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Kapitalismus in der Krise

Die Finanzkrise der USA und ihre globalen Auswirkungen


10.10.2008
Stetig wachsender Reichtum für alle: Mit der US-Finanzkrise zerplatzte dieser amerikanische Traum wie eine Seifenblase. Lange haben die USA über ihre Verhältnisse gelebt und so die weltweite Wirtschaft in Schwung gehalten. Jetzt bröckeln die Fundamente des Kapitalismus, der seit Jahrzehnten die Ökonomien der westlichen Welt geprägt hatte. Und das Vertrauen ist dahin: Die USA könnten ihre Rolle als wirtschaftliche Weltmacht verlieren.

Morgan Stanley (hier ein Bild des New Yorker Hauptquartiers) gab in Zuge der Finanzkrise ihren Status als Investmentbank auf.Verkehr passiert das Morgan Stanley Hauptquartier in New York. (© AP)
"Es ist wie mit vielen Alpträumen", schrieb der britische "Economist" Ende September 2008. "Dieser fühlt sich an, als würde er niemals enden." Der Alptraum war die von den USA ausgehende Finanzkrise, die zu diesem Zeitpunkt einen neuen Höhepunkt erreichte. Sie schien die ganze Welt in ihren Strudel zu ziehen. Das traditionsreiche Finanzinstitut Lehman Brothers war in den Konkurs gerutscht, ohne dass jemand zur Rettung eilte. Konkurrentin Merrill Lynch wurde von der Bank of America geschluckt, der Versicherungsriese American International Group (AIG) zwangsverstaatlicht. Auch Goldman Sachs und Morgan Stanley, die beiden einzigen an der Wall Street verbliebenen großen Investmentbanken, steckten in Schwierigkeiten – obwohl ihre Geschäfte eigentlich trotz der Krise relativ gut liefen. Doch die Aktionäre der Geldhäuser interessierte das nicht mehr. Sie hatten nur noch Angst um ihr Geld.

"Tsunami" auf den Finanzmärkten



Der durch die Lehman-Pleite ausgelöste erneute Schock versetzte die Finanzmärkte rund um den Erdball in Schrecken. "Der Tsunami rollt weiter", sagte der französische Regierungsberater Jacques Attali im Gespräch mit der Tageszeitung "Le Figaro". "Er trifft die Küsten in unterschiedlichen Momenten." In Großbritannien überlebte die Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS) nur, weil sie von einer weiteren großen Bank gekauft wurde, der Lloyds TSB. In Deutschland fürchteten die Landesbanken nach dem Debakel der Lehman-Bank um mehr als eine Milliarde Euro.

Weltweit stürzten die Aktienkurse auf Rekord-Tiefstände, ob in Deutschland, den USA, Brasilien oder Südkorea. Lieber als in Aktien steckten die Anleger ihr Kapital in Gold. In Deutschland meldeten Sparkassen, sie könnten die Nachfrage nach dem krisenfesten Edelmetall kaum noch bedienen. An der Moskauer Börse war die Panik so groß, dass der Aktienhandel tagelang ausgesetzt werden musste. Die Banken liehen sich gegenseitig praktisch kein Geld mehr. Um den völligen Kollaps zu verhindern, pumpten die großen Notenbanken der Welt tagelang insgesamt dreistellige Milliardenbeträge ins System. Nur die Nachricht, dass die US-Regierung erwog, faule Kredite der US-Banken künftig zu übernehmen, konnte die Aktienmärkte am Ende dieser schwarzen Woche beruhigen - vorübergehend, denn im Oktober spitzte sich die Krise noch weiter zu. Mit Macht stemmten sich Regierungen und Notenbanken dagegen, senkten die Zinsen, stellten Hilfen in Milliardenhöhe bereit. Es schien kaum zu helfen.

Leben auf Pump



Das gegenseitige Vertrauen war dahin. Mit ihm bröckelten die Grundfeste eines von den Finanzmärkten gestalteten Kapitalismus, der seit Jahrzehnten die Wirtschaft der westlichen Welt geprägt hatte. Lange schon hatten die USA über ihre Verhältnisse gelebt und damit die globale Wirtschaft in Schwung gehalten. Weil praktisch jeder Kredite erhielt, um ein eigenes Haus zu finanzieren, und der Wert der Immobilien in einem völlig überdrehten Markt ständig stieg, glaubten die Amerikaner sich reich. Sie gaben mit vollen Händen aus, was sie gar nicht besaßen, und machten so jene wohlhabend, die ihnen die gewünschten Waren und Dienstleistungen lieferten. Davon profitierten auch deutsche Firmen, ihre Anteilseigner und Angestellten. Die hohen Gewinne, die im Finanzsektor erzielt und anderswo investiert oder ausgegeben wurden, verliehen der Wirtschaft zusätzlichen Schwung. Vor allem globale Finanzzentren wie New York oder London boomten.



 

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