Ein Vocho am Zocalo von Mexiko Stadt

8.1.2008 | Von:
Karl-Dieter Hoffmann

Drogenhandel in Mexiko

Korruption: Schmiermittel des Drogenhandelmotors

Kriminelle Kreativität und brutale Rücksichtslosigkeit bei der Durchsetzung ihrer Interessen sind wichtige Faktoren zur Erklärung des Erfolgs von mexikanischen Drogenbanden. Dazu gesellt sich als quasi nicht zu überschätzende Einflussgröße die Korruption, die in Mexiko eine lange Tradition besitzt, durch das Drogengeschäft aber in eine neue Dimension vorgerückt ist. Die riesigen Gewinne der Kartelle werden zum Teil dafür verwendet, die Kooperation oder Duldung staatlicher Stellen oder Funktionsträger zu erkaufen. Oft wird die Unterstützung auch durch Einschüchterung und (Todes-)Drohungen erreicht. Auf das Konto der Kartelle gehen zahlreiche Morde an Politikern, Justizbeamten und Journalisten. Jahr für Jahr werden Hunderte von Polizisten entlassen, weil sie mit Drogenhändlern gemeinsame Sache gemacht haben.

Mehrfach wurden ganze Einheiten der Sicherheitskräfte aufgelöst, weil sie in Drogendelikte verstrickt waren. Der korrumpierende Einfluss der Drogenbosse reicht bis in die obersten Ränge von Politik, Polizei und Militär. 1997 wurde der Chef der mexikanischen Drogenpolizei als Komplize des Anführers des damals mächtigsten Kartells (Juárez) entlarvt; der Bruder von Präsident Salinas hat während dessen Amtszeit (1988-1994) Dutzende Millionen US-Dollar von Drogenhändlern erhalten.

Auch wenn die Gegenmaßnahmen der Regierung konsequenter durchgeführt würden, wären sie kaum in der Lage, die angestrebte Unterbindung des Drogenhandels zu bewirken, weil sie der Logik des durch die Verbotspolitik genährten lukrativen Geschäfts widersprechen. Die Attacken auf die Kartelle entscheiden aber mit darüber, welche Gruppe zu welcher Zeit in welchem Maß am Gesamtumsatz des Drogenschmuggels beteiligt ist. Die Schwächung eines Kartells durch die Festnahme seines Anführers oder mehrerer seiner Führungspersonen setzt regelmäßig blutige Auseinandersetzungen in Gang, mit der die Konkurrenz versucht, ihr Einflussgebiet auf Kosten der rivalisierenden Organisation auszuweiten bzw. deren Geschäfte gänzlich zu übernehmen. Solche Mechanismen bilden den Hintergrund der drogenhandelsbedingten Gewalteskalation der Jahre 2005 und 2006.

Solange der Verbrauch von Kokain und Heroin jenseits der Nordgrenze nicht stark zurückgeht, werden Macht und Einfluss der organisierten Drogenkriminalität in Mexiko kaum zu brechen sein.

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