatet. Hierzu gehören:

  • das Akkadische in Mesopotamien (circa 2500 und 600 v. Chr.);

  • das Eblaitische (circa 2500 v. Chr.);

  • das Ugaritische (circa 1400 bis 1200 v. Chr.);

  • das Aramäische (ab circa 1000 v. Chr.);

  • das Kanaanäische den verschiedenen Stufen des Hebräischen (1200 v. Chr. bis zum heutigen Ivrit) und dem Phönizischen, welches durch Inschriften vom zehnten bis ersten Jahrhundert v. Chr. aus den Städten Tyros, Sidon und Byblos und deren Kolonien in Zypern, Attika und Nordafrika belegt ist (hierher gehört auch das Punische Karthagos und seiner Kolonien zwischen dem fünften Jahrhundert vor und dem sechsten Jahrhundert n. Chr.);

  • das Altsüdarabische (neuntes Jahrhundert vor bis zum sechsten Jahrhundert n. Chr.) der Inschriften der südarabisch-jemenitischen Reiche;

  • das Äthiopische mit seinen frühesten Zeugnissen, Inschriften (besonders in Aksum) aus dem vierten Jahrhundert n. Chr. Das altäthiopische Ge'ez überlebte bis ins 17. Jahrhundert als Literatursprache. Heute unterscheidet man die nordäthiopischen Sprachen Tigre und Tigrinya, die südäthiopischen Sprachen Amharisch, Argobba, Gafat, Gurage und Harari.



 

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