Dossierkopf Iran

Die Geschichte Irans 1941 bis 2011

13.5.2009
Von der Besetzung durch britische und sowjetische Truppen über die Revolution, den Iran-Irak-Krieg bis hin zur den Präsidenten Chatami und Ahmadinedschad: Ein Überblick über die Geschichte Irans von 1941 bis 2005.

Der moderne Iran



August 1941
Britische und sowjetische Truppen besetzen Iran.

16. September 1941
Die Besatzer zwingen Reza Schah Pahlavi zur Abdankung. Er geht ins Exil nach Südafrika, wo er 1944 stirbt. Als Nachfolger wird sein Sohn, Mohammed Reza, von den Besatzungsmächten inthronisiert.

1945/1946
Im Mai 1945 endet der Zweite Weltkrieg. Die Briten ziehen bis Ende 1945 aus Iran ab, die sowjetischen Truppen bis Mai 1946.

29. April 1951
Mohammed Mossadegh wird zum iranischen Ministerpräsidenten gewählt.

Mai 1951
Unter Führung Mossadeghs wird die iranische Ölindustrie verstaatlicht. An der Ölgesellschaft, der Anglo Iranian Oil Company, hält Großbritannien die Mehrheit; es kommt zum Konflikt zwischen beiden Ländern. Innenpolitisch wird Mossadegh zum Widersacher des Schahs.

19. August 1953
Mossadegh wird durch einen vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA organisierten Putsch gestürzt. Er wird zu drei Jahren Haft verurteilt, im Anschluss unter Hausarrest gestellt. Mossadegh stirbt 1967.

9. Mai 1961
Der Schah löst das Parlament (Majlis) auf. Iran bleibt zwei Jahre ohne Volksvertretung.

1962
Frauen im Iran erhalten das passive und aktive Wahlrecht.

Juni 1963
Ajatollah Ruhollah Chomeini tritt erstmals öffentlich in Erscheinung. In einer Rede greift er den Schah an. Anlass ist ein von Religionsstudenten ausgehender Aufstand gegen die proamerikanische Reformpolitik des Schahs.

November 1964
Die Regierung schickt Ajatollah Chomeini ins Exil. Er geht zunächst in die Türkei, ab 1965 in den Irak und hält sich ab 1978 in Paris auf.

2. Juni 1967
Reza Schah besucht Berlin. Es kommt zu heftigen Protesten iranischer und deutscher Studenten. Am Rande der Demonstration wird Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen.

1967
Der Schah erlässt ein Familienschutzgesetz, das Frauen vor allem bei Scheidungen besser stellt.

Oktober 1971
Der Schah lässt eine pompöse Feier zum 2500-jährigen Bestehen der iranischen Monarchie feiern. Die luxuriöse Feier mitten in der Wüste in Persepolis, der Hauptstadt des antiken Perserreichs, wird in der Bevölkerung heftig kritisiert.

2. März 1975
Der Schah zwingt alle noch verbliebenen Parteien zur Auflösung und führt die Einheitspartei Rastakhiz ein.

7. Januar 1978
In einem Zeitungsartikel der staatlich kontrollierten Presse wird Chomeini verunglimpft. Theologiestudenten organisieren Demonstrationen, die von der Polizei niedergeschlagen werden.

1978
Es kommt immer wieder zu Anti-Schah-Demonstrationen und landesweiten Streiks; in Teheran versammeln sich mehrfach Hunderttausende von Menschen. Wiederholt gehen Polizei und Armee teils brutal gegen die Protestierenden vor.

Der Massenprotest wird von unterschiedlichsten Gruppen getragen: Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte. Zu ihrer Integrationsfigur wird Ajatollah Chomeini.

Die Islamische Republik



16. Januar 1979
Reza Schah gibt auf und geht ins Exil. Er stirbt 1980 in Kairo.

1. Februar 1979
Ajatollah Chomeini kehrt aus dem Exil zurück nach Teheran. Er wird von Millionen von Menschen euphorisch empfangen.

30./31. März 1979
In einem Referendum spricht sich die Bevölkerung gegen die Monarchie und für die Islamische Republik aus.

4. November 1979
Studenten besetzen die US-Botschaft in Teheran und nehmen über 50 Botschaftsangehörige als Geiseln. Chomeini billigt die Aktion. Die Geiselhaft endet erst im Januar 1981.

1980
Ab 1980 finden regelmäßig alle vier Jahre Parlamentswahlen statt.

22. September 1980
Der Irak überfällt Iran. Ein achtjähriger Krieg zwischen den beiden Nachbarländern beginnt. Er fordert rund 1,5 Millionen Tote.

1979-1982
Es folgt die Islamisierung des Justizwesens, der Schulen und Hochschulen; für die Frauen gilt fortan eine islamische Kleiderordnung und in öffentlichen Verkehrsmitteln Geschlechtertrennung; ein Großteil der Wirtschaft wird verstaatlicht.

Kritiker der Islamischen Republik werden bedroht und verhaftet. Es kommt auch zur Ermordung Oppositioneller.

Herbst 1986
Die Iran Contra Affäre wird bekannt: Die USA hatten Waffen an Iran verkauft, die Erlöse aus dem geheimen Waffengeschäft gingen an die Contra-Rebellen in Nicaragua.

Juli 1988
Im Sommer kommt es zum Waffenstillstand zwischen dem Irak und Iran.

Juli-Dezember 1988
Nach dem Krieg liegt die Wirtschaft danieder, die Menschen sind kriegsmüde. Aus Angst, ein innenpolitisches Risiko einzugehen, lässt Irans Führung in den zentralen Haftanstalten politische Insassen ermorden. Zu ihnen zählen linksgerichtete Gefangene und vor allem Anhänger der Volksmojahedin, die ursprünglich gemeinsam mit Chomeini gegen den Schah gekämpft hatten. Mehr als 2.000 Häftlinge sollen hingerichtet worden sein, die exakte Zahl ist ungewiss.

14. Februar 1989
Ajatollah Chomeini erlässt ein Rechtsgutachten, eine so genannte Fatwa, gegen den britisch-indischen Autor Salman Rushdie und ruft zu seiner Ermordung auf. Chomeini wirft Rushdie vor, mit seinem Roman "Die satanischen Verse" den Propheten Mohammed und islamische Traditionen zu verhöhnen.

Ära des Wiederaufbaus



3. Juni 1989
Chomeini stirbt. Der Expertenrat wählt den bisherigen Präsidenten Ajatollah Ali Chamenei zu seinem Nachfolger. Akbar Haschemi Rafsandschani wird neuer Präsident Irans; er gilt als Pragmatiker und gehört dem konservativen Lager an.

Juni 1993
Rafsandschani wird als Präsident wiedergewählt. Doch seine versprochene Wirtschaftsliberalisierung bleibt erfolglos; die Korruption nimmt zu, die Inflation steigt und die Einkommensverteilung verschlechtert sich.

30. April 1995
US-Präsident Bill Clinton verhängt Sanktionen gegen Iran, vor allem ein Handelsembargo und das Verbot amerikanischer Investitionen im Land. Die Sanktionen dienen als Druckmittel gegen Irans umstrittenes Atomprogramm.

Reformära



Mai 1997
Mohammed Chatami siegt bei den Präsidentschaftswahlen. Er gilt als liberaler Geistlicher und führt das Reformlager an. Innenpolitisch stärkt er die Presse- und Meinungsfreiheit, international setzt er auf Gesprächsbereitschaft.

November-Dezember 1998
Der Geheimdienst ermordet Intellektuelle und Oppositionelle.

Juni 2001
Chatami wird im Amt des Präsidenten bestätigt. Doch er setzt weiterhin auf Konsens zwischen den verschiedenen politischen Lager, die Reformbewegung gerät immer wieder ins Stocken. Viele seiner Anhänger, die er vor allem unter Studenten findet, wenden sich enttäuscht ab.

Neokonservatismus und Repression



Juni 2005
Mahmoud Ahmadinedschad, seit 2003 Bürgermeister Teherans, gewinnt die Wahl zum Präsidenten. Er gilt als konservativer Hardliner.

12. Juni 2009
Mahmoud Ahmadinedschad tritt erneut zur Präsidentschaftswahl an und gewinnt. Zu seinen Gegenkandidaten gehören Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karroubi. Nach der Abstimmung werden Manipulationsvorwürfe laut.

Juni - Oktober 2009
Nach dem Wahltag kommt es zu Massendemonstrationen in Teheran und anderen Städten Irans. Viele Demonstranten tragen grün, die Farbe des oppositionellen Wahllagers: Die Proteste werden als die "grüne Reformbewegung" bekannt. Im Verlauf der Proteste kommt es zu Verhaftungen und zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Laut offiziellen Angaben soll es 43 Tote gegeben haben; die Opposition spricht von über 100 Toten. Laut Amnesty International werden bis Ende 2009 schätzungsweise 5.000 Menschen verhaftet. Die Gefangenen werden teils gefoltert, manche sterben an den Folgen. Ebenso kommt es zu Schau-Prozessen, bei denen Haft- sowie Todesstrafen verkündet werden.

19. Juni 2009
Beim Freitagsgebet stellt sich das Geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei hinter Mahmoud Ahmadinedschad und betonte die Rechtmäßigkeit der Präsidentschaftswahl. Chamenei fordert ein sofortiges Ende der Demonstrationen.

9. Juni 2010
Im Atomstreit mit Iran verschärft der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen. Es ist die vierte Sanktionsrunde seit 2006. Mit der neuen Runde wird unter anderem das Waffenembargo verschärft, der Handel und Geldgeschäfte mit Iran werden eingeschränkt. Die Sanktionen betreffen erstmals auch die iranischen Revolutionsgarden: Hierzu zählt unter anderem ein Reiseverbot für die Mitglieder der paramilitärischen Truppen. Der Westen wirft Iran den Bau von Atombomben vor. Irans Regierung hingegen spricht von einem zivilen Charakter des Nuklearprogramms.

22. Februar 2011
Zum ersten Mal seit dem Jahr 1979 passieren zwei iranische Kriegsschiffe den Suezkanal mit Kurs auf Syrien. Ägypten hatte bislang, noch während der Amtszeit des früheren Präsidenten Mubarak, keine Genehmigung für die Durchfahrt iranischer Kriegsschiffe erteilt. Insbesondere Israel zeigt sich nach der Passage alarmiert. Die Regierung sah darin eine Drohgebärde. Iran unterstreiche damit seinen Führungsanspruch auf die Region.

8. März 2011
Am 8. März 2011 wird Ajatollah Mahdavi Kani zum Vorsitzenden des Expertenrates gewählt. Dieses Verfassungsorgan wählt auch das Geistliche Oberhaupt Irans. Zuvor hatte Ajatollah Haschemi Rafsandschani auf eine weitere Kandidatur zum Vorsitzenden verzichtet. Rafsandschani setzt sich für die Grüne Bewegung ein und unterstützt die Oppositionspolitiker Mussawi und Karroubi. Rafsandschani galt lange als möglicher Erbe des Geistlichen Oberhaupts Ajatollah Chamenei. Doch diese Nachfolge ist mit dem Schwinden seines Einflusses im Expertenrat unwahrscheinlich geworden.


Quellen

Amirpur, Katajun; Witzke, Reinhard, Schauplatz Iran, Freiburg im Breisgau 2004.

Amnesty International, Iran: Violations of Human Rights 1987-1990, Dezember 1990, Index Number: MDE 13/021/1990
http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE13/021/1990/en

Amnesty International Report 2010, The State of the World's Human Rights.

Buchta, Wilfried, Ein Vierteljahrhundert Islamische Republik Iran, APuZ, B9/2004, Seite 6 – 17.

Gronke, Monika, Geschichte Irans, 2. Auflage, München 2006.

Perthes, Volker, Iran. Eine politische Herausforderung, Bonn 2008.



 

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