Das Taj Mahal in Agra ist das Wahrzeichen Indiens.

4.6.2013

Indien

Wirtschaft

Flaute
Das Wirtschaftswachstum schwächte sich 2011 deutlich ab; im Fiskaljahr 2011/12 lag es bei weiter abnehmender Tendenz nur noch bei 6,9%. Trotz der nachlassenden wirtschaftlichen Dynamik blieb die Inflation hoch, so dass die Notenbank ihre im April 2010 eingeleitete restriktive Geldpolitik fortsetzte: Am 25.10.2011 erhöhte sie den Leitzins zum dreizehnten Mal in Folge auf einen Satz von 8,5%; erst am 17.4.2012 reduzierte Notenbankpräsident Duvvuri Subbarao auf Drängen der Wirtschaft und Politik den Leitzins auf 8%. Die Hochzinspolitik konnte den Anstieg der Konsumentenpreise aber nicht wesentlich dämpfen, was auch am rapiden Verfall des Außenwerts der Rupie lag, die im Berichtsjahr fast ein Viertel ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar einbüßte. Dadurch verschärfte sich das Problem steigender Energiepreise, die auch die Produzenten vor Probleme stellten - insbesondere die hohe Abhängigkeit von Importkohle und Erdöl führte zu steigenden Kosten bei Industrie und Haushalten. Trotz der für die Branche hilfreichen Abwertung der Währung und sinkender Weltmarktpreise für Baumwolle gelang es der schwächelnden Textilindustrie, das Außenhandelsministerium zu einem am 5.3.2012 verkündeten Ausfuhrverbot für Baumwolle zu veranlassen, das aber bereits am 12.3. von der Regierung im Interesse der Bauern wesentlich gelockert wurde.

Verkehr
Von der allgemeinen Flaute waren auch Wachstumsbranchen wie die Autoindustrie betroffen, die - nicht zuletzt wegen steigender Benzinpreise und langer Streiks - deutlich weniger Fahrzeuge verkaufen konnte als 2010. Die unter Überkapazitäten leidende Luftfahrtbranche geriet durch die hohen Treibstoffpreise in eine akute Krise: So musste die staatliche Fluggesellschaft Air India im April 2012 mit einer staatlichen Finanzhilfe in Höhe von etwa 6 Mrd. US-$, davon fast ein Viertel als Soforthilfe, gestützt werden. Luftfahrtminister Ajit Singh drohte im Streit mit der Europäischen Union wegen der Emissionsabgabe für ausländische Fluggesellschaften mit Vergeltungsmaßnahmen. Kapitalmangel verhinderte bislang auch die Modernisierung des Eisenbahnwesens, das im Juli 2011 von einer Reihe schwerer Unglücke betroffen war. Eine Regierungskommission empfahl im Februar 2012, in den Bau von Bahnübergängen zu investieren - jährlich kommen beim Überqueren von Gleisen etwa 15.000 Menschen ums Leben. Doch der Versuch von Eisenbahnminister Dinesh Trivedi (TC), durch eine Erhöhung der seit fast einem Jahrzehnt stabilen Fahrpreise die finanzielle Situation der Bahn zu verbessern und so Investitionen zu ermöglichen, endete trotz der Zustimmung der Gewerkschaften am 18.3. mit der Entlassung des Eisenbahnministers, die von seiner Parteivorsitzenden Mamata Banerjee gefordert worden war. Auch die Investitionen in den Straßenbau blieben hinter den Ankündigungen der Regierung zurück.

Finanzsystem
Das stark regulierte Finanzsystem wurde durch einige Maßnahmen geöffnet: So wurde den Banken im Oktober 2011 erlaubt, die Zinsen für Spareinlagen selbst festzulegen, eine Maßnahme, durch welche die private Sparbereitschaft gefördert und zugleich die Wettbewerbsposition privater Geldinstitute gestärkt werden soll. Die Deregulierung des Kapitalmarkts wurde vorangebracht: Seit dem 15.1.2012 ist ausländischen Anlegern aus mehr als 80 Ländern der Direkterwerb indischer Aktien gestattet - bis dahin konnte dies nur mittelbar über Fonds geschehen. Bis zu 10% des Unternehmenskapitals dürfen nun in ausländischer Hand liegen, ausländische Einzelinvestoren dürfen bis zu 5% einer Gesellschaft besitzen.

Arzneimittelmarkt
Auf dem wachsenden indischen Pharmamarkt musste der deutsche Hersteller Bayer in einem Patentstreit eine schwere Niederlage hinnehmen: Ein Gericht hob im März 2012 den Patentschutz für ein von Bayer entwickeltes Krebsmedikament vor Ablauf der gesetzlichen Frist auf und sprach dem Unternehmen im Streit mit einem einheimischen Nachahmer nur geringe Lizenzgebühren zu. Als Begründung für die Entscheidung diente das öffentliche Interesse am Zugang zu modernen Therapien, der auch ärmeren Patienten ermöglicht werden soll.

Haushaltspolitik
Der am 16.3.2012 von Finanzminister Pranab Mukherjee vorgelegte Haushalt der Union im Etatjahr 2012/13 sah Einschnitte bei den staatlichen Subventionen für Lebensmittel, Treibstoff und Düngemittel und eine Erhöhung der Verbrauchssteuern vor.


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