Silhouette einer Moschee.

Deutsche in der Türkei 1933 - 1945

Mehr als eine Exilgeschichte und einseitiger Modernisierungstransfer


5.9.2014
Die Türkei diente in den Jahren 1933-1945 zahlreichen deutschen Wissenschaftlern und Künstlern als Exil. Sie stellten jedoch nur einen Teil der auslandsdeutschen Gemeinde in der Türkei dar, die auch nach 1933 ein Abbild der politisch gespaltenen deutschen Gesellschaft blieb. Denn die türkische Regierung suchte bereits seit Mitte der 1920er-Jahre Hilfe bei deutschen Experten zu Modernisierung ihres Landes, unabhängig von parteipolitischen Werten.

Istanbul, im Vorderund der Galata-Turm.Nicht nur Linke, Demokraten und andere Verfolgte fanden während des Nationalsozialismus Exil in der Türkei: Zwischen 1933 und 1945 arbeiteten auch Glücksritter, Konservative und Nationalsozalisten am Aufbau der jungen Republik mit. (© Gereon Schloßmacher)

Es gehört noch immer zu den geschichtspolitisch in Deutschland wie in der Türkei gerne gepflegten Mythen, die Türkei neben Großbritannien und den Vereinigten Staaten als rettendes Ziel deutscher, vor allem jüdischer Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus zu feiern. Insbesondere die Wissenschaftler, Künstler und Intellektuellen, die ihre Exilzeit nach 1933 in der Türkei verbrachten, glaubten auf diese Weise ihre nachvollziehbare Dankesschuld gegenüber der Türkischen Republik ableisten zu müssen.[1] Was menschlich verständlich ist und sich daher jeder Kritik entzieht, hält einer historischen Prüfung jedoch nicht stand. Die Geschichte der Deutschen in der Türkei in den Jahren 1933-1945 hat mehr Kapitel als nur jenes, das mit dem Schlagwort "haymatloz"[2] überschrieben wird und die Türkei als "wohltätiges Asylland"[3] interpretiert. Die Türkei als Exilland deutscher jüdischer und politischer Flüchtlinge ist zwar Teil dieser Geschichte, daneben muss jedoch daran erinnert werden, dass die Gesellschaft der Auslandsdeutschen in der Türkei das Abbild der damaligen Gesellschaft im Deutschen Reich war: In Istanbul, Ankara, Bursa, Eskişehir und anderen türkischen Städten lebten auch nach 1933 neben deutschen Juden, Liberalen, Kommunisten und Sozialdemokraten, stets Nicht-Juden, Diplomaten, Wirtschaftsmigranten, Glücksritter, Missionare, Konservative, Nationalsozialisten sowie politisch Desinteressierte. Zugleich begriff sich die Türkei, die die deutschen Flüchtlinge aufnahm, politisch gerade nicht "als nazi- und/oder deutschlandfeindlich" und beschäftigte "parallel zu den ‚Flüchtlingen’ auch sogenannte ‚Reichsdeutsche’ in Universitäten und staatlichen Betrieben".[4] Dass die Türkei nach 1933 kein grundsätzlich sicherer Hort für Juden war, hat die Historikerin Corry Guttstadt akribisch und detailliert nachgewiesen.[5]

Es kommt daher darauf an, die Vielgestaltigkeit der deutschen Anwesenheit in der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg im Blick zu haben und die Exilanten der Jahre 1933 bis 1945 zudem in die längerfristige Geschichte der "Türkeideutschen" einzuordnen. Die Anwesenheit der Deutschen in der Türkei nach 1918 diente dabei keineswegs nur einem einseitigen Modernisierungstransfer von westlich-europäischem Know-how, sondern beeinflusste auch die Arbeit der Migranten und Exilanten und durch ihre spätere Rückkehr auch die deutsche Nachkriegsgesellschaft.

Deutsche Wirtschaftsmigration und Auslandsdeutschtum in der jungen Türkischen Republik 1918-1933



Das Deutsche Krankenhaus in Istanbul im Jahr 2010: Bis 1973 wurde das Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnete Krankenhaus von einer deutschen Verwaltung und deutschen Ärzten geleitet. Heute gehört das Hospital einer türkischen Krankenhausgesellschaft.Das Deutsche Krankenhaus in Istanbul im Jahr 2010: Bis 1973 wurde das Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnete Krankenhaus von einer deutschen Verwaltung und deutschen Ärzten geleitet. Heute gehört das Hospital einer türkischen Krankenhausgesellschaft. (© picture-alliance)
Der 30. Oktober 1918 markierte die "Götterdämmerung" in der Geschichte der Türkeideutschen: An diesem Tag wurde in Mudros der Waffenstillstandsvertrag zwischen Briten und Osmanen geschlossen, der nach vier Jahren Weltkrieg nicht nur den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei erzwang (Art. 23), sondern auch die Ausweisung aller Deutschen aus dem Osmanischen Reich binnen eines Monats (Art. 19) verlangte. Dabei wurde nicht zwischen den rund 10.000 kriegsbedingt anwesenden Soldaten und den alteingesessenen Türkeideutschen – schätzungsweise ca. 3.000 bis 4.000 Menschen – unterschieden. Alle offiziellen deutschen Einrichtungen der damaligen Hauptstadt Istanbul – die Botschaft, das Krankenhaus, der Kindergarten, die Schule, der deutsche Klub "Teutonia" – wurden von den Briten beschlagnahmt, die 1919 die Stadt besetzten. Eine Rückkehr der Deutschen an den Bosporus sollte für immer ausgeschlossen werden.[6]

Trotz dieses erzwungenen Exodus kehrten nach der Gründung der Türkischen Republik 1923 und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Weimarer Republik bald wieder Deutsche in die Türkei zurück. Mitglieder der ehemaligen deutschen "Kolonie" fanden sich nur wenige darunter; gemeinsam war jedoch allen die Hoffnung, aufgrund ihrer zurückliegenden "Erfahrungen und Beziehungen einen günstigen Boden für den Aufbau einer Lebensstellung zu finden".[7] Und so kamen neben erfolgreichen Geschäftsleuten, die an etablierte Strukturen aus der Vorkriegszeit anknüpfen konnten, auch eine ganze Reihe Glücksritter und Wirtschaftsflüchtlinge, die vor Inflation und Wirtschaftskrise in der Weimar Republik davongelaufen waren.[8] Selbst junge Frauen aus der unteren Mittelschicht, die oft als "Heiratsmigrantinnen" ins Land kamen, suchten in der Türkei ihr Glück.[9] Schließlich begann die Türkische Republik ebenfalls bereits in den 1920er-Jahren, gezielt deutsche Wissenschaftler, Künstler und Architekten für den Aufbau moderner Bildungs- und Kultureinrichtungen, Bürokratiestrukturen und den Städtebau anzuwerben.[10]

Rechtlich profitierten die Deutschen dabei zunächst vom 1927 abgeschlossenen deutsch-türkischen Niederlassungsvertrag. Allerdings unterlagen sie wie alle Ausländer einem strikten Verbot zur politischen Betätigung und seit 1932 auch weitreichenden Berufsbeschränkungen, die nur für jene zu umgehen waren, die spezielle, staatlich genehmigte Verträge erhielten.

Politisch war die deutsche Gemeinde zumindest in Istanbul vor 1933 das Abbild der politisch gespaltenen deutschen Republik. Botschafter Rudolf Nadolny lud zwischen 1924 und 1932 gleich an zwei Tagen – dem 18. Januar (Reichsgründung 1871) und dem 11. August (Verabschiedung der Weimarer Verfassung 1919) – zum Nationalfeiertag. Wie er sich erinnerte, kamen anfangs "nur die Republikaner zum 11. August und die anderen erschienen zum 18. Januar". Trotzdem gelang es ihm, dass "mit der Zeit (...) beide Teile zu beiden Festen" kamen.[11] Nicht anders als in Deutschland selbst blieb also bis 1933 offen, ob sich die deutsche Auslandskolonie in der Türkei politisch spalten oder in einem demokratischen Kompromiss arrangieren würde.

Deutsche in der Türkei zwischen Exil und Auslandspropaganda 1933 -1945



Diese politische Spaltung der Türkeideutschen vertiefte und verschärfte sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland 1933. Denn nunmehr traten aus der eingesessenen Kolonie der Diplomaten, Wirtschaftsmigranten und sendungsbewussten bildungsbürgerlichen Auslandsdeutschen, auch die Anhänger der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) immer deutlicher hervor und übten einen Anpassungsdruck auf die übrigen Mitglieder der Kolonie aus. Infolge dessen bildeten die jüdischen und liberalen Türkeideutschen zusehends eine gesonderte Subkolonie, die sich selbstironisch als "Kolonie B" (im Gegensatz zur "Kolonie A" der sogenannten Reichsdeutschen) bezeichnete, und die seit dem Herbst 1933 von den in die Türkei berufenen zumeist jüdischen Wissenschaftlern, Künstlern und Intellektuellen verstärkt wurde, die in Istanbul (wie auch in Ankara, der neuen Hauptstadt) das türkische akademische Bildungssystem aufbauen sollten.

Um das türkische Exil dieser insgesamt rund 650 verfolgten Wissenschaftler, ihrer Angehörigen und Mitarbeiter angemessen zu interpretieren, kann die zufällige zeitliche Übereinstimmung von nationalsozialistischem Machtantritt und türkischer Suche nach geeigneten Experten für die neu gegründete Universität in Istanbul und das 1932 eingerichtete Yüksek Ziraat Enstitüsü – also die Landwirtschaftliche Hochschule – in Ankara nicht deutlich genug betont werden. Voraussetzung für die erfolgreiche Vermittlungsarbeit des Frankfurter Pathologen Philipp Schwartz, der selbst zu den Opfern des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums"[12] gehörte, war die seit 1932 andauernde Beratung der türkischen Regierung durch den Schweizer Pädagogen Albert Malche, der seinen Auftraggebern bevorzugt jüdische und politisch verfolgte deutsche Gelehrte zur Berufung vorschlug. Denn es ging der Türkei nicht darum, Juden und andere Verfolgte des NS-Regimes zu retten. Der Politikwissenschaftler Kemal Bozay betont in seiner Studie zum "Exil Türkei" zurecht die "technokratische Orientierung"[13] der türkischen Regierung, die rein funktional nach Experten für das kemalistische Modernisierungsprogramm suchte und dabei ebenso auf jüdische und liberale wie auf konservative und nationalsozialistische Wissenschaftler zurückgriff. Die jüdischen Emigranten hatten "Seite an Seite mit Nazi-Gelehrten zu arbeiten".[14]

Unter politisch funktionalen Überlegungen waren ursprünglich auch die ersten deutschen Wissenschaftler bereits in den 1920er-Jahren in die Türkei gewechselt. Mehr noch als die individuelle Überzeugung, deutsche Wissenschaft in der Welt zu verbreiten, spielten dabei außenkulturpolitische Ambitionen des deutschen Auswärtigen Amtes eine Rolle. Durchaus in Fortsetzung der republikanischen Außenkulturpolitik[15] bildeten die deutschen Wissenschaftsemigranten auch aus Sicht des neuen nationalsozialistischen Staates zunächst einen Teil der erfolgreichen deutschen Auslandspropaganda in der Türkei.
Deutsches Vereinshaus Teutonia in Istanbul. Aufnahme aus den 1920er-Jahren.Deutsches Vereinshaus Teutonia in Istanbul. Aufnahme aus den 1920er-Jahren. (© Deutsches Archäologisches Institut Inv. Nr. D-DAI-IST-7046)
Erst auf Druck der NSDAP-Mitglieder vor Ort, die sich immer wieder über die Anwesenheit "unerwünschter" Professoren beschwerten, begann der NS-Staat 1938, jüdische und politisch abweichende Wissenschaftler – unter ihnen so illustre Namen wie Ernst Reuter, Erich Auerbach, Leo Spitzer, Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow, Paul Hindemith, Ernst Praetorius, Bruno Taut, Clemens Holzmeister, Carl Ebert und Eduard Zuckmayer – gezielt von dieser Repräsentationsfunktion auszuschließen. Zu diesem Zweck sandte das Reichserziehungsministerium im Frühjahr 1939 den Oberregierungsrat Dr. Herbert Scurla in die Türkei, um zum ersten Mal systematisch zu erfassen, wie viele Juden und Nicht-Nationalsozialisten überhaupt in Istanbul und Ankara lehrten.[16]

Obwohl der Parteiableger der NSDAP in Istanbul darauf hinwirkte, auch in der Türkei Kontakte zwischen "Reichsdeutschen" und vor dem NS-Regime Geflohenen zu unterbinden bzw. sich die Mitglieder der Kolonie B selbst möglichst von diesen fernhielten, gab es im Alltag durchaus Räume der Begegnung: Der 1924 wiedereröffnete deutsche Klub, die Teutonia, bot dafür in Istanbul ebenso Gelegenheit wie das Lokal des Gastwirts Hans Fischer.[17] Zudem war der Übergang zwischen den beiden deutschen "Communities" für einige Personen fließend, die – wie z. B. der im türkischen Landwirtschaftsministerium tätige Friedrich Christiansen-Weniger – als "Reichsdeutsche" Kontakt zu Exilanten unterhielten.

Auch wenn viele der in die Türkei berufenen Wissenschaftler ihr Exil in der Türkei als schwierig und belastend empfanden, bildeten sie letztlich doch eine Gruppe von Eliten-Emigranten, deren Leben nicht mehr fundamental bedroht war. Ihre Arbeitsverträge garantierten ihnen nicht nur ein festes Einkommen, sondern vor allem ein – wenn auch zeitlich begrenztes – Aufenthaltsrecht, das sie durch die Annahme der türkischen Staatsbürgerschaft verstetigen konnten. Deutlich prekärer war dagegen bereits die Lage ihrer Mitarbeiter und Laborleiter – unter ihnen viele Frauen – die keine festen Arbeitsverträge erhielten und daher praktisch permanent von der Arbeitslosigkeit und damit der Abschiebung bedroht waren.[18]

Oft vergessen werden zudem die vielen deutschen Flüchtlinge, die nicht offiziell in die Türkei eingeladen wurden, sondern sich mehr oder weniger illegal in der Türkei verdingten, weil sie offiziell keine Arbeitsgenehmigung erhielten oder nur überlebten, weil sie zum Islam konvertierten, um aufenthaltsberechtigt zu werden.

Wissenschaftstransfer, Rückwirkungen auf die Exilanten und das deutsche Türkeibild nach 1945



Und was blieb von dieser freiwilligen und unfreiwilligen Migration von Deutschen aller politischen, sozialen und religiösen Herkunft? Die junge Türkische Republik erwartete von der Wissenschaftsmigration von Anfang an, dass sie sich selbst überflüssig machen sollte: Deutsche Wissenschaftler, die in die Türkei gingen, sollten Wissensbestände und disziplinspezifische Methoden an ihre türkischen Studenten weitergeben und auf diese Weise zur Modernisierung des Landes beitragen. Wie zahlreiche Einzelstudien gezeigt haben, gelang das im Allgemeinen, jedoch nur unter den in der Migrations- und Transfergeschichte mittlerweile als selbstverständlich angesehenen Anpassungs- und jeweils spezifischen Adaptionsleistungen der Geber- wie der Empfängerseite. Einigen der
Im Rahmen der symbolischen Enthüllung des ersten Steins der Deutsch-Türkischen Universität (DTU) spricht der Präsident der Republik Türkei, Abdullah Gül am Freitag (22.10.2010) in Istanbul-Beykoz (Türkei) zu den Gästen. Am Abend endet der viertägigen Besuch des Bundespräsidenten mit seiner Frau in der Türkei. Foto: Rainer Jensen dpaDer damalige Staatpräsident der Türkei Abdullah Gül bei der Grundsteinlegung der Deutsch-Türkischen Universität in Istanbul im Oktober 2010. (© picture-alliance)
wissenschaftlichen Emigranten gelang es, die intellektuelle Verunsicherung durch die Begegnung mit Exil und "Orient" methodisch und inhaltlich für ihre Forschung fruchtbar zu machen.[19] Wie jede Begegnung wirkte die Exil- und Emigrationserfahrung schließlich auch durch die Rückkehr der Flüchtlinge auf die Gesellschaft ihres ehemaligen Heimatlandes zurück.[20] Weit über die jeweils individuelle Veränderung in Denk- und Lebensweisen und die methodischen und inhaltlichen Erkenntnisverschiebungen in Wissenschaftsdisziplinen hinaus trugen die Erinnerungen der Flüchtlinge an das Exil in der Türkei und ihr weiteres politische Engagement in der deutschen Nachkriegsgesellschaft dazu bei, das Bild einer sich modernisierenden, säkularen und toleranten Türkei zu etablieren.[21] Die Gründung der deutsch-türkischen Hochschule, die 2013 ihren Betrieb aufnahm, steht in der langen, bis ins Kaiserreich und vor den Ersten Weltkrieg zurückreichenden Tradition deutscher auswärtiger Kulturpolitik durch den Export von Wissenschaft und Bildung.


Fußnoten

1.
Vgl. z. B. Rudolf Nissen: Helle Blätter – Dunkle Blätter. Erinnerungen eines Chirurgen, Stuttgart 1969; Fritz Neumark: Zuflucht Bosporus. Deutsche Gelehrte, Politiker und Künstler in der Emigration 1933-1953, Frankfurt a. M. 1980. Ernst E. Hirsch: Aus des Kaisers Zeiten durch die Weimarer Republik in das Land Atatürks. Eine unzeitgemäße Autobiographie, München 1982.
2.
Das Wort "haymatloz" trugen die türkischen Behörden bei jenen – meist jüdischen – Flüchtlingen in die Aufenthaltspapiere ein, denen spätestens 1941 die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen worden war. Vgl. Christine Hoss: Vogelfrei. Die Verfolgung der Emigrantinnen und Emigranten in der Türkei durch das Deutsche Reich, in: Haymatloz. Exil in der Türkei, Berlin 2000, 130-155.
3.
Cem Dalaman: Die Türkei in ihrer Modernisierungsphase als Fluchtland für deutsche Emigranten, Berlin 2001, 7. Dalaman kommt das Verdienst zu, kritisch auf diese von den Emigranten mitgeschaffenen Mythos hinzuweisen. Genau dieser kritische Blick fehlte in der älteren Literatur. Vgl. z B. Horst Widmann: Exil und Bildungshilfe. Die deutschsprachige akademische Emigration in die Türkei nach 1933, Bern/Frankfurt 1973. Zur Weiterentwicklung der Forschung vgl. Regine Erichsen: Deutsche Wissenschaftler im türkischen Exil: Zum historischen Wandel der Anschauungen, in: Christoph Kubaseck/Günter Seufert (Hg.): Deutsche Wissenschaftler im türkischen Exil: Die Wissenschaftsmigration in die Türkei 1933-1945, Würzburg 2008, 41-46.
4.
Ebd., 18.
5.
Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Hamburg 2008.
6.
Zur politischen Entwicklung der deutsch-türkischen Beziehungen nach 1918 vgl. Sabine Mangold-Will: Begrenzte Freundschaft. Deutschland und die Türkei 1918-1933, Göttingen 2013.
7.
Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Botschaft Konstantinopel/Ankara, Bd. 699, Richard Preußer: Die Stellung des Deutschtums in der Türkei, Sonderauszug aus ‚Archiv für das gesamte Auslandsdeutschtum’ 1931
8.
Zu Deutschen und Auslandsdeutschtum in der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg vgl. Mangold-Will, Begrenzte Freundschaft, 307-319.
9.
Vgl. Anne Dietrich: Deutschsein in Istanbul. Nationalisierung und Orientierung in der deutschsprachigen Community von 1843 bis 1956, Opladen 1998, 415-420, wo vier solche Frauen kurz vorgestellt werden.
10.
Vgl. z. B. Burcu Dogramaci: Kulturtransfer und nationale Identität. Deutschsprachige Architekten, Stadtplaner und Bildhauer in der Türkei nach 1927, Berlin 2008 sowie das Kapitel "Vorbereitungen für den Wissenschaftstransfer" in: Mangold-Will, Begrenzte Freundschaft, 391-413.
11.
Rudolf Nadolny: Mein Beitrag, Wiesbaden 1955, 113.
12.
Bereits im April 1933 erließen die Nationalsozialisten dieses Gesetz, um vor allem jüdische und politisch missliebige Bürger aus dem Staatsdienst zu entlassen.
13.
Kemal Bozay: Exil Türkei. Ein Forschungsbeitrag zur deutschsprachigen Emigration in der Türkei (1933-1945), Münster 2001, 97.
14.
Kader Konuk: East West Mimesis. Auerbach in Turkey, Stanford 2010, 175.
15.
Zur Türkei als Ziel republikanischer Außenkulturpolitik vgl. Mangold-Will, Begrenzte Freundschaft, 1933-147.
16.
Vgl. Klaus-Detlev Grothusen (Hg.): Der Scurla-Bericht, Frankfurt 1987 und Faruk Şen/ Dirk Halm (Hg.): Exil unter Halbmond und Stern. Herbert Scurlas Bericht über die Tätigkeit deutscher Hochschullehrer in der Türkei während des Nationalsozialismus, Essen 2007.
17.
Vgl. Dalaman, Die Türkei, 119f.
18.
Vgl. Regine Erichsen: das türkische Exil als Geschichte von Frauen und ihr Beitrag zum Wissenschaftstransfer in die Türkei von 1933 bis 1945, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 28 (2005), 337-353.
19.
Vgl. Konuk, East West Mimesis.
20.
Vgl. z. B. Reiner Möckelmann: Wartesaal Ankara. Ernst Reuter – Exil und Rückkehr nach Berlin, Berlin 2013, 257-312, der allerdings leider nicht auf die Folgen für das bundesdeutsche Türkeibild durch seinen berühmten Protagonisten und dessen Sohn Edzard eingeht.
21.
Vgl. dazu Bozay, Exil Türkei, 101-109 und vor allem die kritische "Vorbemerkung" in: Dalaman, Die Türkei, 6-9 sowie noch immer unkritisch gegenüber dem idealisierten und Atatürk-zentrierten Türkeibild der Remigranten: Horst Widmann: Die Remigration: Impulse aus dem Türkei-Exil für die junge Bundesrepublik, in: Kubasek/Seufert, Deutsche Wissenschaftler im türkischen Exil, 258-270.
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