Afghanische Flüchtlinge blicken aus dem Fenster einer Zelle in einem Flüchtlingslager der iranischen Stadt Zahedan.

12.10.2009 | Von:
Michael Krennerich

Zehn Fragen zu Menschenrechten


Wie haben sich die Menschenrechte entwickelt?

Menschenrechte lassen sich philosophisch begründen und stellen als solche grundlegende moralische Rechte dar. Sie sind aber auch als positive Rechte in Verfassungen und Menschenrechtsverträgen garantiert. Eingang fanden sie bereits in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 und in die Verfassungen einiger nordamerikanischer Einzelstaaten, etwa in die Virginia Bill of Rights von 1776, sodann in die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und die amerikanische Bill of Rights von 1791. Diese "Gründungsdokumente" des Menschenrechtsschutzes hatten maßgeblichen Einfluss auf die Verfassungsentwicklung in Amerika und Europa. Doch erst im 20. Jahrhundert kam es zu internationalen Vereinbarungen zum Schutz der Menschenrechte.

Ausgangspunkt für den modernen universellen Menschenrechtsschutz ist die Charta der Vereinten Nationen (UN) von 1945. Sie ist dem Ziel verpflichtet, die Achtung der Menschenrechte zu fördern und zu festigen. Diesem Ziel dienen allen voran die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) von 1948 sowie der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UN-Zivilpakt) und der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt) von 1966, die 1977 in Kraft traten. Diese bilden die Grundlage weiterer universeller Menschenrechtsabkommen, die einzelne Rechte (wie das Folterverbot) oder gefährdete Personengruppen (z. B. Frauen, Kinder, Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter, Menschen mit Behinderung) besonders schützen sollen. Zusätzlich wurden in Europa, Amerika und Afrika regionale Menschenrechtsschutzsysteme entwickelt. Zugleich wirkte die Entwicklung des internationalen Menschenrechtsschutzes auf die nationale Ebene zurück. Vor allem jüngere Verfassungen umfassen ein breites Spektrum an Grund- und Menschenrechten. Dynamisch entwickelte sich in den vergangenen Jahren auch das internationale Strafrecht, das durch die Gründung des Internationalen Strafgerichtshofes erheblich an Bedeutung gewann und Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen ahndet.