Afrika

20.5.2005 | Von:
Stephan Kaußen

Südafrikas gelungener Wandel

Traditionelles vs. modernes Südafrika

Unter den aktuell bedeutenden Parteien spielt die IFP Buthelezis eine kuriose Zwitterrolle zwischen Regierungsbeteiligung und Opposition zum ANC. Die beiden einstigen Todfeinde trennen immer noch ideologische Welten. Vor allem sticht ein Unterschied hervor, der insgesamt eine weitere Zerrissenheit Südafrikas deutlich macht: die zwischen Tradition und Moderne. Während der ANC eine strikte Demokratisierung und Modernisierung anstrebt, vertritt die IFP den traditionell-konservativen Teil des schwarzen Südafrika, mehrheitlich der Zulu. Im Wahlkampf 2004 bildete die IFP nach Jahren der Koalition mit dem ANC eine "coalition for change" mit der DA - erfolglos.

Ein weiterer soziokultureller Bruch spaltet de facto das Land: Das ländliche Südafrika istwenig kompatibel mit dem Prinzip der liberaldemokratischen Verfassung. Millionen Menschen leben in überkommenen Stammeshierarchien, die wenig von der demokratischen Modernisierung berührt wurden. Hier herrschen Könige und Stammesfürsten, hier ist man vom Verstehen und Umsetzen demokratischer Individualrechte mitunter noch sehr weit entfernt. Auch der ANC tut sich bis heute schwer damit festzulegen, wo die Autorität gewählter demokratischer Strukturen und die traditioneller Führer in unüberbrückbarer Weise gegenläufig sind und deshalb der Klärung bedürfen.[20] Auf der anderen Seite gibt es mit Johannesburg, Kapstadt, Pretoria, Durban und Port Elizabeth große Metropolen, in denen Erste und Dritte Welt aufeinander prallen.


Fußnoten

20.
Vgl. Hein Marais, South Africa. Limits to Change. The Political Economy of Transition, London-Kapstadt 2001, S. 303f.

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