Ein Vocho am Zocalo von Mexiko Stadt

8.1.2008 | Von:
Barbara Kühhas

Indigene Frauen und menschliche Entwicklung in Guatemala

Diskriminierung und Rassismus behindern Erreichung der Millenniumentwicklungsziele

Rassismus und Diskriminierung als Hinderungsfaktoren für menschliche Entwicklung in Guatemala

Viele dieser Probleme, die sich heute leider noch so präsentieren wie vor zehn Jahren, basieren auf einer Diskriminierung, die wiederum auf Rassismus beruht. Dieser ist in Guatemala besonders stark ausgeprägt und gründet auf der Idee, dass die Gruppe der Ladinos von Natur aus den "Indios" überlegen wäre - und Männer generell den Frauen.

Der "Human Development Index" (HDI, Index der Menschlichen Entwicklung) ist eine Maßzahl, die seit 1990 jährlich vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen in den Weltentwicklungsberichten veröffentlicht wird. Der entsprechende Guatemala-Report von 2005 beschäftigt sich ausführlich mit der ethnisch-kulturellen Vielfalt sowie den Phänomenen von Diskriminierung, Rassismus und was es für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen bedeutet, einem multikulturellen Staatsgefüge anzugehören.

Die Analyse der bestehenden, extremen Ungleichheiten zeigt sehr klar, inwieweit die verschiedenen Bevölkerungsgruppen befähigt sind, sich menschlich zu entwickeln. Die bestehende Ungleichheit ist eine Verletzung der Konzepte von sozialer Gerechtigkeit und Demokratie sowie der grundlegenden Menschenrechte. Die profunden Ungleichheiten in Bezug auf Reichtum, beruhend auf Regionen, der ethnisch-kulturellen Zugehörigkeit oder dem Geschlecht sind sowohl für die Demokratie und soziale Kohäsion als auch das ökonomische Wachstum äußerst hinderlich.

Im Bericht von UNDP wird aufgezeigt, dass Guatemala – wenn es mehr politischen Willen zur realen Partizipation der Bevölkerung und zur Umverteilung der vorhandenen Mittel entsprechend den eingegangenen Verpflichtungen zur Erreichung der Millenniumziele einsetzen würde, weltweit auf Platz 106 rangieren könnte, anstatt auf Platz 117. Ebenso beträgt der geschlechtsspezifische Entwicklungsindex (GDI), der die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern misst, in Guatemala mit 0.659 im Vergleich zum HDI mit 0.673 nur 97,3 Prozent. Das katapultiert Guatemala auf Position 113 von insgesamt 136 Plätzen. Um der Erreichung der Millenniumziele näher zu kommen, sind in Guatemala also vielfältige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der indigenen Frauen nötig.

Informationen zu indigenen Frauen



IANGWE: Inter Agency Network on Women and Gender-Equality, Task Force on Indigenous Women (un.org/womenwatch un.org/esa/socdev)

Mujeres Indígenas

UN Permanant Forum on Indigenus Issues

United Nations Declaration on the Rights of Indigenous Peoples

Guatemala: Defensorìa de la Mujer Indígena en Guatemala (DEMI) Die DEMI geht aus der Umsetzung der Friedensverträge hervor und beschäftigt sich spezifisch mit der Diskriminierung der indigenen Frau. Sie erarbeitet Vorschläge zur politischen Umsetzung im Bereich der Prävention, Verteidigung und Ausrottung aller Gewalt gegen die indigene Frau und gibt Beratung, rechtliche Vertretung, soziale und psychologische Hilfestellung in Mayasprachen. Kontaktadresse: defensorademi@yahoo.com

UNICEF Guatemala: Bericht "Mirame" Auf dieser Website findet man den Bericht zu "Mirame" mit Hörbeispielen. Er wurde gemeinsam von UNICEF und der Defensoría de la Mujer Indígena verfasst und beschreibt die Situation indigener Mädchen in Guatemala. Das Buch wurde im August 2007 veröffentlicht. (Mirame), UNICEF Radio

Literatur

Länderblatt Guatemala vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen

undp.org

UNDP Guatemala

IPES: Abschlussbericht des Forschungsprojektes: "Ausbildung und Gender aus der Perspektive indigener Frauen" (Coordinación de Mujeres de la Población Desarraigada, CONAVIGUA, UNESCO Asamblea Consultiva de la Población Desarraigada), Guatemala 1997.

Kühhas, Barbara: Die indigenen Frauen Guatemalas. Vom Bürgerkrieg zum Friedensprozess - der Kampf um politische Partizipation. Frankfurt am Main, Wien: Brandes & Apsel, Südwind 2000.

Vereinte Nationen: Indigenous Women and the United Nations System, Good Practices and Lessons Learned (Compiled by the Secretariat of the Permanent Forum on Indigenous Issues for theTask Force on Indigenous Women/Inter-Agency Network on Women and Gender Equality), United Nations New York 2007.

ILO Suche nach Ländern

Informationen zu den Millenniumsentwicklungszielen

Louise Arbour, Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, und Rodolfo Stavenhagen, Sonderberichterstatter über die Menschenrechtssituation und Grundfreiheiten der indigenen Völker: Gemeinsame Erklärung zum Internationaler Tag der indigenen Völker (UNIS/SM/016, 7. August 2007).


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