Ein Vocho am Zocalo von Mexiko Stadt
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Nachhaltiger Bananenanbau

ein Modell für die Zukunft?


28.11.2007
Millionen von Chiquita-Bananen werden jährlich in Costa Rica geerntet und für den weltweiten Export, auch nach Deutschland, vorbereitet. Für die Mitarbeiter ein schweißtreibender Job, der auch viele Gefahren birgt.

Über Guápiles und den Bananenplantagen rund um die kleine Provinzstadt ist der Himmel bedeckt. Es ist drückend heiß unter den Bananenblättern auf der Finca Modelo, feucht und stickig. Fredo Gonzales Cruz steht der anstrengende Job permanent ins Gesicht geschrieben. Der Schweiß rinnt ihm in Rinnsälen herunter.

Plantagenarbeiter mit Schutzkleidung.Plantagenarbeiter mit Schutzkleidung. (© Jörn Breiholz)
Cruz hantiert mit Agrochemikalien. Er steht auf einer Leiter, die er an einen drei Meter hohen Bananenstrauch gestellt hat, und stülpt blaue, im Inneren mit einem Insektizid imprägnierte Plastiktüten über die Bananenbündel. Zwei Wochen lang wird die Substanz aus den Poren der Plastiktüte auf die Bananenfinger dampfen und Insekten vom Befall der Bananen abhalten. "Dann ist es verflogen", sagt Friedhelm Gauhl, Biologe und leitender Chiquita-Angestellter, der den Einsatz der Schädlingsbekämpfungsmittel auf den Bananenplantagen Chiquitas in Lateinamerika koordiniert.

Cruz trägt eine Atemschutzmaske, die nur wenige Zentimeter seines Gesichts frei lässt, außerdem Handschuhe und lange Kleidung: "Als Schutz vor den Agrochemikalien, mit denen ich hantieren muss", wie er sagt. Er ist froh, dass er trotz der Hitze diese Arbeitskleidung tragen kann. Vor wenigen Monaten noch, erzählt er, habe er auf einer anderen Bananenfinca, die nicht zu Chiquita gehöre, gearbeitet. "Dort gab es weder Arbeitskleidung noch Schutzmaske." Nun gehe er auch alle drei Monate zur Blutuntersuchung. Dann wird Cruz darauf getestet, ob der tägliche Umgang mit dem Pestizid sein Blut krank macht. Der Bananenarbeiter ist einer von mehreren tausend in Costa Rica, die für Chiquita arbeiten. Auf deren Farmen ist Arbeitskleidung beim Umgang mit gefährlichen Stoffen wie Pestiziden inzwischen vorgeschrieben. Vor sieben Jahren haben sich alle Chiquita-Farmen und inzwischen auch fast alle Zulieferer des Bananenmultis den Regeln der Nichtregierungsorganisation "Rainforest Alliance" unterworfen. Die prüft nun einmal jährlich, ob die von ihr definierten Umwelt-, Sozial- und Arbeitsauflagen auf den Chiquita-Farmen eingehalten werden. Listen die Auditoren von der Rainforest Alliance keine schwerwiegenden Mängel auf, können die Farm und damit auch die in Europa vertriebenen Chiquita-Bananen das Siegel der Rainforest Alliance tragen - und damit werben.

Seit gut einem Jahr ziert die Chiquita-Bananen nun das mit einem Frosch versehene Siegel, das den Eindruck erweckt, als wenn der Bananenanbau von Chiquita den Regenwald schütze. "Nachhaltigen Bananenanbau" nennen jetzt die Rainforest Alliance und Chiquita die Massenproduktion von Bananen in Monokultur. Nachhaltigkeit ist – im Gegensatz zu "öko" oder "bio" - kein geschützter Begriff. Doch die Bananenmanager von Chiquita sind überzeugt, den richtigen Weg zu gehen. "Wir haben den Einsatz von Plastik und Pestiziden auf unseren Farmen erheblich reduziert", sagt beispielsweise Chiquitas Nachhaltigkeits-Chef Manuel Rodriguez beim jährlichen Meeting mit den für Umwelt- und Arbeitsbedingungen zuständigen Chiquita-Mitarbeitern in Costa Rica in der Nähe von Nogal.

Als einziges der großen transnationalen Bananenunternehmen lässt sich Chiquita von der Rainforest Alliance zertifizieren. Der Bananenmulti präsentiert die Ergebnisse gerne. Journalisten zum Beispiel, die nach Costa Rica eingeladen und von einer blonden Chiquita-Mitarbeiterin durch das Schutzwäldchen in Nogal geführt werden. Kein anderes Bananenunternehmen zeige sich so offen wie Chiquita, sagt George Jaksch, in Europa zuständig für "Corporate Responsibility". "Welches andere Unternehmen lässt schon Journalisten und NGO's auf die Farmen und gibt einen so transparenten Einblick in die Bücher?" Grün ist es überall in dem kleinen, tropischen Land in Zentralamerika - um Guapiles herum bananenblättergrün. Scheinbar endlos ziehen die Bananenfelder mit ihren exakt gezogenen Drainagegräben vorbei, tausende Hektar Bananen stehen hier, industrielle Landwirtschaft eben. Chiquita, Dole, Delmonte ist auf den Lastwagen geschrieben, die mit Kühlaggregaten ausgestattete Containerboxen geschultert haben. Jeder Container gefüllt mit tausend Bananenpappkisten à 18 Kilogramm Frucht. Lastwagen an Lastwagen zieht gen Puerto Limón. Von dort kommen sie zurück, um Nachschub zu holen für die Bananenschiffe, die Richtung Europa starten, um auch den Deutschen ihr zweitliebstes Obst nach dem Apfel zu bringen. Wenn die bulligen us-amerikanischen Trucks an den Bananenarbeitern vorbeidonnern, die mit geschulterter Machete auf dem Rad unterwegs sind, ist zwischen Mensch und Metall manchmal nicht viel Platz.


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