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Irans Geschichte: 1941-1979 - Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Islamischen Revolution


10.6.2009
Mit Duldung des Westens steigt Mohammed Reza Schah ab den 1950er Jahren zum Alleinherrscher auf. 1963 wird erstmals Ajatollah Ruhollah Chomeini politisch aktiv, der später zur identitätsstiftenden Figur der islamischen Revolution werden sollte. Monika Gronke fasst die Ereignisse zusammen.

Im Dezember 1978 kommen rund eine Million Menschen in Teheran zu einer Anti-Schah-Demonstration zusammen. Eine Massenprotestbewegung hatte sich organisiert.Im Dezember 1978 kommen rund eine Million Menschen in Teheran zu einer Anti-Schah-Demonstration zusammen. Eine Massenprotestbewegung hatte sich organisiert. (© AP)

Nachdem im August 1941 britische und sowjetische Truppen in Iran einmarschiert waren, wurde Reza Schah, der 1925 die Dynastie der Pahlavi begründet hatte, am 16. September 1941 zur Abdankung gezwungen und nach Südafrika ausgewiesen, wo er 1944 starb. Mit Billigung der Besatzungsmächte Großbritannien und Sowjetunion folgte ihm sein Sohn Mohammed Reza (1919-1980), der mit den Alliierten kooperierte und als ihr Verbündeter galt. Wirklich unabhängig wurde die Herrschaft Mohammed Rezas erst nach dem Ende der Besatzung 1946.


Zu diesem Zeitpunkt scheint der neue Schah über die politische Zukunft Irans noch unentschlossen gewesen zu sein. Das Parlament bot ein enttäuschendes Bild: Unter seinem Vater Reza Schah hatte es nur eine Alibifunktion gehabt, nun fiel es in Parteikämpfe zurück und machte sich damit praktisch handlungsunfähig. Im Jahre 1949 scheiterte ein Attentat auf Mohammed Reza. Die 1941 gegründete kommunistische Tudeh-Partei ("Volkspartei") wurde der Tat beschuldigt und daraufhin verboten. Beides – die Unfähigkeit des Parlaments und das Attentat – führten den Schah wohl zu dem Schluss, dass der Staat mit demokratischen Mitteln nicht zu führen sei. Infolgedessen verfolgte Mohammed Reza zwei Ziele: zum einen die Sicherung seiner Dynastie durch einen Thronerben, der ihm nach zwei Scheidungen von seiner dritten Frau geboren wurde, und zum anderen die Erweiterung seiner Machtbefugnisse auf Kosten des Parlaments.

Der Staatsstreich gegen Mossadegh



Schon 1949 ließ sich der Schah durch eine Verfassungsänderung ermächtigen, das Parlament aufzulösen. In demselben Jahr wurde ein Oberhaus geschaffen, von dessen 60 Mitgliedern er die Hälfte selbst ernannte. Doch mit der Wahl des Führers des Parteienbündnisses der Nationalen Front, Mohammed Mossadegh (1880-1967), zum Premierminister kam es bald zum Konflikt mit dem Schah. Am 1. Mai 1951 verkündete Mossadegh die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie, um das Geld aus dem Ölgeschäft im Lande zu halten. Die Folge waren ein Boykott Irans durch fast alle internationalen Ölgesellschaften und eine Finanzkrise im Land. Trotzdem erhielt er vom Parlament für zwölf Monate Sondervollmachten.

Ausgestattet mit diesen Befugnissen ordnete Mossadegh eine Landreform an, die auch die ererbten Ländereien des Schahs betraf, die jetzt der öffentlichen Hand unterstellt wurden. Das Budget der Hofhaltung wurde gekürzt und dem Schah untersagt, direkt mit ausländischen Diplomaten zu verhandeln. Solche Kontakte fielen nun allein in die Zuständigkeit des Außenministeriums. Nach einem missglückten Versuch Mohammed Reza Schahs, Mossadegh seines Amtes zu entheben, und den darauf folgenden Kämpfen zwischen den Anhängern der beiden Kontrahenten floh der Schah ins Ausland. Am 19. August 1953 führten Teile der iranischen Armee mit Hilfe des amerikanischen Geheimdienstes CIA einen erfolgreichen Staatsstreich durch: Die USA befürchteten eine Annäherung Mossadeghs an die Sowjetunion. Mossadegh ergab sich der neuen Regierung Irans, der Schah kehrte aus dem Exil zurück.

Es mag dahingestellt bleiben, ob dies, wie gelegentlich aus der Fachwelt verlautet, die letzte – vertane – Chance für Iran war, eine liberale, parlamentarisch legitimierte Regierung zu erhalten. Für viele Iraner stand seither jedenfalls fest, dass alle wichtigen politischen Entscheidungen in Iran offenbar vom Ausland getroffen wurden. Dies galt bis zur Revolution 1979.

Neuer Premierminister wurde bezeichnenderweise mit Fazlollah Zahedi der General, der den Putsch angeführt hatte. Er ging gegen jede mögliche Opposition energisch vor. Um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, wurde 1954 ein Konsortium aus neun internationalen Ölgesellschaften gebildet, das sich mit der nationalen iranischen Ölgesellschaft National Iranian Oil Company (NIOC) den Gewinn teilte. Mit diesen Einnahmen wurde vor allem die iranische Armee – mit amerikanischer Unterstützung – modernisiert und vergrößert. Ebenfalls mit ausländischer Hilfe baute der Schah seinen gefürchteten Geheimdienst SAVAK auf, der seit 1957 tätig wurde.

Der Alleinherrscher Mohammed Reza Schah



In den folgenden Jahren bis 1962 kam es aufgrund US-amerikanischen Drucks zu halbherzigen Demokratisierungsversuchen. Letztlich stieg der Schah zum Alleinherrscher auf und modernisierte Iran in seinem Sinne, was im Wesentlichen eine Angleichung an den "Westen" bedeutete, das heißt an Europa und die USA. Von diesem Zeitpunkt an sprach Mohammed Reza von der "Weißen Revolution", wenn er sein Entwicklungsprogramm meinte, unter anderem eine – letztlich misslungene – Landreform. Gegen diese Reformpläne, die zunächst von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt worden waren, kam es Mitte 1963 zu schweren Unruhen, die brutal niedergeschlagen wurden.

Bei diesen Unruhen spielten die religiösen Führer des Landes, der schiitische Klerus, erstmals eine tragende Rolle. Vor allem befürchtete der Klerus Einbußen seines Landbesitzes, die von der Regierung geplante Verbreitung säkularer Bildungsinhalte unter der Landbevölkerung und die Einführung des Frauenwahlrechts.

Ebenso wurde zum ersten Mal die in Zukunft wichtigste Persönlichkeit in der Politik tätig: Ajatollah ("Zeichen Gottes", ein hoher religiöser Titel) Ruhollah Chomeini (1902-1989). Nachdem der Schah die Geistlichkeit als Reaktionäre, Parasiten des Volkes und britische Agenten beschimpft hatte, antwortete Chomeini in einer scharfen Replik. Nach zweimaligem kurzen Gefängnisaufenthalt musste er 1964 in die Türkei ins Exil gehen, von wo aus er sich umgehend nach Nadjaf in den Irak begab, wie es viele oppositionelle Geistliche vor ihm getan hatten, da Nadjaf eine der heiligen Stätten der Schia ist. Im Oktober 1978 wurde Chomeini – auf Wunsch des Schahs – aus dem Irak ausgewiesen und ging nach Neauphle-le-Château bei Paris, von wo er weiter gegen den Schah kämpfte. Audio-Kassetten mit Chomeinis Ansprachen und Predigten, die zum Sturz des Schahs aufriefen, kursierten in großer Zahl neben Flugblättern gleichen Inhalts in Iran.

Sowohl die Regierung als auch der Geheimdienst scheinen diese Vorgänge in ihrer Bedeutung zunächst falsch eingeschätzt zu haben. Obwohl der SAVAK auch oppositionelle Geistliche verfolgte, hatte sich dennoch ein Verbindungsnetz gebildet, das aus Moscheen und Madrasas (Koranschulen), religiösen Diskussionszirkeln und religiösen Vereinen bestand.

Die Revolutionsbewegung wächst – das Ende der Schah-Zeit



Der eigentliche Beginn der Islamischen Revolution lässt sich genau bestimmen: Am 7. Januar 1978 veröffentlichte die Teheraner Tageszeitung Ettela´at einen Artikel, in dem Chomeini massiv beleidigt wurde. Der Autor, dessen Identität bis heute unbekannt ist, stammte wohl aus hohen Regierungskreisen. Es kam in der Folge zu zahlreichen Demonstrationen und Protesten, die von der Polizei blutig niedergeschlagen wurden. Diese Vorgänge wiederholten sich immer wieder. Die Sicherheitskräfte wurden von der großen Zahl der Protestierenden aller politischen Richtungen völlig überrascht. Hauptsächlich nahmen an den Demonstrationen verarmte Landbewohner teil, die auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in die Städte gezogen waren. Die iranische Revolution war eine Revolution der Städte, insbesondere der Hauptstadt. Erfolglos und entwurzelt wandten sich die Verarmten religiösen Zirkeln zu, die ihnen eine gewisse Geborgenheit vermittelten. Diese Armen und Entrechteten waren es, die Chomeini als mostaz´afin, "die Schwachen", bezeichnete und auf die er sich vordringlich stützte.

Der Schah selbst verfolgte angesichts dieser Ereignisse keine konsequente Politik mehr. Er führte die islamische Zeitrechnung wieder ein, die er 1976 zugunsten eines auf den Beginn des altiranischen Achämenidenreiches (550 v. Chr.) zurückgehenden Kalenders aufgegeben hatte, ließ politische Gefangene frei und hob die bestehende Einreisebeschränkung für oppositionelle Iraner im Ausland auf. Als Mohammed Reza Schah Ende 1978 in einer Fernsehansprache auch noch zugab, dass seine Regierung von Korruption und Grausamkeit überschattet war, die Bevölkerung um Verzeihung bat und die Revolution guthieß, war auch die Armee, die ihm vielleicht noch seine Herrschaft hätte retten können, moralisch handlungsunfähig. Desertionen nahmen zu; Oppositionelle strömten aus dem Ausland heim nach Iran. Am 16. Januar 1979 verließ der Schah Iran, und am 1. Februar flog Chomeini von Paris nach Teheran.

Die Rückkehr Ajatollah Chomeinis



Chomeinis erster Schritt nach seiner Ankunft in Iran war die Auflösung der noch vom Schah eingesetzten Übergangsregierung unter Shapur Bakhtiyar; am 5. Februar beauftragte er den religiös geprägten Ingenieur Mehdi Bazargan mit der Bildung einer Revolutionsregierung. Mit dieser Wahl eines nicht-klerikalen Technikers beruhigte Chomeini weite Kreise in Militär und Wirtschaftsführung, die argwöhnten, der schiitische Klerus könne die Macht ergreifen.

Doch Chomeini sah sich einem noch größeren Problem gegenüber: Wesentlichen Anteil am Sieg der Revolution hatten die linken Gruppierungen in Iran, vor allem die modjahedin-e khalq ("Volksmodjahedin"), die schon seit 1965 als Widerstandsgruppe gegen den Schah gekämpft hatten und militärisch sehr effizient waren. Ihr Führer Mas´ud Radjavi forderte eine gerechte Landreform, das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Gleichberechtigung der Frau. Andere linke Gruppierungen gingen noch weiter und verlangten die Verstaatlichung aller Betriebe und die Hinrichtung der ehemals Verantwortlichen. Für Chomeini, dessen Ziel ein islamischer Staat war, musste es zu diesem Zeitpunkt so aussehen, als ginge "seine" Revolution in einen marxistischen Klassenkampf über.

Die Islamische Republik Iran – per Verfassung zur Theokratie



So ging Chomeini zum Schein auf einige Forderungen ein und flocht in seine Reden immer öfter radikale, den linken Gruppen vertraut klingende Parolen ein. Gleichzeitig wurden Geistliche in die Provinzen geschickt, die Geld an die mostaz´afin verteilten und so in Konkurrenz zu ihren linksgerichteten Gegnern traten und deren Einfluss wenigstens teilweise zurückdrängen konnten. Nach diesen Vorbereitungen ordnete Chomeini für den 30. März 1979 eine Volksbefragung an, in der die Bevölkerung aufgefordert wurde, für die Errichtung einer Islamischen Republik zu stimmen, was sie – mangels Alternativen vorhersehbar – mit überwältigender Mehrheit tat.

Am 1. April 1979 wurde die Islamische Republik offiziell ausgerufen und am 2. Dezember eine entsprechende Verfassung durch Volksabstimmung angenommen. Diese Verfassung war von einer Expertenversammlung ausgearbeitet worden, deren Mitglieder überwiegend Geistliche waren. Die Islamische Republik Iran ist gemäß dieser Verfassung eine Theokratie, das heißt Gott beziehungsweise der verborgene 12. Imam als sein Repräsentant ist der alleinige Herrscher. Die Zwölferschia ist seit 1501 Staatsreligion in Iran: Grundlegend ist die Imamatslehre, die eine spezifische Kette von 12 Imamen, d. h. legitimen Führern der schiitischen Gemeinschaft, annimmt. Der 12. Imam ist nach der Lehre der Zwölferschia nicht gestorben, sondern lebt in der Verborgenheit. Er ist eine Erlösergestalt, die eines Tages zurückkehren und ein Reich der Gerechtigkeit auf Erden errichten wird.

Bis zur Rückkehr des verborgenen 12. Imams tritt das von Chomeini schon 1971 in seiner Schrift Hokumat-e eslami ("Die islamische Regierung") programmatisch formulierte Prinzip des so genannten velayat-e faqih in Kraft, die "Herrschaft des Rechtsgelehrten". Danach übernimmt die Führung der schiitischen Gemeinde, in diesem Fall des Staates, in Stellvertretung des verborgenen Imams der religiöse Führer.

Diese Einmündung der stellvertretenden Rolle der Geistlichkeit in die Ausübung der tatsächlichen politischen Herrschaft ist in der traditionellen Schia nicht vorgesehen, ebenso wenig das Amt eines obersten geistlichen und politischen Führers vom Schlage Chomeinis. Die Idee einer politisch aktiven Schia war neu und geht prinzipiell auf iranische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts zurück.

Per Verfassung erhielt der religiöse Führer weitreichende Befugnisse; unter anderem bestimmt er die Richtlinien der Außenpolitik, ernennt die Armeeführung, die Leiter der einflussreichen Revolutionsgarden, die Mitglieder des Wächterrats. Dieser Wächterrat, der mit geistlichen und weltlichen Juristen besetzt ist, überwacht u. a. die Übereinstimmung der vom Parlament verabschiedeten Gesetze mit dem Islam; anläßlich von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen überprüft der Rat die religiös-islamische Einstellung der Kandidaten, denen er ggf. die Zulassung verweigern kann. Mit dem Inkrafttreten dieser Verfassung war die Islamische Republik Wirklichkeit geworden.



 

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