Afrika

5.12.2005 | Von:
Susanna Wolf

Afrika und Europa

Einleitung

Vor ihrer Unabhängigkeit in den 1950er und 1960er Jahren war bis auf die Länder Äthiopien und Liberia der gesamte afrikanische Kontinent in den Händen europäischer Kolonialmächte. Die Kolonialisierung Afrikas blieb wie schon auch der Sklavenhandel ab dem 15. Jahrhundert nicht ohne Folgen für die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents. Um nur ein Beispiel zu nennen, in der kolonialen Epoche nahm die einseitige Ausrichtung der afrikanischen Wirtschaften auf den Export von Rohstoffen ihren Anfang und hat bis in die heutige Zeit den Entwicklungsprozess Afrikas erschwert.

Heute werden die Beziehungen zwischen Afrika und Europa wesentlich durch den Handel, die Migration, die Entwicklungszusammenarbeit sowie Formen der politischen Kooperation sowohl bilateral zwischen den einzelnen Staaten als auch zwischen afrikanischen Ländern und der Europäischen Union bestimmt.

Handelsbeziehungen auf EU Ebene

Als 1975 das erste Lomé-Abkommen zwischen der EU und 46 Staaten in Afrika, der Karibik und dem Pazifik (AKP-Staaten) geschlossen wurde, galt dieses allgemein als Modell für eine Partnerschaft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Seit dem Jahr 2000 sind diese Beziehungen nach umfangreichen Reformen im Cotonou-Abkommen geregelt, an dem sich inzwischen 77 Länder beteiligen; darunter alle Länder des subsaharischen Afrika. Die Kooperation zwischen der EU und den AKP-Staaten basiert auf drei Säulen: gegenseitigen Handelserleichterungen, der Entwicklungszusammenarbeit und der politischen Kooperation. Mit den nordafrikanischen Mittelmeerländern unterhält die EU ebenfalls besondere Beziehungen, die seit 1995 im Euro-Mittelmeer-Abkommen festgeschrieben sind.

Die EU hat den afrikanischen Staaten weit reichende Präferenzen beim Zugang von Exporten zum EU-Markt eingeräumt. Rohstoffe sowie Agrarerzeugnisse, die nicht unmittelbar mit den unter die gemeinsame Agrarpolitik fallenden Erzeugnissen konkurrieren, können weitgehend ohne Zölle und Mengenbeschränkungen in die EU eingeführt werden. Einige für den afrikanischen Export wichtige Agrarprodukte bleiben hiervon jedoch ausgeschlossen. Der Anteil der afrikanischen AKP-Waren an den gesamten Importen der EU beschränkte sich im Jahr 2004 auf 2,4 Prozent, 1975 war er noch knapp dreimal so hoch. Afrikanische Länder exportieren vorrangig weiterhin Rohstoffe wie zum Beispiel Kupfer und Gold sowie landwirtschaftliche Anbauprodukte wie Kakaobohnen, Kaffee oder Baumwolle. Allerdings ist der Anteil dieser Rohstoffe am Welthandel insgesamt gesunken, während der weltweite Handel mit verarbeiteten Gütern und Dienstleistungen stark anstieg.

Die Ursachen für die geringe Exportsteigerung bei verarbeiteten Produkten liegen in vielen afrikanischen Ländern in einer unzureichenden Infrastruktur sowie in einer ausufernden Bürokratie und vielerorts in der Korruption. Aber auch die komplizierten Ursprungsregelungen des Lomé-Abkommens, in denen festgelegt ist, wie groß der Anteil am Produktwert sein muss, der in einem AKP-Land erstellt wurde, und die steigenden Qualitätsanforderungen im EU-Markt tragen dazu bei. Es gibt auf der anderen Seite durchaus Beispiele, wo sich die Handelspräferenzen positiv auswirken, etwa beim Export von Textilien aus Mauritius oder von Blumen, Obst und Gemüse aus Kenia.

In den vergangenen Jahrzehnten fand eine Erosion der Handelspräferenzen statt, der Zugang anderer Länder zum EU-Markt wurde verbessert und somit der Vorteil für die afrikanischen Staaten verringert. Jüngstes Beispiel ist die Reform des Welttextilmarktes. Seit Anfang 2005 sind Importbeschränkungen für wettbewerbsfähige Anbieter wie China weggefallen. Dies hat zu einer Verdrängung von afrikanischen Unternehmen geführt, was einen Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen im Textilsektor in Kenia zur Folge hatte.

Im Cotonou-Abkommen von 2000 wurde nach einer Verhandlungsphase bis 2007 und einer Übergangsphase von etwa zwölf Jahren die Einrichtung von Freihandelszonen zwischen afrikanischen Regionen und der EU vorgesehen. Die Einzelheiten werden dann in so genannten Wirtschaftspartnerschafts-Abkommen geregelt. Um den Regeln der Welthandelsorganisation zu genügen, sollen diese einen zollfreien Zugang für die meisten Produkte sowohl aus den afrikanischen Ländern in die EU, als auch umgekehrt, gewährleisten. Da die ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien den höchsten Marktanteil in Afrika haben, werden sie am meisten davon profitieren.

Mit den nordafrikanischen Ländern hat die EU individuell solche Assoziationsabkommen verhandelt, die in eine Euro-Mediterrane Freihandelszone münden sollen. Für die meisten afrikanischen Länder südlich der Sahara ist ein zollfreier Zugang von Importen aus der EU allerdings problematisch, da befürchtet wird, dass die heimische Produktion der Konkurrenz nicht standhalten kann. Außerdem ist ein bedeutender Rückgang an Zollerlösen zu erwarten, die immer noch ein wichtiger Bestandteil der Staatseinnahmen sind und etwa zur Finanzierung des Bildungs- und Gesundheitswesens verwendet werden. Solange die EU-Agrarpolitik weiterhin subventionierte Produkte auf den Weltmarkt bringt, die die heimische Produktion in Afrika verdrängen, ist auch nicht zu erwarten, dass die afrikanischen Länder von diesen neuen Handelsregelungen profitieren.


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