Japan 255
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Geschichte und Einfluß des Kaiserhauses


5.4.2002
Japan ist die älteste Monarchie der Welt, an deren Spitze der Tenno steht, im Westen üblicherweise als "Kaiser" übersetzt. Der "himmlische Herrscher" war jahrhundertelang - zumindest formal - zugleich weltliches und religiöses Oberhaupt des japanischen Staates. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde um die Institution des Tenno gezielt eine Aura des Mythischen aufgebaut, die den Kaiser schließlich als gottähnliches Wesen erscheinen ließ.

Kaiser Akihito und andere Mitglieder der japanischen Kaiserfamilie grüßen das Volk.Kaiser Akihito und andere Mitglieder der japanischen Kaiserfamilie grüßen das Volk. (© picture-alliance/AP)

Einleitung



Japan ist die älteste Monarchie der Welt. An der Spitze des Staates steht der Tenno, im Westen üblicherweise kurz als "Kaiser" übersetzt. Der Tenno (himmlischer Herrscher, auch Mikado) war jahrhundertelang - zumindest formal - zugleich weltliches und religiöses Oberhaupt des japanischen Staates. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde um die Institution des Tenno gezielt eine Aura des Mythischen aufgebaut, die den Kaiser schließlich als gottähnliches Wesen erscheinen ließ. In der ersten japanischen Verfassung von 1889 wurde der Tenno als "heilig und unverletzlich" bezeichnet, seine Herrschaft gründete angeblich auf einer "ununterbrochenen Folge von Kaisern, die seit ewigen Zeiten regieren".

Die Führer der Meiji-Restauration (siehe auch "Historische Entwicklung"), denen es gelang, gegen die Militärregenten der Familie Tokugawa dem Kaiser die politische Macht zurückzugewinnen, wollten einen zentralistischen Staat mit einer "Familien-Ideologie". Der Kaiser als göttlich verklärte "Vaterfigur" dieses Staates diente zur Rechtfertigung des absoluten Herrschaftsanspruches eines autoritären Staates. Wie schon in früheren Jahrhunderten übte der Tenno nur formal die Herrschaft aus, de facto legitimierte er lediglich die Machtausübung mächtiger Politiker und Militärs. Erst 1945 verzichtete der damalige Tenno Hirohito (postum Showa-Tenno) unter der amerikanischen Besatzung förmlich auf diesen Herrschaftsanspruch und auf die gottähnliche Stellung des Kaisertums. Heute wird die Rolle des Tenno in der Verfassung so beschrieben: "Der Tenno ist Symbol Japans und der Einheit des japanischen Volkes."

Im Rahmen der Verfassung von 1947 übt der Tenno rein repräsentative Pflichten aus. Seine Reisen, öffentlichen Auftritte und Ansprachen werden von der Regierung festgelegt, das tägliche Leben des Kaisers und seiner Familie wird von dem konservativen Haushofamt bestimmt. Das Haushofamt hat noch heute Einfluß auf das Leben aller Mitglieder der kaiserlichen Familie, die sich am Hofe und bei öffentlichen Auftritten komplizierten Ritualen unterwerfen müssen - das Haushofamt wacht über diese Rituale. Die Beamten des kaiserlichen Hofes trauern ihrer mächtigen politischen Rolle bis 1945 nach, als sie allein bestimmten, wer Zutritt zum Hofe und zum Kaiser hatte. Sie widersetzen sich vehement allen Versuchen jüngerer Mitglieder des Kaiserhauses, das Leben bei Hofe liberaler zu gestalten und in der Öffentlichkeit die kaiserliche Familie in ähnlicher Weise darzustellen, wie es europäische Königshäuser tun. Der Kaiser
  • eröffnet die Sitzungsperioden des Parlaments (im Oberhaus),
  • nimmt die Beglaubigungsschreiben ausländischer Diplomaten entgegen,
  • zeichnet Gesetze gegen (er kann jedoch kein Gesetz blockieren),
  • vertritt Japan auf Staatsbesuchen und
  • ehrt verdiente Bürgerinnen und Bürger Japans oder ausländische Persönlichkeiten zum Beispiel durch Ordensverleihungen.