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Jerusalem mit Klagemauer und Tempelberg, vom dem aus die goldene Kuppel der Al-Aqsa-Moschee in den Himmel ragt.
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Der erste arabisch-israelische Krieg

Interview mit Benny Morris

28.3.2008
Warum funktionierte der UN-Teilungsplan nicht? Wie konnte Israel den Krieg gegen die arabische Invasion gewinnen? Benny Morris spricht im Interview über die Rolle der UN, über israelische Kampfstrategien und über Motive der arabischen Armeen Israel anzugreifen.

Benny Morris.Benny Morris. (© AP)
Benny Morris: Der UN-Teilungsplan (UN-Generalversammlung Resolution 181) funktionierte vor allem deshalb nicht, weil die arabische Seite – die Palästinenserführung, das Arab Higher Committee und die arabischen Staaten ihn ablehnten und Auseinandersetzungen provozierten, um seine Umsetzung zu verhindern. Auf jüdischer Seite gab es Minderheitenparteien – die nationale revisionistische Bewegung oder die sozialistische Achdut HaAwoda-Partei – die gegen die Idee einer Teilung waren und ganz Israel (Palästina) für die Juden beanspruchten, doch die Hauptbewegung des Zionismus, angeführt von David Ben-Gurion und Chaim Weizmann, akzeptierte die Resolution. Die Jewish Agency Executive, die "Regierung" des Jischuw, der jüdischen Gemeinde Palästinas, sagte "ja" und hatte, wie aus den verfügbaren Quellen hervorgeht, die Absicht, die Resolution umzusetzen, die die Gründung eines jüdischen Staates neben einem palästinensischen arabischen Staat vorsah. Die Araber jedoch sagten "nein" und begannen einen Krieg. Das war der Hauptgrund, warum der Plan nicht funktionierte.

Aber auch die Bestimmungen der Resolution selbst waren mit größeren Problemen behaftet. Sie teilten das Land in sieben Stücke, drei arabische, drei jüdische und ein internationales (Jerusalem). Doch keine der beiden (dreigeteilten) nationalen Einheiten machte in geopolitischer Hinsicht wirklich Sinn, denn sie hatten keine natürlichen Grenzen und waren unmöglich zu verteidigen, was zu einer Reihe verschiedener Probleme geführt hätte, wenn die Resolution von beiden Seiten angenommen worden wäre. Außerdem hätten laut Resolution in dem jüdischen Staat 500.000 Juden und über 400.000 Araber gelebt, die nicht Teil eines jüdischen Staates sein oder unter jüdischer Herrschaft leben wollten. Damit war die zukünftige Katastrophe schon vorprogrammiert. Dazu kam noch, dass 100.000 Juden in der Jerusalemer internationalen Zone leben sollten, außerhalb des jüdischen Staatsgebietes – auch hier wieder ein unnatürliches Konzept (sie wollten Teil des jüdischen Staates sein, die Juden Palästinas wiederum wollten ein Staat sein, der ihre angestammte Hauptstadt, Jerusalem, mit einschloss). Auch das könnte ein Problem nach dem anderen verursacht haben.

Nachdem Ben Gurion am 14. 5. 1948 den Staat Israel ausgerufen hatte, griffen die Armeen der arabischen Länder (Syrien, Libanon, Jordanien, Ägypten und Irak) Israel an. Wie konnte Israel den Krieg gewinnen?

Benny Morris: Israel gewann den konventionellen Krieg gegen die Armeen der einfallenden arabischen Staaten, weil die jüdische Gemeinde zwar klein, aber bestens organisiert war (sie hatte eine demokratische Staat-im-Staat-Struktur, die sie während der Jahre unter britischem Mandat entwickelt hatte, und staatliche Organe wie Außenminister, Finanzminister usw. waren Ende 1947 bereits im Ansatz vorhanden), hoch motiviert war (sie fürchtete eine Wiederholung des Holocaust, der eben erst geendet hatte) und auf erstklassige Mitglieder zählen konnte. Der Jischuw hatte sich über viele Jahre auf einen Krieg vorbereitet, den, wie sie wussten, die Araber eines Tages entfesseln würden – und eine effiziente Bürgerwehr aufgestellt, die Hagana. 1946-48 investierten sie eine Menge Geld, das von Juden weltweit aufgebracht wurde, um Waffen zur Verfügung zu stellen und die dreihundert verstreuten jüdischen Siedlungen militärisch abzusichern. Als die palästinensischen arabischen Milizen am 30. November 1947 ihren Krieg gegen den Jischuw zu führen begannen, wurden sie bald geschlagen, obwohl sie, was die Bevölkerungszahlen betrifft, 2:1 überlegen waren und wahrscheinlich ebenso viele bewaffnete Männer aufweisen konnten wie die Juden. Doch die Palästinenser brachten nie eine nationale Miliz zustande – jedes Dorf und jede Stadt hatte eine eigene Bürgerwehr (insgesamt 800 Milizen).

Die arabischen Staaten wiesen eine Bevölkerung von 30-40 Millionen auf – aber sie waren auf einen Krieg nicht vorbereitet, hatten undemokratische Regierungen, die von großteils korrupten, inkompetenten Politikern angeführt wurden, und schlecht organisierte kleine Armeen (geeignet, um interne Auseinandersetzungen oder Minderheitenrevolten zu unterdrücken, aber nicht für Kämpfe außerhalb des Landes). Sie hatten inkompetente Offiziere (mit Ausnahme der unter britischem Kommando stehenden Arabischen Legion, der jordanischen Armee) und kämpften weit von Zuhause entfernt, im Land eines anderen. (Die Juden kämpften um Heim und Herd, und um ihr Überleben.) Die arabischen Armeen gingen alle mit geringen Waffenbeständen in den Krieg, die aufgrund des UN-Waffenembargos, das am 24. Mai 1948 über alle Konfliktparteien verhängt wurde, nicht aufgestockt wurden. Die traditionellen Waffenlieferanten der Araber, Großbritannien und Frankreich, hielten sich an das Embargo. Doch der Jischuw erhielt Waffen aus der kommunistisch regierten Tschechoslowakei, die sich nicht an das Embargo hielt und begierig war nach Dollars, sowie aus Schwarzmarktquellen.

Wäre es möglich gewesen, den Ausbruch des Krieges zu verhindern? Warum haben sich die UNO, die westlichen Alliierten, nicht am Krieg beteiligt, um den gerade ausgerufenen Staat Israel zu unterstützen?

Benny Morris: Der Krieg war wahrscheinlich unvermeidbar in den Jahren , 1947, 1948, 1950 und 1955, weil die Juden einen Staat errichten wollten und schließlich dazu auch die internationale Zustimmung bekamen, und die arabische Welt, aus politischen und religiösen Gründen, absolut gegen einen jüdischen Staat war (die Juden wurden als Ungläubige und historische Gegner des Islam angesehen). Die Araber, angeführt von den palästinensischen Arabern, die jeden Kompromiss oder eine Teilung Palästinas ablehnten, wären also auf jeden Fall irgendwann gegen den jüdischen Staat in den Krieg gezogen. Die UNO und jene ihrer Mitgliedstaaten, die einen souveränen jüdischen Staat befürworteten – die USA, die Sowjets, Frankreich usw. – hätten die Resolution 181 umsetzen und Truppen zur Verteidigung des jüdischen Staates entsenden sollen, sobald er von den Arabern überfallen wurde. Doch, so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, hatte die Welt genug vom Krieg und vom Sterben, und die Gründung eines jüdischen Staates war ihr wohl letzten Endes kein neuerliches Blutvergießen wert trotz eines allgemeinen Schuldbewusstseins – das dem UN-Teilungsbeschluss vom 29. November 1947 zugrunde lag – nichts getan zu haben, um den Holocaust zu verhindern oder aufzuhalten.

Wie würden Sie die Zeitspanne zwischen der Resolution 181, als der UN-Teilungsplan am 27. November 1947 verkündet wurde, und der Ausrufung des Staates Israel am 14. Mai 1948 beschreiben? Und welche strategische Bedeutung hatte diese Periode für den Staat Israel?

Benny Morris: Der Zeitraum zwischen dem 29.-30. November 1947 und dem 14. Mai 1948 war von dem Bürgerkrieg zwischen den jüdischen und arabischen Gemeinschaften Palästinas geprägt. Die palästinensischen Araber wurden von einem ungefähr 5000 Männer zählenden arabischen Freiwilligenheer unterstützt, das sich hauptsächlich aus Syrern und Irakern zusammensetzte und sich die Arabische Befreiungsarmee nannte, während das britische Mandat zu Ende ging und sich die Briten nach und nach aus dem Land zurückzogen. Der Krieg zwischen diesen beiden Gemeinschaften war die erste Phase des 1948er-Krieges (die zweite Phase war der zwischenstaatliche oder konventionelle Krieg, der mit der pan-arabischen Invasion (Ägypter, Syrer, Iraker und Jordanier) am 15. Mai 1948 begann und mit einer Reihe von Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und seinen jeweiligen Nachbarstaaten zwischen Februar und Juli 1949 endete.

Während des Bürgerkrieges, der bis zum 14. Mai 1948 dauerte wurden an die 1.800 Juden von den Arabern getötet – mehrere tausend Araber starben durch jüdische Hand. Als er zu Ende war, hatte sich die Hagana zu einer recht kompetenten Armee entwickelt, die Jewish Agency war zur Regierung des Staates Israel geworden; die Stimmung innerhalb des Jischuw war gut (er hatte eben seinen Krieg gegen die Palästinenser gewonnen) und die angreifenden arabischen Staaten hatten im Wissen um ihre Schwäche und angesichts der Selbstsicherheit des siegreichen Feindes ihre Zuversicht verloren. Alles das bereitete den Boden für den letztendlichen Sieg über die arabischen Staaten.



 

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