Silhouette einer Moschee.

Istanbul: Kulturhauptstadt 2010

Im Jahr 2010 war Istanbul Kulturhauptstadt Europas: ein Titel, der auf Initiative der EU jährlich an mindestens zwei Städte in Europa vergeben wird. Kultur - davon hat die geschichtsträchtige Stadt am Bosporus viel zu bieten, überspannt sie gleich zwei Kontinente. Die vielschichtige Melange aus Orient und Okzident spiegelt sich in der Stadt, die als Konstantinopel einstmals ein römisches Reich regierte und als Byzanz im Mittelalter ein Blütezeit erlebte. Als Kulturhauptstadt profitierte Istanbul besonders von Fördermitteln zur Restauration historischer Bausubstanz.

Wie nur wenige Städte, schöpft Istanbul, hier 2012, aus seiner ereignisreichen Geschichte: Als Byzantion, einst von Kaiser Konstantin gegründet, wurde die Stadt als Konstantinopel im Jahr 1453 von den Osmanen erobert. Ein Ereignis, das sich auf das gesamte christliche Europa auswirken sollte.Reich an Gegensätzen ist die Millionenstadt bis heute: Armut und Reichtum prallen ebenso aufeinander wie Tradition und Moderne. Das Istanbul der Gegenwart ist vor allem auch Kulturmetropole: 2010 feierte sich die Stadt dafür, als europäische Kulturhauptstadt.Als Kulturhauptstadt glänzte Istanbul mit seinem geschichtsträchtigen Erbe: die illuminierte Hagia Sophia während der Eröffnungsfeierlichkeiten.Feuerwerk während der Eröffnungsfeierlichkeiten zur Europäischen Kulturhaupstadt: links im Bild die Sultan-Ahmed-Moschee, rechts die Hagia Sophia.Eine von vielen Perfomances zum Auftakt des Kulturhauptstadtjahrs: hunderte von kulturellen Events fügten sich 2010 zu einem bunten Kaleidoskop der Stadt zusammen.In der Eröffnungsfeier spiegelte sich auch das kulturelle Erbe der Türkei: Traditionell gekleidete Musiker spielen osmanische Marschmusik.Doch auch die zeitgenössische kulturelle Szene, welche in den verwinkelten Gassen der geschichtsträchtigen Stadt am Bosporus einen reichhaltigen Nährboden hat, fand 2010 ihr Publikum.Das Logo der Kulturhauptstadt Istanbul 2010.Besonders die historische Bausubstanz konnte 2010 von Istanbuls Status als Kulturhauptstadt profitieren: viele Fördermittel flossen in Restaurationsmaßnahmen.Im Zuge der Vorbereitung auf das Jahr als Kulturhauptstadt Europas ergab sich auch eine Rückbesinnung auf historische Authentizität: So wurden beispielsweise in der Hagia Sophia die vier Engelsgesichter in den Pendentifs wieder sichtbar gemacht. Nach der Eroberung durch die Osmanen 1453 war die damals größte christliche Kirche der Welt zur Moschee geworden und die aufwendigen Wandmalereien waren übermalt und durch islamische Symbole ersetzt worden.In unmittelbarer Nachbarschaft zur Hagia Sophia befindet sich die Sultan-Ahmed-Moschee: Ihr Namensgeber gab sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Auftrag. Wegen ihrer blauen Kuppeln wird sie auch "Blaue Moschee" genannt. Sie ist bis heute eine der größten und bedeutendsten der mehr als 2.000 Istanbuler Moscheen.Die Istanbuler Chora-Kirche geht auf einen im 5. Jahrhundert erbauten Klosterkomplex zurück. In ihrer heutigen Form existiert die Kirche seit dem frühen 14. Jahrhundert und gehört neben der vergleichsweise riesigen Hagia Sophia zu den eindrucksvollsten christlichen Bauten der Stadt.Ihre aufwändigen Mosaiken und Fresken im Stil der palaiologischen Renaissance gehören zu den bedeutendsten noch erhaltenen Sakralzyklen.Die Süleymaniye-Moschee ist eines der größten Gotteshäuser in Istanbul. Dieser Anspruch findet sich bereits im Namen ihres Auftraggebers - Sultan Süleyman "der Prächtige" betraute den großen Architekten Sinan, welcher sie als sein "Gesellenwerk" verstand. Sie gilt als Paradebeispiel osmanischer Archtitektur. Zwischen 1550 und 1557 errichtet, beherbergt ihr Baukomplex u.a. auch ein Krankenhaus und eine Universität.Angler im Dezember 2010 auf der Galatabrücke: Im Hintergrund wird großflächig die "Kulturhauptstadt Istanbul" beworben.Nicht nur in Museen und Hochglanzprospekten, sondern auch im Alltäglichen eröffnet sich die Kulturhauptstadt des Jahres 2010: Noch heute leben viele kleine Händler der Istanbuler Altstadt von dem Geschäft mit traditionellen Waren.Das 1584 von dem berühmten Architekten Sinan errichtete Çemberlitaş Hamamı gehört zu den ältesten und meistbesuchten Badehäusern der Stadt - heute zieht es vor allem Touristen an. Das war nicht immer so: Schwimmbäder, wie man sie in Europa kennt, waren dem Osmanischen Reich fremd - das Hamam war als öffentliche Badeanstalt nicht nur zur Erholung, sondern vor allem auch zur Reinigung gedacht.Westlich der Hagia Sophia findet sich der "Versunkene Palast": Im 6. Jahrhundert von Kaiser Konstantin als Wasserspeicher für den Konstantinopler Palast in Auftrag gegeben fasziniert die Cisterna Basilica bis heute.Das Flair der unterirdischen Zisterne inspirierte auch Filmememacher: James Bond und Jacki Chan kämpften sich hier bereits durch die spätantike Szenerie. Berühmt sind auch die beiden umgedrehten Medusahäuper, die als Sockel für zwei der Stützsäulen dienen: Woher sie stammen und warum genau sie verbaut wurden ist nicht bekannt. Wahrscheinlich hatten sie einfach die richtige Größe, um die Höhe der Säulen auszugleichen.Auch aus Zeiten des Byzantinischen Reiches stammt der Obelisk in Istanbul: Theodosius I. (reg. 379-395) ließ ihn aus Ägypten einschiffen und setzte ihn in die Mitte des Hippodroms. Der ursprünglich während der Regierungszeit Thutmosis III. um 1490 v. Chr. geschaffene Obelisk soll damals mehr als 32 Meter gemessen haben. Beim Wiederaufrichten im Konstantinopler Hippdrom brach aber die Spitze ab, seitdem ist er nur noch 19,59 Meter hoch.Mit einer Länge von etwa zwanzig Kilometern umschließt die Theodosianische Mauer heute die Istanbuler Altstadt. Nachdem sich die Stadt über sie hinweg ausgebreitet hatte, wurde sie lange Zeit als Steinbruch genutzt. Mittlerweile wird das historische Bauwerk, einst im fünften Jahrhundert nach Christus errichtet, restauriert.Die Konstantinssäule, einst Gründungsmonument des antiken Konstantinopels, überdauerte viele Umbrüche. Diese Aufnahme aus dem Jahr 2010 zeigt ihre heutige Größe: sie ist nur noch in Teilen erhalten.Die 1973 eröffnete Bosporus-Brücke verbindet nicht nur die beiden durch den Bosporus getrennten Teile Istanbuls, sondern auch Europa und Asien miteinander. Sinnbildlich steht sie für Istanbul und die gesamte Türkei als die vielzitierte "Brücke zwischen den Kulturen". Im Vordergrund ist die Ortaköy-Moschee zu sehen.Viele berühmte Persönlichkeiten besuchten das Istanbuler Galatasaray-Gymnasium. Auch in dieser Bildungseinrichtung zeigt sich der Einfluss europäischer Kultur in der Stadt am Bosporus. Das Gymnasium - 1481 ursprünglich als Eliteschule gegründet - wurde 1866 nach französischem Vorbild eröffnet.Historische Kulisse: Die Rumeli Hisarı ist eine 1452 erbaute Festungsanlage. Von hier aus begannen die Osmanen die Belagerung Konstantinopels, die nach einem Jahr zur Einnahme der Stadt führte.Der Istanbuler Topkapı-Sarayi ("Kanonentor-Palast"): Von hier aus regierten die Sultane jahrhundertelang das Osmanische Reich. Mit dem Bau begann Mehmet II. direkt nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453. Der Palast liegt an der Spitze des Goldenen Horns, direkt neben der Hagia Sophia. Heute ist der Topkapı-Palast ein Museum.Der Dolmabahçe-Palast stammt aus dem 17. Jahrhundert. Mitte des 19. Jahrhundert gab Sultan Abdülmecid I. (reg. 1839-1861) den Umbau in Auftrag, 1856 siedelte der gesamte osmanische Hof vom mittelalterlichen Topkapı-Sarayi in den neuen und modernen Dolmabahçe-Palast. Um sich an europäischen Standards messen lassen zu können, investierte Abdülmecid ein Viertel des jährlichen Steueraufkommens in den Bau. Zu dieser Zeit war das Osmanische Reich wirtschaftlich ohnehin schon schwer angeschlagen.Nach Abschaffung des Sultanats 1922 diente der Dolmabahçe-Palast Staatsgründer Kemal Atatürk als Istanbuler Residenz, 1938 starb er in dem Gebäude. Heute dient die Anlage vornehmlich repräsentativen Anlässen, beispielsweise Staatsbanketten. Teile der Anlage sind als Museum zugänglich.Hier nahmen die Proteste des Jahres 2013 ihren Anfang: Der Gezi-Park Im Herzen Istanbuls am Taksim-Platz.



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Wie groß sind die Provinzen der Türkei und wie viele Menschen leben in ihnen? Wie hoch ist das durchschnittliche Einkommen und wie hoch die Arbeitslosenrate? Und wie stark ist die Wirtschaft vor Ort? Ein Klick auf die jeweilige Provinz verrät nicht nur das lokale Wahlergebnis der letzten Kommunalwahl, sondern zeigt auf einen Blick eine Vielzahl sozioökonomischer Daten. Weiter...