Das Taj Mahal in Agra ist das Wahrzeichen Indiens.
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Epochen der indischen Geschichte bis 1947

Von den Hindu-Königreichen über Mogul-Herrschaft und Kolonialzeit zur Republik


18.1.2007
Dieser Beitrag bietet einen geschichtlichen Überblick von den Besiedlungen der Frühzeit und den Hindu-Königreichen, der Herrschaft der muslimischen Mogul-Kaiser und der britischen Kolonialzeit bis zum Weg in die Unabhängigkeit.

Einleitung



Das Grabmal von Safdarjang in Neu Delhi, ein Beispiel der Mogul-Architektur.Das Grabmal von Safdarjang in Neu Delhi, ein Beispiel der Mogul-Architektur. (© Stefan Lampe)
Die frühesten bisher gefundenen Spuren menschlicher Aktivität in Indien gehen zurück auf die Zeit um 200.000 vor Christus. Aus dieser Zeit sind vor allem Steinwerkzeuge und Höhlenmalereien überliefert. Die Entwicklung einer Ackerbaukultur und die ersten Ansätze von dauerhaften Siedlungen fanden im vierten Jahrtausend vor Christus statt. Von hier ausgehend, entwickelte sich im Indus-Tal eine relativ fortgeschrittene Stadtkultur (Harappa-Kultur), die sich später in den Süden und Westen ausdehnte und bis etwa 1500 vor Christus währte. Sie finanzierte sich durch landwirtschaftlichen Überschuss und trieb ausgedehnten Handel. Diese Kultur ging wahrscheinlich durch ökologische und tektonische Veränderungen (Rückgang der Niederschläge, Verlagerung von Flussläufen durch geologische Verwerfungen) zugrunde.

Es wird vermutet, dass die Induskultur schon etliche Jahrhunderte vor dem Einfall der zahlenmäßig zwar unter-, militärisch aber deutlich überlegenen Indoarier (Teil der indogermanischen Völkerfamilie) untergegangen war. Die "arische" (das Wort ist abgeleitet von damals in Indien eintreffenden nomadisierenden Rinderhirten, die sich selbst arya – die Edlen – nannten) Hochkultur überlieferte uns die Veden. Das sind die in der klassischen indischen Sprache Sanskrit verfassten Hymnen, Legenden und liturgischen Texte, die die Bausteine der hinduistischen Tradition bilden.

Frühe Zivilisationen



Diese neue Hindu-Zivilisation zeichnete sich durch Ackerbau, einen pantheistischen religiösen Überbau, Erbkönigtum und einen vergleichsweise hohen technischen Standard (Eisenverarbeitung, Mathematik und Astronomie) aus. Auf diese Zivilisation gehen auch das Kastenwesen und hinduistische Vorstellungen von pflichtgemäßer Lebensführung zurück. Dem Kastenwesen liegt die Vorstellung einer vorgegebenen, hierarchisch gegliederten gesellschaftlichen Ordnung und Separation zugrunde. Es steht damit im Gegensatz zu Gleichheits- und Brüderlichkeitsidealen anderer Religionen. Seine positive soziale Funktion war damals die Integration einer Vielzahl von neuen Gruppierungen, denen Rang und Funktion in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zugewiesen wurde.

Die Umbruchphase dieser Zivilisation (6. Jahrhundert vor Christus) war geprägt durch militärische Auseinandersetzungen, die Konsolidierung einer Reihe von Hindu-Königreichen im Norden Indiens und durch eine allmähliche Verhärtung des Kastenwesens. In dieser Zeit entwickelten sich zwei größere Reformbewegungen, der Buddhismus und der Jainismus, die zwar wesentliche Elemente des Hinduismus wie etwa die Wiedergeburt beibehielten, die aber einen individuell erreichbaren Weg zur Erlangung des Heils aufzeigten, nicht zuletzt durch Gewaltfreiheit. Aus der nachfolgenden Zeit sind – durch den Kontakt Indiens mit den hellenistischen Königreichen – relativ umfangreiche Zeugnisse erhalten.

Im dritten Jahrhundert bildete sich das erste große und zentralistisch organisierte Hindu-Königreich (Magadha), das bereits einen großen Teil des späteren Gesamtindien einnahm, die Landwirtschaft beherrschte und das Gewerbe effektiv kontrollierte und besteuerte. Das Königreich verfügte über eine stehende Armee und eine ausgedehnte Beamtenschaft. Der bekannteste Herrscher dieser Zeit, Kaiser Ashoka, beendete die militärische Expansion und entwickelte eine neue Staatsphilosophie sozialer Verantwortlichkeit (Toleranz, Gewaltfreiheit und Mitgefühl). Gleichzeitig wurde ein zentralistisches System der Landübertragung, Verwaltung und Unterwerfung der Bauern unter Naturalabgaben etabliert. Ashokas Staatsethik war ein säkularisierter Buddhismus. Er suchte darin eine neue Legitimationsgrundlage, ohne diesen direkt zur Staatsreligion zu machen. Nach Ashokas Tod verfielen sein Reich und seine Staatsideologie. Die Brahmanen und die von ihnen legitimierten Könige bekamen wieder die Oberhand.

Gegen Ende des Altertums gelang es der Gupta-Dynastie, ein Großreich zu errichten. Die Herrschaftszeit dieser Dynastie vom vierten bis zum Ende des fünften Jahrhunderts nach Christus gilt als die Blütezeit der klassischen Sanskritliteratur.

Die Periode des alten Indien unter der Gupta-Dynastie wurde später als goldenes Zeitalter betrachtet. Sie brachte einen erheblichen Aufschwung der Literatur, der Wissenschaften und auch wirtschaftliche Prosperität. Die Einheit ging in den Anstürmen der Hunnen verloren. Südindien erlebte in dieser Zeit eigene territoriale und dynastische Konflikte. Am bekanntesten ist hier die Chola-Dynastie, die mit ihrer Flotte den Golf von Bengalen beherrschte und einen Teil von Ceylon (heute Sri Lanka) annektierte. Der Tempel war das Zentrum des damaligen sozialen und ökonomischen Lebens in Südindien, das auch zu einem Aufschwung der südindischen Literatur beitrug. Diese griff auf Themen der Sanskritliteratur zurück und bezeugte damit, bei aller politischen Zersplitterung, die kulturelle Einheit ganz Indiens.

Islamische Herrschaft



Ende des zehnten Jahrhunderts drangen islamische Turkvölker nach Nordwestindien ein und eroberten bis zum 13. Jahrhundert Delhi und die Ganges-Ebene. Die Sultane von Delhi gründeten ihre Herrschaft auf die Pflichten und Rechte der Scharia und zogen von Nicht-Muslimen Schutzgelder ein. Sie strebten aber nicht die völlige Unterwerfung unter den Islam und die Beseitigung der hinduistischen Sozialordnung an, wenngleich etliche Tempel zerstört wurden. Selbständigkeitsbestrebungen der unteren Führer sowie fehlende Regelungen friedlicher Nachfolge und Konflikte (auch religiöser Art) mit der beherrschten Bevölkerung ließen das Sultanat auseinander brechen und führten erneut zu politischer Fragmentierung.

Die Jama Masjid in Delhi ist die größte Moschee Indiens.Die Jama Masjid in Delhi ist die größte Moschee Indiens. (© Stefan Lampe)
Anfang des 16. Jahrhunderts fielen die aus Zentralasien stammenden Moguln in Nordindien ein und brachten mit ihrer technisch überlegenen Armee (Feldartillerie) bald weite Teile Indiens unter ihre Kontrolle. Aus der Zeit der Mogul-Herrscher stammen so unvergängliche Bauwerke wie das Grabmal Taj Mahal in Agra und die große Moschee Jama Masjid in Delhi. Eine der bekanntesten Herrschergestalten war Akbar (1556-1605), der das Reich erheblich ausdehnte, für eine effiziente, uniforme Verwaltung und Steuereinziehung sorgte und sich durch religiöse Toleranz auszeichnete. Er schaffte die Reformen für einen stabilen Religionsfrieden zwischen Hindus und Muslimen und garantierte religiöse sowie kulturelle Freiheiten.

Ein Jahrhundert nach Akbar kam allerdings mit Aurangzeb (1658-1707) ein Mogul an die Macht, dessen Politik dazu führte, dass sich Hindus und Muslime tief in feindliche Fronten spalteten. Aurangzeb verfolgte wieder einen orthodox-religiösen Kurs, ließ Hindu-Tempel niederreißen und hinderte die Bevölkerung an der Religionsausübung. Durch diese Vorgehensweise und die zunehmende steuerliche Ausblutung der landwirtschaftlichen Bevölkerung kam es zu Rebellionen, die das Ende der Dynastie brachten.

Die Herrscher aus der Gegend um Bombay (heute Mumbai), die zum Teil im Dienste der Moguln groß geworden waren und diese zu beerben versuchten, brachten mit hohen Abgaben die Bevölkerung ebenfalls gegen sich auf. Sie scheiterten bei der Bildung eines Großreiches, unterlagen gegen die eindringenden Afghanen 1761 und rieben sich zwischen 1775 und 1818 in Kriegen gegen die englische Ostindiengesellschaft (East India Company) auf, einer privaten Kaufmannsgesellschaft unter dem Schutz der britischen Krone.

Kolonialzeit



Die politische Fragmentierung Indiens nach dem Tode Aurangzebs erschwerte das Geschäft der europäischen Handelsniederlassungen, die sich seit dem 17. Jahrhundert in Indien etabliert hatten; sie wandten innerhalb ihrer Gebiete eigenes Recht an. Die britischen und französischen Niederlassungen unterstützten unterschiedliche Fraktionen in den dynastischen Nachfolgekämpfen Süd- und Nordindiens. Französische Kräfte konnten den Briten aber nicht lange widerstehen. Die Briten wiederum schlugen in der Schlacht von Plassey 1757 gegen die Bengalen den Nawab von Bengalen, der sie sechs Jahre zuvor aus Kalkutta (heute Kolkata) vertrieben hatte, und leiteten damit den Beginn der englischen Herrschaft auf dem Subkontinent ein. Großbritannien herrschte bis zu den Unruhen 1857 indirekt durch die Ostindiengesellschaft über Indien, was die territoriale Ausdehnung und wirtschaftliche Ausbeutung jedoch nicht hinderte. Südindien und die Gangesebene fielen Ende des 18. Jahrhunderts unter britische Herrschaft, um 1830 folgten Zentral- und Nordostindien, 1849 wurde der Punjab annektiert. Die dabei verwandten Expansionsmethoden waren die Einsetzung der Ostindiengesellschaft zur Einziehung von Steuern und der Abschluss militärischer Allianzen (gegen Tributzahlungen und Souveränitätsabtretung) mit den Fürsten.

Die faktische Inbesitznahme weiter Teile Indiens durch die Ostindiengesellschaft war anfangs begleitet von einer beispiellosen Ausbeutung des Landes, bis – getragen von öffentlicher Empörung – diesem Treiben mit dem India Act von 1784 ein Ende zu machen versucht wurde. Privathandel wurde untersagt, kommerzielle und finanzielle Funktionen strikt getrennt, die Einziehung der Agrarsteuer vereinheitlicht und ein System unabhängiger Gerichte eingeführt. Die Regulierung des Landbesitzes führte jedoch in Zusammenhang mit der Einsetzung der Steuereintreiber (Zamindars) als Grundherren zu einer erheblichen Belastung der Landwirtschaft und zog rasch aufeinander folgende Hungersnöte nach sich. Die Briten brauchten sich mit ihren Grundsteuerforderungen nur an die "Grundherren" zu halten. Diese wiederum waren für die Ablieferung der Grundsteuern allein verantwortlich, so dass viele der Versuchung unangemessen überhöhter Forderungen erlagen.

Zudem wurden durch den Import billigerer Tuche aus England Millionen von indischen Webern und Färbern arbeitslos. Indien wurde auf den Status eines Rohstoffproduzenten reduziert. Mit den Engländern kamen auch bald Missionare, die zwar keine Massenkonversionen bewirken konnten, deren Schulen, Hospitäler und persönlicher Einsatz auf die spätere Bewegung in Indien zur Reform des Hinduismus aber einen tiefen Einfluss hatten. Unter dem Generalgouverneur Lord Bentick wurden das indische Zivil- und Strafrecht nach englischem Muster kodifiziert und besonders gegen die Menschenwürde verstoßende Praktiken wie die Witwenverbrennung oder Ritualmorde untersagt. Die Einführung westlichen Unterrichts (in englischer Sprache) zwang die bislang persischsprachige Verwaltungselite zu entsprechender Umstellung. Englisch wurde mehr und mehr zur alleinigen Amtssprache.



 

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