Dossierbild: USA (Freiheitsstatue)
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Bürgerkrieg und Sklaverei


10.10.2008
Er war die große Bewährungsprobe der noch recht jungen Republik: Der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten 1861-65. Im Zentrum des Konfliktes stand der Streit um die Abschaffung der Sklaverei.

Mehr als jedes andere Ereignis hat der Bürgerkrieg (1861 bis 1865) das "amerikanische Experiment" auf eine regelrechte Probe gestellt. Kein Krieg in der Geschichte der USA hat mehr amerikanische Leben gefordert – die Zahl wird auf über 600.000 Soldaten und mehrere Hunderttausend Zivilisten geschätzt.

Nordstaatentruppen belagern während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges das Ufer des North Anna River, Mai 1864.Nordstaatentruppen belagern das Ufer des North Anna River, Mai 1864. (© Libary of Congress)

Die Hauptursache für den Bürgerkrieg war zweifellos die Sklaverei mit all ihren Begleiterscheinungen und Konsequenzen. In zwei großen Fragen standen die Nordstaaten und die Südstaaten der USA einander unversöhnlich gegenüber: Erstens, wie ließ sich das Gleichheitsgebot der Unabhängigkeitserklärung mit der Unfreiheit von Millionen schwarzer Amerikaner vereinbaren? Die Mehrheit im Norden plädierte für die Sklavenbefreiung, der Süden fürchtete dagegen, dass die Abschaffung der peculiar institution auch die Grundlage der Plantagenwirtschaft zerstören würde. Zweitens, wie wichtig war die Einheit der Nation? Eine Mehrheit im Norden hielt den nationalen Zusammenhalt für permanent und unauflöslich. Im Süden fand dagegen auch die Auffassung Resonanz, die USA könne man als einen lockeren, möglicherweise aufkündbaren Zusammenschluss von souveränen Staaten sehen. Aus der Rückschau erscheint es folgerichtig, dass der im Bürgerkrieg ausgefochtene Konflikt sowohl zur Abschaffung der Sklaverei als auch zur verfassungsmäßigen Einheit der Nation führte. Aber im Jahr 1861 stellte sich die Situation ganz anders dar. Die Geschichte hätte – ohne die überragende politische Führung Abraham Lincolns, aber auch im Falle eines militärischen Siegs der Südstaaten – eine völlig andere Wendung nehmen und zur Spaltung der USA führen können.

Das "blutende Kansas" und Dred Scott



Der Bürgerkrieg brach nicht über Nacht aus. Schon fünf Jahre bevor im April 1861 die ersten Schüsse fielen, hatten Sklavereigegner (die sogenannten Abolitionisten) und Sklavereibefürworter im Streit um Kansas eine Art Stellvertreterkrieg geführt, was dem Territorium bald den unrühmlichen Beinamen "blutendes Kansas" eintrug. 700 militante Sklavereibefürworter gingen in einer gewaltsamen Aktion gegen die Abolitionistenhochburg Lawrence vor. Sie zerstörten Zeitungsverlage, plünderten Läden und brannten ganze Straßenzüge nieder. "Bekämpft Feuer mit Feuer" lautete die Parole des religiösen Fanatikers John Brown, der aus Rache ein Massaker an unbeteiligten Sklavenhaltern verübte. An den beiden Vorgängen entzündete sich ein Guerillakrieg, dem fast 200 Menschen zum Opfer fielen. Im Jahr darauf goss der Supreme Court mit einem sklavereifreundlichen Urteil noch weiteres Öl ins Feuer. Das oberste Gericht der USA nahm die Klage des Sklaven Dred Scott, der in einen freien Staat gezogen war, zum Anlass, eine Grundsatzentscheidung zur Sklaverei zu fällen. In der Urteilsbegründung verwarf der Oberste Richter die Klage Dred Scotts: Auch freie Afroamerikaner seien keine amerikanischen Staatsbürger, sondern "Wesen einer niedrigen Ordnung", die keine Rechte hätten. Präsident Buchanan, der sich auf Seiten der Sklavenbesitzer in die juristische Entscheidung einmischte, hatte die illusionäre Hoffnung gehegt, ein sklavereifreundlicher Beschluss könne die innere Situation befrieden. Das Gegenteil war der Fall. Die Sklavereigegner zeigten sich weniger denn je bereit, die Südstaatensympathien des Obersten Gerichtshofs zu akzeptieren.

Sezession und Kriegsbeginn



Unmittelbar nachdem der Republikaner Abraham Lincoln 1860 zum Präsidenten gewählt worden war – Lincoln hatte eine maßvolle Mittelposition in der Sklavenfrage bezogen und war deshalb am ehesten mehrheitsfähig –, schritten die radikalen Sklavereibefürworter, die sogenannten Fire Eaters, zur Tat und drängten auf die Abspaltung der Südstaaten vom Norden. Zwischen Dezember 1860 und Februar 1861 lösten sich nacheinander sieben Staaten (South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas) aus der Union der Vereinigten Staaten heraus, erklärten sich souverän und bildeten eine neue Republik, die Konföderierten Staaten von Amerika. Zum Präsidenten wurde der aus einer wohlhabenden Pflanzerfamilie stammende ehemalige Senator und Kriegsminister Jefferson Davis gewählt. Lincoln sah darin eine umstürzlerische Aktion. Zur militärischen Auseinandersetzung kam es im April 1861, als Jefferson Davis dem US-Präsidenten die Versorgung von Fort Sumter in South Carolina verwehrte, das Fort beschießen ließ und zur Kapitulation zwang. Für den Süden hatte damit der "Krieg zwischen den Staaten" begonnen; im Norden sprach man dagegen vom "Rebellionskrieg".