Japan 255
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Historische Entwicklung


5.4.2002
Menschen müssen, wie Ausgrabungen belegen, auf den japanischen Inseln schon 20000 Jahre v. Chr. gelebt haben, wobei es erste lockere Wohngemeinschaften schon etwa 1000 Jahre v. Chr. gegeben hat. Als Beweis dienen zahlreiche Keramikgefäße aus Höhlensiedlungen, die nach ihrer teils kunstvollen Verzierung in einer Art "Taumuster"-Stil der Jomon-Kultur ihren Namen gaben. Die Menschen dieser Entwicklungsstufe waren Jäger, Sammler und Fischer.

Ein Samurai in der Nähe von Tokio. Beim Frühlingsfest in Japan hat er einen Krieger in voller Montur nachgestellt.Ein Samurai in der Nähe von Tokio. Beim Frühlingsfest in Japan hat er einen Krieger in voller Montur nachgestellt. (© picture-alliance/AP)

Einleitung



Menschen müssen, wie Ausgrabungen belegen, auf den japanischen Inseln schon 20000 Jahre v. Chr. gelebt haben. Erste lockere Wohngemeinschaften hat es schon mindestens 1000 Jahre v. Chr. gegeben. Es wurden in Höhlensiedlungen über das Land verteilt zahlreiche Keramikgefäße gefunden, die nach ihrer teils kunstvollen Verzierung in einer Art "Taumuster"-Stil der Jomon-Kultur ihren Namen gaben (japanisch jomon = "Taumuster"). Die Menschen dieser Entwicklungsstufe waren Jäger, Sammler und betrieben Fischfang.

Samurai-Skulptur. Erinnerung an die vormoderne Führungselite des Kaiserreichs.Samurai-Skulptur. Erinnerung an die vormoderne Führungselite des Kaiserreichs. (© Japan Photo-Archiv)
Die frühen Kulturen der japanischen Inseln erhielten zwischen 300 v. Chr. und 300 n. Chr. durch Einwandererströme vom asiatischen Festland weitere zivilisatorische Impulse, die eine schnelle Entwicklung von handwerklichen Fertigkeiten (Bronze- und Eisenverarbeitung) und in der Landwirtschaft (Naßfeld-Reisanbau) auslösten. Die Ausgrabungen zeigen auch, daß sich jetzt feste Siedlungen (Dorfgemeinschaften) herausbildeten.

Frühgeschichte



Die frühesten schriftlichen Zeugnisse über Japan finden sich in chinesischen Quellen aus der Zeit zwischen 200 vor bis 200 n. Chr. Die Chroniken erwähnen ein Inselreich mit etwa 100 Teilstaaten. Einige dieser Fürstentümer pflegten engen Austausch mit China, ihre Herrscher erkannten die Tributpflichtigkeit gegenüber den chinesischen Kaisern an. Über die regelmäßigen Tributgesandtschaften gelangten Grundelemente der chinesischen Zivilisation nach Japan, vor allem die chinesische Schrift. Um 350 n. Chr. gelang es dem Lokalherrscher der Region Yamato (Gebiet um Kyoto, Nara), die übrigen Fürstentümer unter seiner Vorherrschaft zu einen. Als religiöse Legitimation dieses neuen Herrschaftsanspruchs wurden die Familiengottheiten der anderen Fürstenfamilien den Hausgottheiten der Yamato-Fürsten in "familiärer" Hierarchie unterstellt. China und kleinere Königreiche auf der koreanischen Halbinsel erkannten die Vorherrschaft der Yamato-Fürsten über das gesamte damals bekannte Japan an - ein neuer Staat war geboren.

Der kulturelle Austausch mit China über die koreanische Halbinsel als "Kulturbrücke", aber auch mit der Kultur Koreas selbst, verstärkte sich besonders im 6. Jahrhundert: Von dieser Zeit an reisten immer wieder koreanische Gelehrte und Handwerker nach Japan. Sie brachten Hausbautechnik, medizinisches Wissen, Musik, Literatur und vor allem buddhistische Schriften mit. Korea wurde auf diese Weise zu einem Bindeglied zwischen dem kulturell hochentwickelten chinesischen Kaiserreich und dem vergleichsweise "primitiven", jungen japanischen Staat. Im 6. Jahrhundert gelangte so der Buddhismus nach Japan, der nach längeren Machtkämpfen zwischen den führenden Familien unter dem Regenten Shotoku Taishi "Staatsreligion" wurde (ca. 600 n. Chr.). Unter Shotoku wurde der Kaiser (Tenno), gestützt auf die "17 Artikel" (eine Art "Verfassungswerk" Shotokus), zum göttlichen Alleinherrscher über einen ansonsten locker zusammengefügten Sippenverband als Staat. Dieses "Reich" übernahm im 8. Jahrhundert das chinesische Verwaltungssystem, den zentralisierten Beamtenstaat. Der neue Zentralstaat dehnte seine Grenzen im Norden nach harten Kämpfen gegen die Ainu (eine Bevölkerungsgruppe sibirischer Abstammung) bis Ost-Honshu aus; im Westen wurden Restvölker südostasiatischer Abstammung auf Kyushu besiegt. Zuvor war Japan bis Mitte des 7. Jahrhunderts in die Machtkämpfe zwischen Reichen in Korea verwickelt, es besaß im Süden eine "Kolonie" (das Gebiet Mimana). Diese frühen Kontakte zu Korea waren für die weitere Entwicklung der japanischen Zivilisation und Kultur von entscheidender Bedeutung: Die koreanische Halbinsel wurde in den folgenden Jahrhunderten zu einer "Kulturbrücke" zwischen dem chinesischen Kaiserreich und Japan.

"Klassik"



Häufige Verlegungen der Hauptstädte kennzeichneten bis Ende der Nara-Zeit, als Nara 75 Jahre lang Hauptstadt Japans war, den "Städtebau". Nach dem Tod eines Tenno war sein bisheriger Wohnort mit unglückverheißenden Tabus belegt und ein neuer Residenzort mußte gefunden werden. Die Verlegung der Hauptstadt aus Nara nach Heiankyo (das heutige Kyoto) im Jahre 794 hatte jedoch andere Gründe: Die buddhistischen Tempel-Sekten hatten einen solchen politischen Einfluß gewonnen, daß der Kaiserhof nur durch eine Verlegung der Hauptstadt diese Einflüsse abschütteln konnte. Heiankyo/Kyoto blieb tausend Jahre lang kaiserliche Residenz ("Hauptstadt"), erst im 19. Jahrhundert wurde dann Tokyo neue Hauptstadt.

Am Hof von Heiankyo entwickelte sich eine höfische Kultur von äußerstem Raffinement: Der höfische Adel war durch die Erträge seiner Landgüter materiell abgesichert, die Verwaltungsaufgaben wurden weitgehend den Provinzgouverneuren und dem Landadel auf diesen Gütern überlassen, nur die zentralen Staatsaufgaben wurden von Hofbeamten (im Namen des Kaisers) wahrgenommen.

In der höfischen Muße entwickelten sich die schönen Künste zu höchster Blüte: Malerei, Plastik, die Schriftkunst und vor allem die Literatur erreichten eine Hochblüte, die diese Epoche mit Recht als "japanische Klassik" bezeichnen läßt. Damen und Herren bei Hofe lebten in getrennten Wohnquartieren des Schlosses, galante Abenteuer - nicht selten ausgelöst durch eine auffällig raffinierte Garderobe oder auch durch ein geistreiches Tagebuch, das von Hand zu Hand ging - waren an der Tagesordnung. Hofdamen, die nicht gerade Dienst bei der Kaiserin (oder den zahlreichen hochrangigen Konkubinen) hatten, beteiligten sich hingebungsvoll an diesen galanten Spielen - und genossen in dieser Epoche völlige Freiheit. In der Literatur setzten sie sogar die Maßstäbe: Im 10. und 11. Jahrhundert gaben Frauen in der japanischen Literatur den Ton an, einige der größten Literaturwerke wurden von Hofdamen verfaßt (zum Beispiel die "Geschichte vom Prinzen Genji", Gedichtsammlungen, Tagebücher).

Den beherrschenden politischen Einfluß am Kaiserhof übte die Familie Fujiwara aus, die vielfältige verwandtschaftliche Bindungen zum Kaiserhaus unterhielt. Die Fujiwara stellten hohe Staatsbeamte und lenkten nicht selten aus dem Hintergrund die Entscheidungen des Tenno als Regenten. Anfangs geschah dies nur für einige minderjährige Tenno, später aber auch für volljährige Kaiser. Angehörige der Fujiwara übten militärische Ämter aus, und eine ganze Reihe von Tenno waren mit Töchtern des Hauses Fujiwara verheiratet. Die Fujiwara brachten aber auch berühmte Dichter und Gelehrte hervor, so daß die höchste Blüte der höfischen Kultur in der Heian-Zeit auch "Fujiwara-Epoche" genannt wird. Ihre Macht endete im 11. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Schwertadels.