Deutschland in den 50er Jahren

23.12.2002 | Von:

Gesellschaftliche Entwicklung

Massenmedien

Die fünfziger Jahre waren der Höhepunkt des Radiozeitalters und zugleich der Beginn des Fernsehzeitalters in der Bundesrepublik.

Der Siegeszug des Hörfunks hatte zwar schon in den zwanziger Jahren begonnen, und am Vorabend des Zweiten Weltkriegs verfügten bereits zwei Drittel aller deutschen Haushalte über einen Rundfunkapparat. Aber die beinahe restlose Versorgung der Bevölkerung mit diesem Medium vollzog sich in den fünfziger Jahren.

Das Rundfunkgerät stellte das ideale Mittel dar, die Häuslichkeit attraktiv zu gestalten und bildete das Zentrum des Feierabend- und Wochenendgeschehens. Eindeutiger Spitzenreiter in der Hörergunst waren unterhaltende Sendungen, besonders sogenannte Bunte Abende mit leichter Musik, einigen kabarettistischen Einlagen und Ratespielen sowie leicht faßliche Hörspiele mit heiterer und kriminalistischer Note. Unterhaltungsmusik aller Art war gefragt, von der Operette bis zur Marschmusik, von den leichten Weisen der sendereigenen Orchester bis zur deutschen Schlagerparade, die es schon Anfang der fünfziger Jahre gab. Verpönt war beim Publikum lediglich der Jazz, der nur eine Minderheit jugendlicher Liebhaber fand - ein Indiz für die Ähnlichkeit geschmacklicher Vorlieben der dreißiger und der fünfziger Jahre.

Am Ende der fünfziger Jahre gingen die Einschaltquoten, vor allem abendlicher Sendungen, und die durchschnittliche tägliche Hördauer deutlich zurück (von drei auf zwei Stunden), eine Folge vor allem der beginnenden Massenverbreitung des Fernsehens (ab 1954), dessen Angebot von Sendungen der 1950 gegründeten ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) gestaltet wurde. Im Oktober 1957 wurde das millionste Gerät angemeldet, zwei Jahre später hatte sich die Zahl der Teilnehmer verdreifacht, und 1960 verfügte ein Viertel aller Haushalte über das neue Medium.

Das Fernsehen brach nicht plötzlich in die Familien ein und verdrängte dort Eigenaktivitäten wie das Lesen oder die Hausmusik - auch wenn es manche kulturpessimistischen Kritiker so sahen. Tatsächlich ersetzte das neue Medium vor allem das Radio in der hauptsächlichen Sendezeit am Abend. Durch das Fernsehen gingen nicht die Auflagen der Illustrierten, Zeitungen, Zeitschriften und Bücher zurück, auch nicht die Besuchszahlen von Konzerten, Theateraufführungen oder Ausstellungen. Einbußen erlebten allerdings Gastwirtschaften, der Stadionbesuch beim Fußball, wenn das Spiel im Fernsehen übertragen wurde, und vor allem das Kino. Insofern verstärkte das Fernsehen die ohnehin dominierende Häuslichkeit in der Familie. Dies galt insbesondere auf dem Lande und unter Arbeitern, für die die Anschaffung des Geräts mit den größten finanziellen Anstrengungen verbunden gewesen war und denen auch sonst in ihrer Freizeit wenig attraktive Alternativen zur Verfügung standen.

Dem Radio blieb im übrigen durchaus noch ein wichtiger Platz, zumal das Fernsehen noch keine 24-Stunden-Veranstaltung war. Im letzten Drittel der fünfziger Jahre war zwar mit regionalen Programmen die vorabendliche Lücke zwischen einem in der Regel einstündigen Nachmittagsprogramm für Frauen und Kinder und der "Tagesschau" als Beginn des Abendprogramms geschlossen worden. Aber der Vormittag, Mittag und spätere Abend waren noch weitgehend fernsehfrei. Für das abendliche Programm des ARD-Fernsehens gab es jedoch zunächst keine Konkurrenz. Die Fernsehgesellschaft hatte begonnen.