Afrika

15.8.2006 | Von:
Volker Matthies

Konfliktlagen am Horn von Afrika

Das Horn von Afrika ist ein chronisch schwelender Krisenherd. Die dominanten Konfliktlagen manifestieren sich in anhaltenden Gewaltkonflikten in Teilen Somalias sowie im ungelösten Grenzstreit zwischen Äthiopien und Eritrea.


Auszug aus:
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 32-33/2006) - Konfliktlagen am Horn von Afrika

Einleitung

Bei der Region Horn von Afrika (mit den Vielvölkerstaaten Äthiopien und Eritrea, dem zerfallenen Staat Somalia und dem Kleinstaat Djibouti) handelt es sich unverkennbar um einen chronischen Krisenherd.[1] Die dominanten Konfliktlagen in der Region manifestieren sich in anhaltenden Gewaltkonflikten in Teilen Somalias sowie in dem ungelösten Grenzstreit zwischen Äthiopien und Eritrea. Aus sicherheitspolitischer Sicht ist die Region seit einigen Jahren auch in den globalen Kampf gegen den transnationalen Terrorismus einbezogen worden. Der Friedens- und Konfliktforschung gilt die Region und namentlich Somalia als spektakuläres Beispiel für "Staatszerfall" und "neue" Kriege. In entwicklungspolitischer Perspektive stellt das Horn von Afrika schon seit langem ein "Armenhaus" dar, das immer wieder von katastrophalen Hungersnöten heimgesucht wird.

Das Horn von Afrika kann sowohl historisch als auch gegenwärtig als eine der kriegsträchtigsten Regionen Afrikas gelten.[2] Im postkolonialen Afrika war die Region Schauplatz von zwei der intensivsten zwischenstaatlichen Kriege: des Ogadenkriegs zwischen Äthiopien und Somalia (1977/78) sowie des Kriegs zwischen Äthiopien und Eritrea (1998 - 2000). Hinzu kam mit dem "Dreißigjährigen Krieg" um die Unabhängigkeit Eritreas (1961 - 1991) - zeitweise (ab 1975) begleitet von den Tigray- und Oromo-Kriegen - einer der längsten Bürger- und Separationskriege in Afrika, gefolgt von dem bis heute anhaltenden kriegerischen Staatszerfall Somalias. Der im Jahre 1991 siegreich beendete Eritrea-Krieg sowie der seit 1988 einsetzende Bürgerkrieg und Staatszerfall in Somalia brachten zudem fundamentale politisch-territoriale Veränderungen mit sich: die Formierung des neuen, international anerkannten Staates Eritrea sowie die Konstituierung des faktisch unabhängigen staatsähnlichen Gebildes Somaliland.

Seit jeher war das Horn von Afrika auf Grund seiner exponierten geopolitischen Lage gegenüber der Arabischen Halbinsel, am Roten Meer und am nordwestlichen Indischen Ozean auch für raumfremde Mächte von großem Interesse. Dies galt insbesondere für die Zeit seit der Eröffnung des Suezkanals im Jahre 1869. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Horn zu einem Hauptschauplatz des "Kalten Krieges" auf dem afrikanischen Kontinent. Neuerdings gilt im Kontext des transnationalen Terrorismus das Horn wiederum als ein "Hot Spot" der Weltpolitik.[3] Das staatenlose Somalia geriet in das Visier der Anti-Terror-Koalition unter Führung der USA, die eng mit Äthiopien kooperierten. Der Kleinstaat Djibouti wurde zum Zentrum eines regionalen See- und Luftüberwachungssystems sowie zur militärischen Basis von Einheiten der internationalen Anti-Terror-Koalition, darunter auch der deutschen Marine.

Fußnoten

1.
Vgl. Walter Feichtinger/Gerald Hainzl (Hrsg.), Krisenherd Nordostafrika. Internationale oder afrikanische Verantwortung?, Baden-Baden 2005.
2.
Vgl. Volker Matthies, Kriege am Horn von Afrika. Historischer Befund und friedenswissenschaftliche Analyse, Berlin 2005.
3.
Eva-Maria Bruchhaus (Ed.), Hot Spot Horn of Africa. Between Integration and Disintegration, Münster 2004.

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