Afrika
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Kriegerische Auseinandersetzungen in Kongo-Zaire


20.5.2005
1965 ergriff Mobutu Sese Soku mit der Armee die Macht gegen eine demokratisch gewählte Regierung der "Demokratischen Republik Kongo". Mobutu errichtete ein absolutistisches Herrschaftssystem, das ihn nicht nur an die Spitze von Einheitspartei und Staat platzierte, sondern den "Mobutismus" als Staatsideologie erfand.


Auszug aus:
Informationen zur politischen Bildung (Heft 264) - Kriegerische Auseinandersetzungen in Kongo-Zaire

Einleitung



Bis Ende der achtziger Jahre war die Welt für Mobutu Sese Seko noch in Ordnung. 1965 hatte er mit der Armee die Macht gegen eine demokratisch gewählte Regierung der "Demokratischen Republik Kongo" (unter Mobutu 1967–1997 in Zaire umbenannt) ergriffen. Es gelang ihm, das drittgrößte afrikanische Land, das durch Sezession und Bürgerkrieg seit seiner Unabhängigkeit 1960 zu zerfallen drohte, zu befrieden. Mobutu errichtete ein absolutistisches Herrschaftssystem, das ihn nicht nur an die Spitze von Einheitspartei und Staat plazierte, sondern den "Mobutismus" als Staatsideologie erfand. Die Einheitspartei wurde zur "Kirche". Mobutu selbst entfernte sich als von "Gott gesandter Messias" schnell von der Wirklichkeit. Eine Leopardenmütze wurde zum Symbol für ein luxuriöses Leben fern der Probleme seines Landes. Doch mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes mußte Mobutu das Land 1990 politisch öffnen. Weitere sieben Jahre sträubte er sich aber erfolgreich gegen tatsächliche Reformen, bis er von einer Rebellion aus dem Amt getrieben wurde. Laurent-Désiré Kabila trat im Mai 1997 in die autoritären Fußstapfen seines Vorgängers, doch auch dessen Herrschaft wurde nur ein Jahr nach dem Umsturz Mobutus durch einen neuerlichen Aufstand gefährdet. Ex-Zaire, das heute wieder "Demokratische Republik Kongo" heißt, ist, wie bereits in den sechziger Jahren, in seiner territorialen Integrität gefährdet.

Zaire bekannte sich unter Mobutu im Kalten Krieg zum Westen. Er machte das Land zum "Bollwerk" gegen die sozialistisch-kommunistisch orientierten Nachbarländer. Mobutu war bereits beim Umsturz 1965 vom amerikanischen Geheimdienst CIA unterstützt worden. Von Zaire aus versorgten die USA seit Ende der siebziger Jahre die angolanischen Rebellen der UNITA (União Nacional para a Indepencia Total de Angola, Nationalunion für die völlige Unabhängigkeit Angolas) von Jonas Savimbi mit Waffen gegen das marxistische Dos-Santos-Regime. Das zentralafrikanische Land erhielt seine besondere Bedeutung zudem durch einen enormen Rohstoffreichtum – unter anderem besaß es atomwaffenfähiges Uran. Die USA förderten das Mobutu-Regime deshalb jährlich mit mehreren hundert Millionen Dollar. Auch die Bundesrepublik sparte nicht: Zwischen 1965 und 1991 wandte man für Zaire über eine Milliarde DM an Entwicklungshilfe auf. Gegenüber den Menschenrechtsverletzungen (unter anderem die Ermordung und Unterdrückung politischer Gegner) des Regimes schwieg der Westen.



 

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