Silhouette einer Moschee.

Die türkisch-deutsche Waffenbrüderschaft im Ersten Weltkrieg


1.9.2014
Das Osmanische Reich und das Deutsche Kaiserreich verbanden viele Jahre vor allem wirtschaftliche Beziehungen. 1914 machten dann militärische Interessen die Staaten zu "Waffenbrüdern" im Ersten Weltkrieg: Vier Jahre später hatten beide Reiche den Krieg verloren und zerfielen.

Eine Kriegspropagandakarte portraitiert die drei während des Ersten Weltkrieges verbündeten Mächte Preußen, Türkei und Österreich-Ungarn sowie ihre Staatsoberhäupter; Kaiser Wilhelm II., Sultan Mehmed V. und Franz-Joseph.Postkarte aus dem Ersten Weltkrieg: Die Verbündeten Kaiser Wilhelm II., Sultan Mehmed V. und Franz-Joseph I. (© picture-alliance)

Bevor der Erste Weltkrieg zum Prüfstein für die militärische Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kaiserreich wurde, befand sich das Osmanische Reich, bedingt durch den Putsch der Jungtürken 1908,
Der türkische Kriegsministers Enver Paşa im Jahr 1915: Auch dieses Motiv wurde in Deutschland als Postkarte genutzt.Der türkische Kriegsministers Enver Paşa im Jahr 1915: Auch dieses Motiv wurde während des Ersten Weltkriegs in Deutschland als Postkarte genutzt. (© picture-alliance)
Unruhen im Inneren und die Balkankriege von 1912 und 1913, kurz vor dem Kollaps. Eigentlich war man in Berlin von seinem baldigen Zusammenbruch überzeugt. Zwar war bereits ab 1913 eine deutsche Militärmission unter Marschall Otto Liman von Sanders mit einer Reform der osmanischen Armee betraut. Doch als der türkische Kriegsminister Enver Paşa während der Juli-Krise 1914 dem Deutschen Reich ein Militärbündnis vorschlug, das die Position der Türken auf dem Balkan langfristig stärken sollte, wies man ihn ab. Ende Juli war es dann der deutsche Kaiser Wilhelm II. persönlich, der ein Zusammengehen wünschte. Und plötzlich drängte Berlin die osmanische Regierung, den Mittelmächten im Fall eines Krieges gegen Russland beizustehen. Denn für die Reichsregierung spielten nun auch globalstrategische Überlegungen eine Rolle – führten doch über osmanisches Territorium die Landrouten nach Zentralasien, zum indischen Subkontinent wie auch in Richtung Afrika, wo Russland, England und Frankreich Kolonien und Einflussgebiete besaßen. Durch Angriffe auf diese Gebiete, so das Kalkül, könnte man die Gegner auf den europäischen Kriegsschauplätzen indirekt schwächen. Türkische Truppen sollten also für nicht deklarierte deutsche Kriegsziele instrumentalisiert werden.

Der Bündnisvertrag von 1914



Am 2. August 1914 unterzeichneten beide Seiten den Bündnisvertrag, ohne sich jedoch zuvor über gemeinsame Kriegsziele verständigt zu haben. Berlin erwartete vom Osmanischen Reich neben der Bereitstellung von Truppen vor allem, dass sein politischer Einfluss als ein asiatisches muslimisches Großreich bis in die von Muslimen bewohnten Besitzungen der Ententemächte hineinreichen würde. Auch betrachtete sich Kaiser Wilhelm II., seit er 1898 das Osmanische Reich besucht hatte, selbst als "Beschützer" sämtlicher Muslime. Seine Orientpolitik basierte auf geopolitischen Ideen, die er etwa seit den 1890er-Jahren als imperialistische Kolonialpolitik vorantrieb, um damit in Konkurrenz zu den anderen Großmächten zu treten.
Kaiser Wilhelm II. trägt in Konstantinopel während des ersten Weltkrieges eine türkische Uniform sowie einen Fez.Kaiser Wilhelm II. in Konstantinopel in türkischer Uniform und Fez. (© picture-alliance)


In Gelehrten-, Industrie- und Bankenkreisen kursierten Vorstellungen, die muslimischen Völker würden nur darauf warten, "durch deutschen Fleiß, deutsches Wissen unter einer starken deutschen Regierung" zu neuer Macht und Blüte zu gelangen, wie es in einer der vielen politischen Denkschriften jener Zeit hieß. Einige Autoren entwickelten gar Szenarien eines Großwirtschaftsraums von der Nordsee bis zum Persischen Golf, auf den sich der künftige Weltmachtanspruch gründen sollte. Andere befürworteten eine Besiedlung Mesopotamiens durch deutsche Kolonisten und die Ausbeutung seiner Rohstoffe; vor allem Erdöl und Kohle. Die im Bau befindliche Bagdadbahn war sinnfälliger Ausdruck solcher Ambitionen. Überdies wurden bereits Konzepte einer umfassenden wirtschaftlichen Modernisierung des Osmanischen Reiches und der Erschließung seiner Rohstoffe durch deutsche Unternehmen nach Kriegsende entwickelt.[1]

Enver Paşa hatte am 2. August 1914 zwar das Geheimabkommen unterzeichnet, am Tag darauf aber die "bewaffnete Neutralität" seines Landes erklärt. Dies brachte ihm Ärger mit Berlin ein, das sich schon im Kriegszustand mit Russland befand. Sein Land sollte Russland möglichst bald ebenfalls den Krieg erklären und Kampfhandlungen im Schwarzen Meer eröffnen. Grundsätzlich war derosmanische Kriegsminister bereit, doch wollte er sich den richtigen Zeitpunkt zum Losschlagen nicht vorschreiben lassen. Denn noch fehlte ihm Rückhalt in der eigenen Regierung. Einige Minister hegten sogar offene Sympathien für die Entente, dem Militärbündnis zwischen dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Russland. Die Mobilisierung der Streitkräfte erforderte Zeit. Material und Ausrüstung mussten fast vollständig per Bahn über die Balkanländer aus Deutschland herangeschafft werden, was sich angesichts des Misserfolgs Österreich-Ungarns in Serbien und der Transportblockaden seitens Rumäniens als zunehmend schwierig erwies. Nicht zuletzt verfolgte jedoch Enver Paşa auch eigene Kriegsziele, die ihn zögern ließen.

Wirtschaftliche und militärische Interessen



Um seinen Bündnispartner jedoch nicht zu enttäuschen, schlug er eine gemeinsame, geheime Militärexpedition nach Mittelasien unter türkischer Leitung vor. Sie sollte den Emir von Afghanistan bewegen, an seinen Grenzen Aufstände gegen Russland bzw. das
Kaiser Wilhelm II. besucht die Türkei während des Ersten Weltkrieges und trifft sich in Konstantinopel mit Mehmed V. am 15. Oktober 1917.Im Oktober 1917 trifft der Deutsche Kaiser in Konstantinopel mit Sultan Mehmed V. zusammen. (© picture-alliance/akg)
britische "Kronjuwel" Indien anzuzetteln. Da man zu diesem Zweck durch persisches Territorium marschieren musste, sollte auch das neutrale Persien gewonnen werden, sich auf die Seite der Mittelmächte zu schlagen. Enver Paşas Idee traf in Berlin auf offene Ohren, denn sie korrespondierte mit eigenen geopolitischen Überlegungen. Am 20. August 1914 traf sich ein kleiner Kreis von Eingeweihten bei Max Freiherr von Oppenheim. Der berühmte Orientreisende, Diplomat, Archäologe und Verfasser politischer Denkschriften war involviert in ein "Top Secret"- Programm des Auswärtigen Amtes. Es sah vor, in den von Großbritannien, Russland und Frankreich kontrollierten Regionen Nordafrikas, des Nahen und Mittleren Ostens, ja sogar auf dem indischen Subkontinent, mit Hilfe von Propagandaschriften, Waffen und Geld vor allem aber durch die Ausrufung eines "Dschihad", Feuer an die Lunte islamistischen Aufruhrs von Kairo bis Kalkutta zu legen und Stimmung für die deutschen Befreier vom kolonialen Joch zu machen.

Neben Vertretern des Auswärtigen Amtes und des Kriegsministeriums gehörten der Publizist Ernst Jäckh, der Unternehmer Reinhard Mannesmann, der Forschungsreisende, Zentralasienkenner und Geheimagent Hermann Consten und der mit Persien vertraute Wilhelm Wassmuss zu den Teilnehmern der Beratungsrunde. Mannesmann, der neben Röhrenwerken, Auto-, Waffen- und Munitionsfabriken in Europa auch Ländereien und Kohlezechen in Marokko besaß, plante schon länger eine von Consten geleitete "Studien-Expedition" über türkisches Gebiet nach Zentralasien. Das Fernziel war die Ausbeutung von Goldvorkommen in der Mongolei. Ganz beiläufig wollte man auch in den Durchgangsländern – Persien, Afghanistan und Chinesisch Turkestan (Xinjiang) – Chancen für weitere Geschäftstätigkeiten erkunden. Mannesmann unterhielt außerdem mit dem Bremer Kaffeefabrikanten Ludwig Roselius ein gemeinsames Büro in der Berliner Wilhelmstraße, das logistische und diplomatische Geheimaufträge für das Auswärtige Amt im europäischen Ausland erledigte.

Den umständlichen Vorbereitungen des Expeditionsunternehmens folgte ein teilweise recht chaotischer Start voller Kompetenzgerangel, logistischer Probleme und widersprüchlicher Zielvorgaben auf deutscher wie türkischer Seite. Die Türken verloren bald das Interesse, mit der bunt gemischten Gruppe deutscher Militärs und Zivilisten loszuziehen. Oberleutnant Oskar Niedermayer als verantwortlicher militärischer Leiter und Konsul Wilhelm Wassmuss als diplomatischer Vertreter erwogen einen deutschen Alleingang. Hermann Consten dagegen, dem die Verantwortung für Expeditionsausrüstung, Reisekasse und Tross oblag, versuchte hinter ihrem Rücken mit den für das Geheimkommando abgestellten türkischen Offizieren gemeinsame Sache zu machen.

Schließung der Dardanellen

Die deutschen Kriegsschiffe "Göben" und "Breslau" im Bosporus während des Ersten Weltkrieges.Die deutschen Kriegsschiffe "Göben" und "Breslau" durchqueren den Bosporus während des Ersten Weltkrieges. (© picture-alliance/akg)


Bei Ludwig Roselius, der sich in geheimer Mission für das Auswärtige Amt in Bukarest aufhielt, hatte Consten 300.000 Goldmark "zur Beschaffung von Geschenken für den Emir von Afghanistan" besorgen können. Roselius machte seine Zusage davon abhängig, dass Consten wiederum Enver Paşa zur Schließung der Dardanellen bewegen würde, um so Getreideeinkäufe der Ententemächte in Rumänien und Bulgarien zu unterbinden. Der Deal klappte, internationale Proteste waren die Folge. Die offizielle Begründung für die Sperrung einer der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt am 27. September 1914 war jedoch ein Zwischenfall, bei dem ein türkisches Torpedoboot durch britische Kriegsschiffe daran gehindert wurde, in die Ägäis einzufahren. Mit Roselius' Hilfe gelang es Consten außerdem, in rumänischen und bulgarischen Häfen Getreide, Konserven und Treibstoff für die türkische Schwarzmeerflotte aufzukaufen, damit sie auslaufen konnte. Am 28. Oktober 1914 verließen die beiden deutschen Kreuzer Göben und Breslau – inzwischen als Yavuz Sultan und Midilli in die osmanische Kriegsflotte integriert - mit einem von Admiral Wilhelm von Souchon kommandierten türkischen Geschwader den Bosporus; tags darauf griffen sie die Häfen Sevastopol und Odessa an.

Damit war die spätere Türkei aktiv in die Kämpfe einbezogen. Russlands Kriegserklärung an das Osmanische Reich folgte am 2. November. Russische Truppen marschierten von Armenien aus in die Provinz Erzurum ein und besetzten sie. Die Briten erklärten den Osmanen nur wenige Tage später ebenfalls den Krieg und verstärkten umgehend ihre militärische Präsenz am Persischen Golf, überwiegend mit indischen Truppen. Frankreich und Italien begannen mit der Eröffnung von
Nach dem offiziellen Kriegseintritt der Türkei ruft der Scheich ül-Islam den "heiligen Krieg", den Dschihad aus.Nach dem offiziellen Kriegseintritt der Türkei ruft Scheich ül-Islam von Konstantinopel, Musa Kâzım Efendi, den "heiligen Krieg", den Dschihad aus. (© picture-alliance)
Feindseligkeiten in Syrien und Nordafrika. Am 14. November 1914 verkündete der Scheich-ül-Islam von Konstantinopel[2] den "Dschihad" gegen die Ententemächte. Die deutsche Propagandatätigkeit in der islamischen Welt begann. Deutschen Warnungen zum Trotz sah Enver Paşa zu Beginn des Winters 1914/15 den richtigen Zeitpunkt für seinen schon länger geplanten Feldzug in den Kaukasus gekommen. Das Unternehmen endete mit einem Debakel: der Vernichtung der 3. Osmanischen Armee.

Ende des Bündnisses



Angesichts des Aufmarschs russischer Truppen bei Täbris in Nordpersien, britischer Verbände am Mittelabschnitt von Euphrat und Tigris sowie eigener Vorstöße auf persisches Gebiet, bei denen sie die Deutschen nicht dabei haben wollten, kündigten die Türken das gemeinsame Afghanistan-Vorhaben im Februar 1915 in Bagdad kurzerhand auf. Im Herbst 1915 schaffte es Niedermayer mit einigen Begleitern schließlich dann doch noch bis Kabul. Nur: den Emir von Afghanistan vermochte er ebensowenig für den "German Jihad" zu gewinnen wie zuvor den Schah von Persien.

Trotz fortschreitender Zerrüttung des deutsch-türkischen Verhältnisses hielten beide Seiten weiter am Bündnis fest. Dieses konnte auch Erfolge verbuchen: So scheiterte dank der gemeinsamen Anstrengungen der Versuch britischer und französischer Flottenverbände, den Minengürtel bei den Dardanellen zu durchbrechen, Konstantinopel einzunehmen und ins Schwarze Meer vorzustoßen, um dort zum russischen Verbündeten aufzuschließen. Im April und August 1915 waren zwei Landungsunternehmen der Entente an einigen Abschnitten der Gallipoli-Halbinsel zwar geglückt; nach monatelangem Stellungskrieg mit riesigen Verlusten für beide Seiten schafften es die unter deutschem Kommando (Liman von Sanders) stehenden osmanischen Truppen im Januar 1916 schließlich doch, die Halbinsel wieder ganz unter ihre Kontrolle zu bringen. Ab 1916 beteiligten sich osmanische Truppen auf Seiten der Deutschen, Österreicher und Bulgaren an den Kämpfen auf dem Balkan, vor allem in Rumänien.

Vorübergehender Erfolg war auch in Mesopotamien zu verbuchen. Ende Oktober 1915 hatte General Colmar von der Goltz Paşa[3] das Kommando der 6. Osmanischen Armee übernommen. Ihm gelang es, ein britisch-indisches Expeditionskorps unter General Townshend bei Kut-al-Amara einzuschließen. Townshends Kapitulation im April 1916 erlebte von der Goltz allerdings nicht mehr; er starb wenige Tage vorher an Flecktyphus. Infolge der Verlegung großer Truppenteile nach Transkaukasien konnte Enver Paşa im darauffolgenden Jahr einen erneuten britischen Vormarsch in Mesopotamien und die Eroberung Bagdads am 11. März 1917 allerdings nicht mehr aufhalten. Die Entsendung von Generalstabschef Erich von Falkenhayn für eine Rückeroberung Bagdads kam zu spät, denn inzwischen hatte sich die Lage an der Palästina-Front zugespitzt. Die 4. Osmanische Armee unter General Cemal und Oberst Kress von Kressenstein als Stabschef war von Aleppo aus durch die syrische Wüste und den Sinai zum Suezkanal vorgestoßen. Die Chance, den britischen Handelsverkehr und Nachschub dort zu unterbrechen, schien zum Greifen nah. Doch stoppten die Briten das Expeditionskorps. Bei Gaza verbiss man sich in zermürbende Kämpfe. Ende 1917 gaben die türkisch-deutschen Verbände endgültig auf. Damit scheiterte auch der Plan, verlorene Gebiete des Osmanenreiches an der nordafrikanischen Mittelmeerküste zurückzuerobern.

Der Völkermord an den Armeniern



Das zweite und dritte Kriegsjahr waren von der Tragödie der Armenier überschattet. Dass sich der schon länger schwelende interethnische Konflikt im Süd-Kaukasus und in Ostanatolien gerade in jener Zeit gefährlich zuspitzte, hing nicht zuletzt auch mit der für die Türken ungünstigen Kriegsentwicklung zusammen. Botschafter von Wangenheim überreichte dem Großwesir im Juli 1915, etwa vier Monate nach Beginn der Ausschreitungen und den Deportationen von Armeniern, eine Protestnote der Reichsregierung. Deutsche Wirtschaftsvertreter wurden mehrmals gegenüber der osmanischen Regierung vorstellig, die Massaker und Vertreibungen einzustellen. Doch spielten wohl weniger humanitäre Gründe eine Rolle als vielmehr die Tatsache, dass armenische Facharbeiter zu Tausenden von den Baustellen der Unternehmen verschwanden, die am Vortrieb der Bagdad-Bahn beteiligt waren. Reichskanzler von Bethmann Hollweg war der Fortbestand des Bündnisses so wichtig, dass er selbst eine kritische Berichterstattung in der deutschen Presse verhinderte. "Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig ob darob Armenier zugrunde gehen oder nicht"[4], so seine Replik auf einen entsprechenden Vorschlag der deutschen Botschaft in Konstantinopel.

Das Schicksal der Armenier war nicht der einzige, aber wohl schwerwiegendste "Kollateralschaden" der deutschen Waffenbrüderschaft mit dem Osmanischen Reich. Das Festhalten am Bündnis konnte auch nicht verhindern, dass der "Dschihad" verpuffte. Weder Araber noch Kurden, weder Perser noch Afghanen waren dem Aufruf zum "Heiligen Krieg" gegen Engländer und Russen gefolgt. Diese mangelnde Resonanz spiegelte deutlich den allgemeinen Autoritätsverlust des Scheich ül-Islam und den fortschreitenden Zerfall des Osmanischen Reiches wider. Die gemeinsame Kriegsniederlage der Mittelmächte besiegelte schließlich den Untergang ihrer Monarchien und bedeutete für den türkischen Verbündeten überdies enorme territoriale Verluste. Nach den Verträgen von Sèvres (1920) und Lausanne (1923) blieben vom einstigen Osmanenreich nur noch das kleinasiatische Kernland und eine Exklave auf der europäischen Seite des Bosporus. Die Kolonialreiche der Kriegsgegner dagegen zerfielen erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Literatur

  • Mustafa Aksakal: The Ottoman Road to War in 1914. The Ottoman Empire and the First World War, Cambridge University Press 2008.
  • Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18, Düsseldorf 1977.
  • Matthias Friese, Stefan Geilen (Hrsg.): Deutsche in Afghanistan. Die Abenteuer des Oskar von Niedermayer am Hindukusch. Reprint der Originalausgabe von 1925 mit Kurzbiografie sowie erläuternden Texten und Fotos, Köln 2002.
  • Doris Götting: "Etzel" – Forscher, Abenteurer und Agent. Die Lebensgeschichte des Mongoleiforschers Hermann Consten (1878-1957), Berlin 2012.
  • Wolfgang Gust (Hrsg.): Der Völkermord an den Armeniern 1915/16. Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amtes, Springe 2005.
  • Wilfried Loth, Marc Hanisch (Hrsg.): Erster Weltkrieg und Dschihad. Die Deutschen und die Revolutionierung des Orients, München 2014.
  • Tilman Lüdke: Jihad made in Germany. Ottoman and German Propaganda and Intelligence Operations in the First World War, Münster 2005.
  • Sean McMeekin: The Berlin-Baghdad Express. The Ottoman Empire and Germany’s Bid for World Power, Cambridge 2010.
  • Wolfgang G. Schwanitz: Max von Oppenheim und der Heilige Krieg. Zwei Denkschriften zur Revolutionierung der islamischen Gebiete, in: Sozialgeschichte Nr. 19 (2004) Heft 3, S. 28-59.
  • Hew Strachan: Der Erste Weltkrieg. Eine neue illustrierte Geschichte, München 2014
  • Klaus Wolf: Gallipoli 1915. Das deutsch-türkische Militärbündnis im Ersten Weltkrieg, Sulzbach/Ts. 2008.
  • Renate Vogel: Die Persien- und Afghanistan-Expedition Oskar Ritter von Niedermayers 1915/16. Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung Band 8, Osnabrück 1976.


Fußnoten

1.
Streng vertraulicher Bericht des Deutsch-Türkischen Komitees; Verf. Dr. Max Zimmer. Berlin 1915
2.
Scheich ül-Islam war der Titel des Obersten Religionsgelehrten des Osmanischen Reiches und Muftis der Hauptstadt.
3.
"Paşa" war im Osmanischen Reich ein Titel für hohe Militärs und Beamte, der auch als Ehrentitel an Ausländer verliehen wurde.
4.
PA-AA, R 14089 Vermerk Bethmann-Hollweg vom 17.12.1915 auf einem Bericht des Sonderbotschafters Wolff-Metternich aus Konstantinopel vom 7.12.1915

 

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