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Die Islamische Republik Iran


14.5.2009
Irans politisches System ist einmalig: Es vereinigt republikanisch-demokratische und theokratisch-autoritäre Elemente. Trotz ideologischer Widersprüche, innen- und außenpolitischer Krisen sowie heftiger Richtungskämpfe innerhalb der Elite ist die Islamische Republik beachtlich stabil. Anlässlich des 25. Jahrestages der islamischen Revolution 2004 zeichnete der Iran-Experte Wilfried Buchta ihre Entwicklung nach.

Einleitung


Von 1989 bis 1997 ist Akbar Haschemi Rafsandschani (l.) Irans Präsident. Neben ihm sitzt das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei.Von 1989 bis 1997 ist Akbar Haschemi Rafsandschani (l.) Irans Präsident. Neben ihm sitzt das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. (© AP)

Im Februar 2004 beging die Islamische Republik Iran im Rahmen ihrer alljährlichen Zehntagefeiern zum Sieg der Revolution den 25. Jahrestag der triumphalen Rückkehr des Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini, dem 2. Mio. Iraner bei seiner Ankunft in Teheran am 1. Februar 1979 einen begeisterten Empfang bereiteten. Der Schah hatte bereits am 16. Januar das Land verlassen. Die bislang schahtreuen Streitkräfte erklärten sich am 11. Februar für neutral,[1] woraufhin Shahpur Bakhtiyar, der letzte vom Schah eingesetzte Ministerpräsident den Machtkampf verloren gab und in den Untergrund abtauchte. Vierundzwanzig Stunden später beauftragte Khomeini den frommen liberal-islamischen Technokraten Mehdi Bazargan mit der Bildung einer provisorischen Revolutionsregierung, die einen Tag später von den USA und der UdSSR anerkannt wurde. In dem am 30. März 1979 abgehaltenen Referendum erklärten 97 Prozent der Teilnehmer ihre Zustimmung für eine Islamische Republik. Khomeini proklamierte daraufhin den 1. April "zum ersten Tag der Herrschaft Gottes" auf Erden.

Die Jahresfeiern der Revolution geben Anlass, eine vorläufige Bilanz der Politik der Islamischen Republik Iran zu ziehen, eines theokratisch-republikanisches Hybridsystems, das eine - gemessen an vielen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens - beachtliche Stabilität gewahrt hat. Dies ist beileibe nicht selbstverständlich, schließlich leidet Irans System seit geraumer Zeit unter ideologischen Widersprüchen, einer bröckelnden Legitimationsbasis seines Revolutionsführers, heftigen Richtungskämpfen innerhalb seiner Machtelite und einer chronischen Wirtschaftskrise, die noch durch einseitige Handelsembargos der USA verstärkt wird. Dennoch hat Irans System bis zur Stunde die Kassandrarufe der Exilopposition, die seit 1979 seinen baldigen Untergang vorhersagen, widerlegt.

Um eine Bilanz von 25 Jahren Islamischer Republik zu ziehen, kommt man nicht umhin festzustellen, dass es neben einigen festen ideologisch-politischen Konstanten und Kontinuitäten auch bedeutsame, an bestimmte Persönlichkeiten und Ereignisse geknüpfte Umbrüche, Richtungswechsel und Akzentverschiebungen gegeben hat, die es erlauben, die gesamte Periode in drei Phasen einzuteilen. Angelehnt an Ebrahim Yazdi, Irans ersten Außenminister nach 1979,[2] kann man durchaus von drei Republiken sprechen, nämlich der Dekade des Revolutionsführers und Republikgründers Khomeini (1979 - 1989), der durch das Duumvirat aus Revolutionsführer Khamenei und Präsident Rafsanjani geprägten Phase der "Zweiten Republik" (1989 - 1997) und zuletzt der mit der Wahl Khatamis 1997 eingeleiteten und von einer islamischen Reformbewegung bestimmten "Dritten Republik".

Die "Erste Islamische Republik"



Die ersten zehn Jahre des Systems standen ganz im Zeichen der charismatischen Herrschaft Khomeinis, der ab Herbst 1978 unbestrittener Führer und Integrationsfigur eines breiten, unterschiedliche politische Kräfte umfassenden Oppositionsbündnisses war. Diesem Bündnis gelang es schließlich, durch zumeist friedlichen Widerstand in Form von gewaltigen Massendemonstrationen und landesweiten Streiks das nationalistische und proamerikanische Regime der Pahlavi-Monarchie zu stürzen. Von 1979 bis 1982 durchlief das neu etablierte Revolutionsregime nicht nur eine Phase von heftigen inneren Turbulenzen und Machtkämpfen, sondern führte auch seit September 1980 einen acht Jahre währenden Krieg gegen den Nachbarn Irak. Unter dem Eindruck der innenpolitischen Machtkämpfe der ersten Jahre entstand ein weltweit einzigartiges Hybridsystem, dessen Verfassung republikanisch-demokratische und theokratisch-auto-ritäre Elemente in sich vereinigt, wobei jedoch das Letztere eindeutig dominiert.

Dass überhaupt demokratische Elemente wie etwa eine Exekutive und eine Legislative, die aus direkten Volkswahlen hervorgehen, bis heute weiter existieren, ist das Werk der anfänglich mit den Khomeinisten verbündeten national-religiösen und liberal-islamischen Kräfte. Sie waren an der Ausarbeitung der Verfassung vom Dezember 1979 beteiligt und hatten teilweise noch bis 1981 in Staat und Regierung beträchtlichen Einfluss. Zu ihren Symbolfiguren zählten unter anderem Mehdi Bazargan (gest. 1995)[3] und Abolhasan Bani-Sadr. Bazargan, Führer der islamisch-liberalen "Iranischen Freiheitsbewegung" (NAI), leitete ab Februar 1979 auf Geheiss Khomeinis eine provisorische Revolutionsregierung aus moderaten Nationalisten und national-religiösen Technokraten. Bazargan konnte sich aber im Machtkampf mit den radikalen Islamisten, die bei Khomeini größeren Rückhalt hatten, nicht durchsetzen. Denn mit Billigung Khomeinis hatten die Islamisten ein breit gefächertes Netzwerk aus parastaatlichen Revolutionskomitees, Revolutionsgerichten und Milizen geschaffen, das als "Schattenregierung" fungierte und beständig die Autorität der Bazargan-Regierung untergrub. Als Bazargans vergebliche Proteste gegen die Besetzung der US-amerikanischen Botschaft in Teheran am 4. November 1979 seine Machtlosigkeit offenbarten, demissionierte er wenige Tage später mit seinem Kabinett, wodurch die Revolutionsbewegung erneut radikalisiert wurde. Von da ab drängten die Khomeinisten schrittweise alle Rivalen an den politischen Rand oder ins Exil, ein Prozess, der mit der Absetzung des liberal-islamischen Präsidenten Abolhasan Bani-Sadr im Juni 1981 seinen Abschluss fand. Seither haben politisierte schiitische Kleriker alle zentralen Schlüsselpositionen des Systems inne und verfügen damit über ein Machtmonopol.

Die theoretische Grundlage dieses Machtmonopols ist das von Khomeini im irakischen Exil in Najaf (1965 - 1978) entwickelte religiös-politische Konzept der "Herrschaft des islamischen Rechtsgelehrten" (velayat-e faqih). Khomeini gelang es, dieses Konzept gegen zahlreiche Widerstände als übergeordnete Staatsidee in der im November 1979 verabschiedeten Verfassung der Islamischen Republik Iran zu verankern.[4] Dadurch wurde eine Theokratie[5] in Iran etabliert, deren manifester Ausdruck das aus der velayat-e faqih abgeleitete Amt des "Herrschenden Rechtsgelehrten" (vali-ye faqih) ist - ein Terminus, der auch synonym mit dem Titel Revolutionsführer (rahbar) verwendet wird. Der Revolutionsführer hat die Vollmacht, die Entscheidungen von Exekutive und Legislative zu konterkarieren, er kann den Präsidenten absetzen und ernennt den Chef der Judikative und der regulären und revolutionären Streit-, Sicherheits- und Ordnungskräfte. Die velayat-e faqih bildet innerhalb des Doktrinengebäudes der Schia eine präzedenzlose Neuerung, da es die theologisch und politisch erfahrensten Kleriker allein ermächtigt, die politische Herrschaft auszuüben. Damit revolutionierte Khomeini die Schia-Theologie, da er mit der bis dato vom hochrangigen Schia-Klerus geübten Praxis der Abstinenz in politischen Fragen brach, welche auf dem Glauben gründet, dass während der Abwesenheit des verborgenen 12.Imams der Schia, des Mahdi, jede politische Herrschaft prinzipiell illegitim ist.

Gestützt auf ihr Machtmonopol gingen die Khomeinisten daran, Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, inklusive der Schulen, Universitäten und des Rechtssystems, getreu islamisch-revolutionären Dogmen umzubauen. Das Resultat war die zwischen 1979 und 1982 vollzogene Islamisierung des Justizwesens, der Schulen und Hochschulen, die Verstaatlichung des größten Teils der Wirtschaft, die auf Gegnerschaft zu den USA und den Export der Revolution zielende Ausrichtung der Außenpolitik, die Durchsetzung der islamischen Kleiderordnung für Frauen, die Aufhebung von Presse- und Parteienfreiheit und vieles mehr. Bereits ab 1979, doch besonders gehäuft in den Jahren 1981 bis 1982, kam es zu gewaltsamen Exzessen beim Vorgehen gegen wahre und vermeintliche Abweichler und Feinde. Dass 1981 die Radikalisierung einen Höhepunkt erreichte, hatte mit dem Überlebenskampf des Regimes gegen die iranischen Volksmojahedin (MKO) zu tun. Die ursprünglich mit Khomeini verbündeten islamo-marxistischen MKO wandelten sich nach dem Sieg über das Schah-Regime zum gefährlichsten Rivalen der khomeinistischen Führungsriege. Nachdem Khomeini im Juni 1981 den moderaten Präsidenten Abolhasan Bani-Sadr entmachtet hatte, griffen dessen stärkste Verbündete, die MKO, zu den Waffen und versuchten, das Regime durch massive Terroranschläge auf seine wichtigsten Vertreter und Funktionäre ins Wanken zu bringen. Doch das Kalkül der MKO ging nicht auf. Das Regime stürzte nicht. Stattdessen radikalisierte und brutalisierte der Terror der MKO das politische Klima Irans in einer nie gekannten Weise. Angestachelt zu brachialem Gegenterror und blinden Vergeltungsmaßnahmen, tötete das Regime bis Ende 1982 mehrere Tausend gefangen genommene Sympathisanten und Untergrundkämpfer der MKO und anderer militanter linker Oppositionsgruppen.[6] Bis Frühjahr 1982 hatten die Sicherheitskräfte Irans die MKO militärisch besiegt, ihre Untergrundzellen zerschlagen und ihre Militärkader getötet. Die politische Führung der MKO unter Mascud Rajavi hatte bereits im Juli 1981 Zuflucht im Exil genommen, erst in Frankreich und ab 1986 schließlich im Irak. Fortan gewährte Iraks Diktator Saddam Hussein den MKO massive politische, militärische und finanzielle Hilfe und instrumentalisierte sie für seine Ziele.

Nach Jahren revolutionären Furors, heftigster innenpolitischer Machtkämpfe und ethnischer und sozialer Unruhen hatte sich aber ab Ende 1982 das um seine Existenz kämpfende Revolutionsregime behaupten können. Der Krieg gegen den Irak, der auch viele regimekritische, aber patrotisch gesinnte Iraner veranlasste, um der Bewahrung des Vaterlands und der nationalen Einheit willen Khomeinis Führung anzuerkennen, tat ein Übriges, das System dauerhaft zu festigen. So konnten die Teheraner Machthaber ab 1982 ihr Augenmerk darauf richten, die innenpolitische Lage durch Konsolidierung der neu geschaffenen Institutionen zu stabilisieren. Ausdruck dieses Strebens nach Mäßigung war das an Revolutionsgerichte, Justizapparate, Revolutionskomitees und revolutionäre Streit- und Sicherheitskräfte gerichtete Acht-Punkte-Sonderdekret Khomeinis vom Dezember 1982. Das Dekret beendete sukzessive die schlimmsten revolutionären Exzesse in Form von willkürlichen Beschlagnahmungen von Privateigentum, Verhaftungen und extralegalen Hinrichtungen von vermeintlichen Konterrevolutionären.

Seit Etablierung der Islamischen Republik hat sich eine zahlenmäßig kleine, doch für die Führung des Staates ausreichende Minderheit des Schia-Klerus der Regierung angedient. Den Versuchungen der Macht erlegen, bildet sie heute eine mit politischen Privilegien ausgestattete Staatselite. Während sich ein Teil der Geistlichen zu einer Art Nomenklatura wandelte, steht der Großteil der Schia-Kleriker, der an der Tradition der politischen Enthaltsamkeit festhält und daher öffentliche Opposition vermeidet, dem Regime weiterhin in schweigenderAblehnung gegenüber. Andererseits ist das Regime alles andere als ideologisch homogen, konnte es doch bis heute nicht alle teils heftig miteinander rivalisierenden khomeinistischen Klerikerfraktionen in einer Einheitspartei zusammenfassen. Zwar wurde 1979 mit diesem Ziel die Islamic Republic Party ins Leben gerufen, doch 1987 war die Staatsführung gezwungen, die Partei aufgrund der erbitterten Richtungskämpfe zwischen ihrem rechten und linken Flügel aufzulösen.

Wirtschaftspolitische Streitfragen bildeten zumeist die Ursache dieser Flügelkämpfe. Während sich die islamisch-konservativen Khomeinisten, zu denen unter anderem auch der heutige Revolutionsführer Ali Khamenei zählt, auf das im Islam legitimierte Eigentumsrecht beriefen, unterstrichen ihre links-islamischen Antagonisten den Anspruch des Islam, soziale Gerechtigkeit schaffen zu wollen. Die Links-Islamisten, zu denen auch der heutige Staatspräsident Mohammad Khatami zählt, hatten aufgrund ihrer Siege in den seit 1980 regelmäßig im Vierjahresturnus abgehaltenen Parlamentswahlen die Oberhand in der Legislative. Doch müssen laut Verfassung alle vom Parlament verabschiedeten Gesetze vom "Wächterrat", einem Gremium, das als Oberhaus fungiert und von konservativen Klerikaljuristen dominiert wird, auf ihre Vereinbarkeit mit dem Islam überprüft werden. In vielen Fällen lehnte der mit Vetorecht ausgestattete Wächterrat die Gesetze ab, was dazu führte, dass in zahlreichen wichtigen Fragen wie zum Beispiel der Agrarreform keine in sich schlüssige Politik ausgearbeitet werden konnte.

Um diese für den Systemerhalt gefährliche Blockade der politischen Institutionen zu überwinden und der Regierung Handlungsfreiheit zu verschaffen, deklarierte Khomeini im Januar 1987 das Konzept der "Absoluten Herrschaft des Rechtsgelehrten". Diesem Konzept zufolge stünden die im Interesse des islamischen Staates getroffenen Entscheidungen des Revolutionsführers über den Geboten der Religion, sogar über solch fundamentalen Geboten wie dem Gebet, dem Fasten und der Pilgerfahrt nach Mekka. Sachzwänge veranlassten Khomeini schließlich, der Staatsräson Vorrang vor der Religion einzuräumen, eine Politik, die er gerade beim Schah kritisiert und durch die Einführung einer Theokratie, in der politische und religiöse höchste Autorität in einer Person verschmelzen, hatte beseitigen wollen.

Hatten bereits viele Iraner Khomeinis Direktive vom Januar 1987 als eklatante Abweichung vom revolutionären Dogma der Suprematie der Religion über den Staat erachtet, so musste sie Teherans überraschende Annahme der UN-Waffenstillstandsresolution 598 als ein weiterer ideologischer Sündenfall anmuten.[7] Schließlich bedeutete sie das faktische Eingeständnis, dass eines der wichtigsten ideologischen Ziele Teherans, der unter panislamischen Vorzeichen betriebene Export der Revolution (sodur-e enqelab) in andere islamische Staaten, gescheitert war und die Islamische Revolution ein auf Iran beschränktes Experiment bleiben würde. Mitte 1988 war dieser Schritt unausweichlich geworden. Weit verbreitete Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung, bedrohliche militärische Rückschlage an verschiedenen Frontabschnitten, Engpässe bei der Versorgung mit Munition und Kriegsgerät, fast leere Staatskassen und eine insgesamt dramatische Wirtschaftskrise bewirkten auch unter vielen hartnäckigen Kriegsbefürwortern in der iranischen Führung ein Umdenken. Unaufhaltsam setzte sich die Überzeugung durch, dass der international weitgehend isolierte Iran den Krieg gegen den militärtechnisch überlegenen Irak nicht mehr gewinnen konnte und bei Kriegsfortsetzung womöglich ein Systemkollaps drohte. Daher sah sich Khomeini am 16. Juli 1988 gezwungen, in einem internen, an führende Regimefunktionäre gerichteten Schreiben einzugestehen, dass die Annahme der UN Resolution 598 unvermeidbar sei. "Diese Entscheidung kam mir so bitter vor wie der Trunk eines Becher Gifts" (in tasmim baraye man tschon zahr keschandeh ast). Mit diesem Satz begründete er den Vorrang, den "die Erhaltung der Islamischen Republik" (hefazat az jomhuri-ye eslami) gegenüber allen anderen Zielen habe.[8] Khomeinis Verweis auf die absolute Priorität des Systemerhalts verriet, dass Irans Führung einem weiteren, bislang hartnäckig verteidigten revolutionären Ideal untreu geworden war und der Staatsraison und nicht der islamischen Ideologie Priorität einräumte.

Die Annnahme des Waffenstillstands barg aber auch unkalkulierbare innenpolitische Risiken. Schließlich hatte dieser im Namen der Revolutionsideologie geführte Krieg den Iranern harte wirtschaftliche Entbehrungen, gewaltige materielle Schäden und große Verluste an Menschenleben abgefordert, die ihnen nun vergeblich erscheinen mussten. Zu Recht befürchteten die Machthaber einen massiven und nachhaltigen Vertrauensverlust der Bevölkerung in das Regime. Allein der charismatischen Autorität Khomeinis, der dem Volk am 20. Juli in einer Fernsehansprache die bittere Wahrheit beibrachte, war es zu verdanken, dass Wut und Enttäuschung vieler Iraner über ihre sinnlosen Opfer nicht in systemgefährdende gewaltsame Proteste umschlugen.

Die prekäre Phase des Übergangs vom Krieg zum Frieden nutzte das Regime aber auch, um seine gefährlichsten, in den Gefängnissen des Landes inhaftierten Gegner zu liquidieren. Den Vorwand dafür lieferte der Invasionsversuch der MKO, die von ihren Militärbasen im Irak aus am 21. Juli 1988 die Grenze überschritten und kleinere iranische Grenzstädte besetzt hatten, um sie zur Ausgangsbasis für den Umsturz des Systems in Teheran zu machen. Militärtaktisch und politisch dilettantisch vorbereitet, endete die MKO-Offensive in einem Fiasko. In kurzen, heftigen Gefechten rieben die ihren Gegnern zahlenmäßig weit überlegenen iranischen Streitkräfte die Einheiten der MKO vollständig auf.

Nur wenige Tage nach der MKO-Offensive gaben iranische Staatsorgane den geheimen Befehl, die wichtigsten politischen Haftanstalten des Landes von der Außenwelt zu isolieren, was vor allem Evin, Qezel Hesar und Gohar Dasht, die wegen ihrer Größe und der harten Haftbedingungen besonders berüchtigten Haftanstalten von Teheran, betraf. Gegen Ende Juli 1988 suchten Sonderkommissionen, zusammengesetzt aus Staatsanwälten, Vorsitzenden von Revolutionsgerichten und höheren Kadern des VEVAK (des Ministeriums für Information und Sicherheit), die Gefängnisse auf und legten allen linksoppositionellen politischen Häftlingen einen Katalog ausgeklügelter und verfänglicher Fragen vor, deren Beantwortung über Leben und Tod entschied. Ziel war es, herauszufinden, ob die Befragten als Muslime oder Nicht-Muslime zu betrachten sind, und falls Letzteres zutraf, ob sie sich noch zu ihrer früheren regimefeindlichen Ideologie bekannten. Gab ein Häftling unbefriedigende Antworten, so sonderten sie auch diese Personen aus. Alle Ausgesonderten wurden nach ihrer Befragung in den Gefängnissenhingerichtet, in den meisten Fällen durch denStrang, da dies für weniger Aufmerksamkeit sorgte.[9]

Auf diese Weise ließ die Staatsführung Irans von Ende Juli bis Dezember 1988 mehrere Tausend linksgerichtete Gefangene nebst einer unbekannten Zahl der 1988 gemachten MKO-Kriegsgefangenen unter großer Geheimhaltung und ohne ordentliches Gerichtsverfahren hinrichten. Den größten Blutzoll entrichteten Anhänger und Kader der MKO. Über die exakte Zahl der Opfer herrscht bis heute Ungewissheit. Amnesty International hat die Namen von über 2 000 Opfern dokumentiert.[10] Nach Angaben von Ayatollah Hosein Ali Montazeri (geb. 1921), dem damaligen designierten Nachfolger Khomeinis, der sich im Juli und August 1988 in drei an Khomeini selbst und die Exekutoren gerichteten Briefen scharf gegen die von ihm als unislamisch und schändlich verurteilten Hinrichtungen aussprach, wurden 1988 zwischen 2 900 und 3 900 Häftlinge hingerichtet.[11] Teherans Regierung leugnet bis heute offiziell die Massenexekutionen von 1988, die ein Tabuthema sind. Ungeklärt bleibt, welche Debatten und Entscheidungsprozesse in Irans Nomenklatura letztlich zur fast totalen Liquidierung aller linksoppositionellen Häftlinge führten und das Regime zu einem kurzen, doch folgenschweren Rückfall in die schlimmsten Gewaltexzesse seiner Frühphase verleiteten. Interessanterweise führt Montazeri im Dokumentenanhang seiner 2001 erschienenen Memoiren einerseits einen undatierten schriftlichen Befehl von Revolutionsführer Khomeini auf, in dem dieser die Exekution der inhaftierten MKO-Mitglieder befiehlt.[12] Andererseits betont Montazeri, dass er an der Authentizität dieses Schreibens zweifele, und deutet an, dass enge Vertraute des Revolutionsführers im Teheraner Büro des Imam die wahren Urheber dieser Aktion seien.

Die Suprematie des Staatsinteresses über die ursprünglichen religiösen und ideologischen Doktrinen der Revolution zeigte sich in aller Deutlichkeit bei der Nachfolgeregelung Khomeinis. Dabei trafen die engsten Vertrauten Khomeinis eine Regelung, die der Legitimität des velyat-e faqih-Konzepts einen schweren, bis heute nicht verwundenen Schlag versetzen sollte. Angesichts der Bedeutung des vali-ye faqih war es für das Regime überlebenswichtig, bei Khomeinis Tod einen problemlosen Machttransfer zu gewährleisten. Gemäß der in der Verfassung von 1979 verankerten schiitischen Tradition wurde von Khomeinis Nachfolger verlangt, der gelehrteste und rechtschaffenste schiitische Rechtsgelehrte und eine "Quelle der Nachahmung" (marjac-e taqlid), also ein Groß-Ayatollah, zu sein. Allerdings stellte sich bald heraus, dass diese Kriterien allein auf Khomeini zutrafen. Mit Ausnahme Montazeris akzeptierte 1989 keiner der anderen Groß-Ayatollahs Khomeinis Konzept der velayat-e faqih. Zudem genoss keiner der anderen klerikalen Vertrauten und Mitarbeiter Khomeinis ein diesem vergleichbares theologisches Ansehen, von seinem persönlichen Charisma und seiner politischen Autorität ganz zu schweigen. Anders ausgedrückt: Die prominentesten Theologen waren, weil Quietisten, politisch als Nachfolger Khomeinis ungeeignet, während es gleichzeitig den politisch aktiven Klerikern, die zumeist den unteren oder mittleren Rängen der Theologenhierarchie angehörten, an theologischen Qualifikationen mangelte. Der einzige von Khomeinis Getreuen, der sich durch fortgesetzte theologische Studien bis Mitte der achtziger Jahre den Rang eines Groß-Ayatollah hatte sichern können, war Montazeri, ein früherer enger Schüler und Weggefährte Khomeinis in Qom, der von 1965 bis 1978 wegen seiner Oppositionsarbeit acht Jahre in Schah-Gefängnissen einsaß. Er wurde von Khomeini und seinen engsten Mitarbeitern ab 1980 stillschweigend zum inoffiziellen Nachfolger aufgebaut.

Vordergründig schien die Nachfolge endgültig geregelt, als der mit der Wahl beauftragte Expertenrat im November 1985 die Designierung Montazeris zum Nachfolger Khomeinis als vali-ye faqih offiziell verkündete. Doch hatte Montazeri zu diesem Zeitpunkt den Zenit seiner Macht bereits überschritten. Die Wende kam im Herbst 1986 mit der Iran-Contra-Gate-Affäre, dem geheimem Waffen-für-Geisel-Tauschgeschäft zwischen Teheran und Washington, das Mehdi Hashemi, ein enger Gefolgsmann Montazeris, enthüllt hatte, wodurch die ideologische Glaubwürdigkeit des Systems in Misskredit geriet. Mit Billigung Khomeinis wurde Mehdi Hashemi, der bis dato eine von Montazeri protegierte Sondereinheit für den Revolutionsexport geleitet hatte, im Oktober 1986 durch das Geheimdienstministerium (VEVAK) verhaftet; dies versetzte Montazeris Machtstellung in Irans Nomenklatura einen schweren Schlag. Ein eigens eingerichteter Sondergerichtshof der Geistlichkeit, der ihn diverser konterrevolutionärer Vergehen angeklagt hatte, ließ Hashemi im September 1987 hinrichten.[13] Die Affäre um Mehdi Hashemi, dessen Hinrichtung Montazeri im letzten Augenblick noch vergeblich zu verhindern versucht hatte, fügte seiner Reputation immensen Schaden zu und scheint einer der Gründe dafür gewesen zu sein, dass er bei Khomeini 1989 in Ungnade fiel.

Als Montazeri im Februar 1989 seine öffentliche harte Kritik an systeminternen Fehlentwicklungen noch einmal steigerte, kam es zum unwiderruflichen Bruch mit Khomeini. In einem mysteriösen, von offiziellen Stellen Khomeini zugeschriebenen Brief, datiert vom 26. März 1989, wurde Montazeri zum Rücktritt vom Amt des Nachfolgers aufgefordert.[14] Daraufhin verzichtete Montazeri in einem Antwortschreiben auf seinen Posten und beschränkte sich, dem Rat Khomeinis folgend, fortan vorwiegend auf theologische Aktivitäten in Qom. Montazeris Entmachtung, deren geheimnisumwobenen Hintergründe bislang nicht aufgedeckt sind, beschwor eine akute Nachfolgekrise des Systems hervor, die den bereits todkranken Khomeini im April 1989 zwang, einen Verfassungsrevisionsrat einzuberufen. Die Gremiumsmitglieder beschlossen eine Reihe von Verfassungsänderungen, welche die Trennung von höchster religiöser Autorität (marjaciyyat) und höchster politischer Macht (velayat) offiziell sanktionierten. Die Bestimmung, dass ein vali-ye faqih von der Mehrheit des Volkes als marjac-e taqlid anerkannt und akzeptiert werden müsse, wurde gestrichen. Zugleich betonte die neue Verfassung, dass Kandidaten für das Amt des vali-ye faqih, die eine große Vertrautheit mit politischen und sozialen Fragen vorweisen können, der Vorrang zu geben sei. Während das Niveau des religiösen Expertentums verringert wurde, nahm die Bedeutung der politischen Erfahrung zu. Damit wurde ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Abkehr vom ursprünglichen religiösen Dogma der Revolution getan und jüngeren Klerikern niederen theologischen Ranges der Weg für die Nachfolge von Khomeini freigemacht.

Als dieser am 3. Juni 1989 starb, trat der Expertenrat rasch zusammen, um ein Machtvakuum zu verhindern. Seine Wahl fiel auf den bisherigen Staatspräsidenten Ali Khamenei, der allerdings nur den niederen Rang eines Hojjatoleslam hatte. Wenig später wurde Khamenei von der Regierungspresse quasi in einem politischen Akklamationsakt theologisch höher gestuft und fortan als Ayatollah betitelt. Indes konnte diese in den Augen der allermeisten orthodoxen Schia-Kleriker bis heute nicht anerkannte theologische Höherstufung Khamenei zu einem Ayatollah nicht darüber hinwegtäuschen, dass die mit seinem Amtsantritt de facto höchste religiöse und politische Autorität nicht mehr wie zuvor unter Khomeini in einer Hand vereint war. Zwar hatte der reibungslose Machttransfer zu Khamenei die politische Stabilität des Systems erneut unter Beweis gestellt, doch konfrontierte sein Amtsantritt das Regime mit einem neuen Dilemma: Wie kann sich ein auf Verschmelzung von Religion und Politik gegründeter Staat legitimieren, wenn sein höchster Vertreter - anders als noch Khomeini - sich auf keinen allgemeinen Konsens der Bevölkerung berufen kann und ihm zudem die führenden religiösen Schia-Autoritäten die Anerkennung als Groß-Ayatollah verweigern? Alle bisherigen Versuche Khameneis, sich der höchsten religiösen Autorität, des Titels eines Groß-Ayatollah, zu bemächtigen, sind gescheitert. Der letzte Versuch datiert vomNovember 1994, als der einzige der iranischenRegierung nahe stehende Groß-Ayatollah, Muhammad Ali Araki, im Alter von 103 Jahren inQom starb. Kurz nach dessen Tod meldete Khamenei Anspruch auf das nun frei gewordene Amt einer "Quelle der Nachahmung" an. Doch schlug ihm von zahlreichen führenden Schia-Klerikern innerhalb und außerhalb Irans so massiver Widerstand entgegen, dass er rasch auf diesen Anspruch verzichtete.[15] Bis heute wird Irans Revolutionsführer von der großen Mehrheit der Schiiten innerhalb und außerhalb Irans nicht als Groß-Ayatollah anerkannt. Das untergräbt schleichend nicht nur die Legitimität seines Amtes, sondern auch die des ganzen Systems.

Insgesamt kann man festhalten, dass sich die Khomeini-Dekade der ersten Islamischen Republik durch zwei Charakteristika auszeichnet: erstens eine dauerhafte Konsolidierung der revolutionären Strukturen und Institutionen, die das System so stabil machten, dass ihm selbst der Tod Khomeinis und die ihm vorausgegangene Krise um die Nachfolgeregelung nichts anhaben konnten; zweitens eine seit 1982 erkennbare und ab 1988 immer deutlicher ausgeprägte Tendenz zur De-Radikalisierung der Innen- und Außenpolitik des Systems, die damit einherging, dass dem Systemerhalt und dem pragmatischen Nationalinteresse im Zweifelsfall stets Priorität vor ideologischem Dogmatismus eingeräumt wurde. Diese Tendenz sollte sich unbeschadet kurzer episodenhafter Rückfälle in radikale Aktionsmuster, wie etwa im Fall der Massenexekutionen von 1988 und Khomeinis Rushdie-Fatwa vom Februar 1989, bis zum Zeitpunkt von Khomeinis Tod und darüber hinaus in der "Zweiten Republik" dauerhaft verstetigen.



Fußnoten

1.
Vgl. Ervand Abrahamian, Iran Between Two Revolutions, Princeton 1982, S. 529.
2.
Yazdi nennt die mit der Präsidentschaft Mohammad Khatamis beginnende Phase die "Dritte Republik". Vgl. ausführlich zu den Definitionen Ebrahim Yazdi, Se Jomhuriye ("Drei Republiken), Teheran 2001, S. 341 - 352.
3.
Vgl. die Kurzbiographie von Wilfried Buchta, Mehdi Bazargan, in: Orient, 36 (1995) 4, S. 585 - 590.
4.
Vgl. Mohsen M. Milani, The Making of Iran's Islamic Revolution. From Monarchy to Islamic Republic, Boulder, Col. 1994, S. 84 - 89 und S. 154 - 160.
5.
Hier in Anlehnung an den Religionshistoriker Mensching definiert als verfassungsmäßig festgelegte weltliche Herrschaft eines organisierten Klerikertums zur Vertretung der Gottheit. Vgl. Gustav Mensching, Toleranz und Wahrheit in der Religion, Heidelberg 1955, S. 111.
6.
Vgl. Shaul Bakhash, The Reign of the Ayatollahs, New York 1984, S. 217 - 230.
7.
Vgl. Saskia Gieling, Religion and War in Revolutionary Iran, London 1999, S. 32.
8.
Vgl. die Memoiren von Hosein Ali Montazeri, Khaterat-e Ayatollah Montazeri, o. O 2001, S. 490.
9.
Vgl. ausführlich Reza Afshari, Human Rights in Iran. The Abuse of Cultural Relativism, Philadelphia 2001, Kapitel 8, S. 104 - 118.
10.
Vgl. Amnesty International, Iran, Human Rights Violations, 1987 - 1990, S. 6.
11.
Vgl. H. A. Montazeri (Anm. 8), S. 299.
12.
Vgl. ebd., S. 302.
13.
Vgl. Wilfried Buchta, Die Inquisition der Islamischen Republik Iran: Einige Anmerkungen zum Sondergerichtshof der Geistlichkeit, in: Rainer Brunner (Hrsg.), Islamstudien ohne Ende. Festschrift für Werner Ende zum 65. Geburtstag, Würzburg 2002, S. 69 - 78.
14.
Montazeri bezweifelt in seinen Memoiren die Authentizität des Briefes und glaubt, dass er von Ahmad Khomeini verfasst sei, der ihn zusammen mit anderen jedoch ungenannten Regimespitzen durch eine Intrige habe entmachten wollen. Vgl. H. A. Montazeri (Anm. 8), S. 318.
15.
Genauer dazu Wilfried Buchta, Die Islamische Republik Iran und die religiös-politische Kontroverse um die marja'iyyat, in: Orient, 36 (1995) 3, S. 449 - 474.

 

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