Vereinte Nationen

Sonderorganisationen der Vereinten Nationen

2.2.2011
UN-Sonderorganisationen sind zwischenstaatliche Einrichtungen, die teils schon vor der Gründung der UN existierten und auf eigenständigen Verträgen fußen, denen die Staaten eigens beitreten können.

Sonderorganisationen der Vereinten Nationen.Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Im Gegensatz zu den Spezialorganen der UN verfügen sie über Budgethoheit und eigene Organisations- und Mitgliederstrukturen. Daher konnten zum Beispiel die USA, trotz ihrer Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen, 1984 aus der UNESCO austreten und erst im Jahr 2003 wieder zurückkehren.

In Artikel 63 der UN-Charta wird dem Wirtschafts- und Sozialrat das Recht eingeräumt, mit Organisationen Abkommen abzuschließen, die den in Artikel 55 geäußerten Zielen, u.a. "die Lösung internationaler Probleme wirtschaftlicher, sozialer, gesundheitlicher und verwandter Art sowie die internationale Zusammenarbeit auf den Gebieten der Kultur und der Erziehung", dienen. Zu diesen Sonderorganisationen zählen:
  • Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO = »International Maritime Organization«) in London: Die IMO ist für die Kooperation in allen die internationale Handelsschifffahrt betreffenden Themen zuständig. Zu ihren zentralen Aufgaben gehören das Erarbeiten von Abkommen über Meeresumweltschutz und die Sicherheit auf See.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO = »World Health Organization«) in Genf: Ziel der WHO ist die Verbesserung der Gesundheitsversorgung, z.B. durch den Aufbau nachhaltiger Gesundheitsdienste in Entwicklungsländern. Zudem erstellt sie international gültige Standards für medizinische Diagnosen und die Klassifikation von Behinderungen.
  • Die Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO = »United Nations Industrial Development Organization«) in Wien: Die UNIDO leistet in Entwicklungsländern Hilfe bei der Industrialisierung und organisiert industrielle Kooperationen zwischen Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländern.
  • Der Internationale Währungsfonds (IMF = »International Monetary Fund«) in Washington D.C. Die Förderung des Welthandels ist das Hauptanliegen des IMF. Er versucht, stabilisierend auf Wechselkurse einzuwirken, organisiert die internationale Zusammenarbeit in geldpolitischen Fragen und gewährt in Not geratenen Mitgliedsstaaten Kredite.
  • Die Internationale Fernmeldeunion (ITU = »International Telecommunication Union«) in Genf: Als Nachfolgerin des 1875 gegründeten Welttelegraphenvereins kümmert sie sich um alle technischen Fragen der globalen Kommunikation.
  • Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD = »International Fund for Agricultural Development«) in Rom: Der Fonds wurde 1977 eingerichtet, um die strukturellen Grundlagen des Welthungers durch länderspezifische Programme zu bekämpfen.
  • Der Weltpostverein (UPU = »Universal Postal Union«) in Bern: Der bereits 1874 gegründete Verein koordiniert die Zusammenarbeit im Bereich der Post.
  • Die Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO = »United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization«) in Paris: Die UNESCO befasst sich mit der Förderung von Wissenschaft und Kultur. Sie setzt sich gegen Analphabetismus ein, engagiert sich im internationalen wissenschaftlichen, kulturellen und pädagogischen Austausch und schützt das Weltkulturerbe.
  • Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO = »International Civil Aviation Organization«) in Montreal: Die ICAO erarbeitet verbindliche Sicherheitsstandards für den Luftverkehr, bestimmt die internationalen Verkehrsflugrechte und legt die Grenzwerte für Fluglärmemissionen fest.
  • Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO = »International Labour Organization«) in Genf: Die seit 1919 existierende ILO kämpft gegen Armut und Arbeitslosigkeit und für sozialen Ausgleich und soziale Gerechtigkeit. Sie ist dreigliedrig strukturiert: Aus allen Mitgliedsländern sind Vertreter von Regierung, Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der ILO vertreten.
  • Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO = »World Meteorological Organization«) in Genf: Die WMO organisiert die Kooperation und Standardisierung von Wetterstationen und -daten, macht meteorologische Daten für andere Anwendungsbereiche nutzbar und erstellt Berichte und Prognosen über den Klimawandel.
  • Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO = »World Intellectual Property Organization«) in Genf: Die WIPO soll dem Schutz geistigen Eigentums dienen und verwaltet Patentanmeldungen.
  • Die Welternährungsorganisation (FAO = »Food and Agriculture Organization«) in Rom: Die FAO ist in der Hunger- und Mangelernährungsbekämpfung tätig. Zu ihren Aufgabenbereichen zählen Informationsgewinnung und -weitergabe, Politikberatung und Effizienzsteigerungen von Landwirtschaft und Fischerei.
  • Die Welttourismusorganisation (UNWTO = »World Tourism Organization«) in Madrid: Die UNWTO verfolgt das Ziel der Entwicklung eines nachhaltigen und verantwortungsvollen Tourismus, insbesondere in Entwicklungsländern, zum Zwecke der wirtschaftlichen Entwicklung und des interkulturellen Verständnisses.
  • Die Weltbankgruppe in Washington D.C.: Die »Weltbankgruppe« bekämpft Armut und will die Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern durch finanzielle und technische Hilfestellung verbessern. Sie untergliedert sich in fünf Organisationen: 1. Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD = International Bank for Reconstruction and Development), 2. die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA = International Development Association), 3. die Internationale Finanz-Corporation (IFC = International Finance Corporation), 4. die Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (MIGA = Multilateral Investment Guarantee Agency), 5. das Internationale Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID = International Centre for Settlement of Investment Disputes).
Neben den Sonderorganisationen existieren eine Reihe von eigenständigen Organisationen, die mit den Vereinten Nationen vertraglich gebunden sind und engmaschig kooperieren. Dazu zählen u.a.:
  • Die Atomenergie-Organisation (IAEA = »International Atomic Energy Agency«) in Wien: Sie fördert die sichere Entwicklung atomarer Technologien und überwacht den Atomwaffensperrvertrag.
  • Die Welthandelsorganisation (WTO = »World Trade Organization«) in Genf: Die Nachfolgeorganisation des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT = General Agreement on Tariffs and Trade) strebt eine Eindämmung des Protektionismus und eine Liberalisierung des Handels an.
  • Der Nuklear-Test-Bann (CTBTO = »Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty Organization«) in Wien: 1996 wurde der CTBT, ein Vertrag über ein umfassendes Verbot von Nuklearversuchen, von der UN-Generalversammlung verabschiedet. Da er noch nicht von allen Ländern ratifiziert wurde und damit noch keine Gültigkeit besitzt, ist auch die für die Überwachung des Verbots zuständige Organisation CTBTO noch inaktiv. Für die Zeit bis zur Ratifizierung des Gesetzes wurde eine vorbereitende Kommission eingesetzt, die ein weltumspannendes Überwachungssystem erstellen soll.
  • Die Chemiewaffenkontrolle (OPCW = »Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons«) in Den Haag: Die OPCW überwacht die Einhaltung der Chemiewaffen-Konvention (CWC) und die Zerstörung bestehender Chemiewaffenbestände.

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1945 - die Vereinten Nationen werden gegründet. Die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges hatten die Notwendigkeit einer starken, internationalen Organisation verdeutlicht, die die Verantwortung für den Frieden übernimmt. Die Ideen und Strukturen der Vereinten Nationen, ihre Haupttätigkeitsfelder, die dort auftretenden Probleme und die zukünftigen Herausforderungen sind Gegenstand dieses Heftes. Weiter...