Ein Vocho am Zocalo von Mexiko Stadt

8.1.2008 | Von:
Ina Hilse

Soziale Bewegungen in Honduras

Organisierte Frauenbewegung

Organisierte Frauenbewegung gibt es in Honduras seit 1926, als sich die "Sociedad Cultural Femenina" für ökonomische und politische Rechte von Frauen einsetzte. Visitación Padilla und Graciela García waren zentrale Figuren dieser Frauenbewegung. Sie hat für Bildungsmöglichkeiten ärmere Frauen eingesetzt und begriff sich als Teil der Arbeiterbewegung. In den 1950er-Jahren erkämpfte die Bewegung das Frauenwahlrecht, das 1954 als letztes Land in Lateinamerika eingeführt wurde.

Im Rahmen der Menschenrechtsbewegung wurde 1984 das "Movimiento de Mujeres por la Paz Visitacion Padilla" gegründet, benannt nach der Aktivistin Visitación Padilla. Die Frauen setzten sich mit Sitzblockaden, Demonstrationen vor den Militärstützpunkten, Hungerstreiks und kulturellen Aktionen gegen die Präsenz des US-Militärs und der Kontra-Bewegung in Honduras ein. In Hochzeiten waren zum diesem Zeitpunkt 60.000 Soldaten aus den USA in Honduras stationiert.

Die feministische Frauenbewegung in Honduras entstand zu einem beträchtlichen Teil aus den aus dem Exil zurückgekehrten Aktivistinnen der studentischen Protestbewegung der 1980er-Jahre. Im Exil waren sie mit feministischen Ideen in Kontakt gekommen, die ihre Unzufriedenheiten in den studentischen oder gewerkschaftlichen Organisationen, in denen sie bis dahin aktiv gewesen waren, aufgriffen. Zurückgekehrt nach Honduras, bildeten sie Gruppen, die zunächst Selbstreflektion und die Analyse der Situation von Frauen in der Gesellschaft zum Thema hatten, ähnlich der Frauenbewegung der 1970er-Jahre in der BRD. Ab Anfang der 1990er bildeten sich Gruppen, die auch an die Öffentlichkeit gingen und eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse anstrebten. Grundlage ihrer Forderungen ist, dass Frauen sich grundsätzlich in einer sozial benachteiligten Situation gegenüber Männern befinden und politische, soziale und ökonomische Veränderungen sich daher immer in ungleichem Maße auf die Situation von Frauen auswirken. Zu diesen Gruppen gehören das Zentrum für Frauenrechte CDM (Centro de Derechos de Mujeres), gegründet 1992, CEM-H (Centro de Estudios de la Mujer) gegründet 1987, und das Colectivo Feminista de Mujeres Universitarias COFEMUN, entstanden zwischen 1992 und 1994. Alle wollen durch politische und/oder juristische Einflussnahme einen Beitrag zur Veränderung dieser benachteiligten Situation von Frauen und der Machtbeziehung zwischen Männern und Frauen leisten.

Gewalt gegen Frauen



Zwei Verdächtige werden in Tegucigalpa, Honduras, von der Polizei verhaftet. Sie sollen zur Jugendgang Mara 18 gehören. Von den in ganz Lateinamerika verbreiteten Gangs soll es allein in Honduras mehr als 500 geben, denen 100.000 Mitglieder angehören.Zwei Verdächtige werden in Tegucigalpa, Honduras, von der Polizei verhaftet. Sie sollen zur Jugendgang Mara 18 gehören. Von den in ganz Lateinamerika verbreiteten Gangs soll es allein in Honduras mehr als 500 geben, denen 100.000 Mitglieder angehören. (© AP)
Das größte Thema der honduranischen Frauenbewegung war und ist Gewalt gegen Frauen. In einer Gesellschaft, die vom Machismo geprägt ist, werden Frauen oft nur als Sexualobjekte und billige Arbeitskräfte gesehen. Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung von Mädchen durch männliche Familienmitglieder sind nicht ungewöhnlich. Gewalt gegen Frauen ist an der Tagesordnung: Allein von Januar bis Oktober 2006 fanden 128 Frauen in diesem Umfeld einen gewaltsamen Tod.

Angeboten wurde von den feministischen Frauengruppen dazu zunächst psychologische Unterstützung. Eine spätere Aktionslinie bestand darin, die Situation von Frauen auch gesetzlich abzusichern, sodass es in Honduras seit 1998 ein Gesetz gegen häusliche Gewalt gibt. Im Laufe der 1990er-Jahre differenzierten die Themen stärker aus. So hat die Frauenbewegung in den jüngsten Jahren wichtige Arbeit geleistet, um die Partizipation von Frauen in öffentlichen Räumen und die Einrichtung von Frauenbüros voranzubringen, Arbeitsrechte von Frauen zu verankern sowie sexuelle und reproduktive Rechte zu thematisieren.

Die soziale Bewegung in Honduras ist immer wieder durch Spaltungen, Verfolgung kurzsichtiger Interessen und Opportunismus sowie persönliche Konflikte unter den Führungspersonen und interne Machtkämpfe geschwächt worden. Dennoch hat sie verschiedene Ziele im Laufe der Zeit erreicht, beispielsweise Arbeitsgesetzgebung, ein institutionalisiertes Agrarreform-Programm, Sozialgesetzgebung, Mindestlöhne, Gesetze zum Schutz von Frauen. Aktuell sind im NGO-Sektor Organisationen zu Themen wie Armutsbekämpfungsstrategie, Umwelt- und Ressourcenschutz, Migration, ethnische Zugehörigkeiten engagiert.

Links

Arbeitsbedingungen Sicherheitsbranche (spanisch)

Frauenrechte, Maquila: CDM (spanisch)

CEM-H (spanisch)

Landrechte (englisch)

Alternative Informationen

Conexihon.com - Periodismo de Honduras (spanisch)

Portal de Desarrollo Sostenible (spanisch)

Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras COFADEH (spanisch)

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/2.0
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Schwerpunkt

Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro

2016 ist Brasilien Gastgeber des Megaevents Olympische Spiele. Das Land befindet sich in einer politischen Krise und das Ansehen der Spiele hat durch Dopingskandale gelitten. Wofür steht Sport und wie geht es dem größten Land Lateinamerikas?

Mehr lesen

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 41-42/2010)


Die Linke in Lateinamerika

Bisherige Versuche, auf dem Subkontinent sozialistische Politik umzusetzen, sind am Widerstand der USA und an gravierenden Fehlern der reformistischen und revolutionären Regime gescheitert.

Mehr lesen