Paul Langrock / Zenit / laif – Ein Tunnel im Berliner Untergrund verbindet Friedrichshain und Marzahn per Stromautobahn. Ein Netzingenieur auf Inspektionstour
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Was ist Energie


24.9.2013
Energie und insbesondere die Stromversorgung spielen eine bedeutende Rolle in unserem Alltag. Zentrale Begrifflichkeiten, physikalische Grundlagen und die gebräuchlichen Maßeinheiten sind wichtig für das Verständnis von Energiefragen, vor allem wenn es um die Vergleichbarkeit verschiedener Energieträger geht.

Energie ist lebenswichtig

Ohne Energie gehen die Lichter aus, so wie im November 2012 in New York, als ein Stromausfall weite Teile der Stadt in Dunkelheit hüllte.

Bitte nicht ausserhalb dieser IZPB verwenden!Ohne Energie gehen die Lichter aus, so wie im November 2012 in New York, als ein Stromausfall weite Teile der Stadt in Dunkelheit hüllte. (© Getty Images / Iwan Baan)
Unser Leben ist ohne Energie nicht möglich. Die Menschen führen sich mit Nahrungsmitteln die Energie zu, die sie brauchen, um Tätigkeiten ausführen zu können. Auch zum Heizen oder Kühlen wird Energie benötigt, ebenso wie um Wege zurückzulegen, Räume zu erleuchten, zu telefonieren oder um sich im Datenverkehr zu bewegen. Derartige Aktivitäten und den damit verbundenen Energiebedarf gibt es in allen Wirtschaftssektoren, sei es Landwirtschaft, Industrie, Handel, Dienstleistungen, Verkehr, private Haushalte und öffentliche Einrichtungen.
Die industrielle Entwicklung, die in England während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann, sich im 19. Jahrhundert auf andere Länder Europas und Nordamerikas ausdehnte und seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend auch Asien und Lateinamerika erfasste, wäre ohne Energie und ohne die Erschließung neuer Energiequellen undenkbar gewesen. In vorindustriellen Zeiten waren die Menschen im Wesentlichen auf Energiequellen angewiesen, die ihnen ihre natürliche Umgebung in ihrer ursprünglichen Form darbot: Wasser, Sonne, Wind, Holz und Kohle. Dadurch wurde auch das Spektrum ihrer wirtschaftlichen Tätigkeiten eingeschränkt. Eine moderne Wirtschaft und technischer Fortschritt konnten sich erst entwickeln, als "neue" Energieträger verfügbar waren. Dazu zählen nicht nur das Öl und die verschiedenen Ölprodukte, wie Benzin, Diesel oder Heizöl, sondern auch Erdgas und insbesondere die elektrische Energie.
Phänomene der Elektrizität waren schon in der Antike bekannt, und eine gezielte und praktische Anwendung gab es seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert. Doch erst Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem die Gesetzmäßigkeiten der Elektrizität erforscht waren, setzte deren breite Nutzung ein. Beispiele sind die 1844 von Samuel F. B. Morse in Betrieb gesetzte Telegrafenleitung in den USA, die im gleichen Jahr von Louis Joseph Deleuil erstmalig installierte elektrische Beleuchtung eines öffentlichen Platzes, der Place de la Concorde in Paris, und der 1866 von Werner von Siemens entwickelte elektrische Generator. 1882 erfolgte auf der Strecke Miesbach-München die erste Fernübertragung von Gleichstrom über eine Distanz von 57 Kilometern. Vier Jahre später kam die heute gebräuchliche elektrische Energieübertragung mittels Wechselstrom hinzu. 1891 glückte schließlich die erste Fernübertragung mit dem heute in der Energietechnik üblichen Dreiphasenwechselstrom auf der Strecke von Lauffen nach Frankfurt über 176 Kilometer.

Quellentext

Blackout

[...] Stellen wir uns einen frühen Abend im Februar vor, sieben Uhr abends, Stromausfall. Berlin: ein großes schwarzes Nichts. München, Hamburg, Köln, überall fehlt der Strom. U-Bahnen bleiben stehen, Aufzüge stecken fest, ohne funktionierende Ampeln versinkt der Feierabendverkehr im Chaos. Der nächste Morgen: Hoffnungsvoll drücken die ersten Frühaufsteher die Lichtschalter – vergeblich. Langsam leeren sich die Akkus der Handys, die vielen als letzte Lichtquelle dienen. Mobilfunknetze und Internet sind ausgefallen.

Was tun? Zur Arbeit fahren? Für viele sinnlos, die Computer gehen nicht, dafür bilden sich lange Schlangen vor den Supermärkten – aber wie soll man die betreten, wenn sich die automatischen Türen nicht öffnen, wie bezahlen, wenn die Kassen außer Betrieb sind, die Geldautomaten noch dazu? Allmählich ändert sich die Stimmung, was als Abenteuer begann, mit Vorlesen bei Kerzenlicht statt Fernsehen, wird, in der zweiten Nacht ohne Heizung, Herd, fließendes Wasser, unheimlich. Das gesamte europäische Stromnetz ist zusammengebrochen, so viel erfährt man über die wenigen batteriebetriebenen Radios und aus den Durchsagen der Polizei. Ursache? Weiter unbekannt. Tag drei: In Krankenhäusern fallen Notstromaggregate aus, das Benzin geht zu Ende, die Vorräte der Deutschen allmählich auch, Tiefkühlfächer sind aufgetaut.

Weil die Abwasserversorgung brachliegt, droht Seuchengefahr. Bewaffnete Bundeswehreinheiten patrouillieren gegen Plünderer, überforderte Behördensprecher schieben einander die Schuld zu, Dialysepatienten sterben ... Sollen wir aufhören? Das Schreckensszenario beenden? Uns kurz freuen, über den Strom, der uns eben doch nicht so selbstverständlich Licht und Wärme schenkt und den normalen Alltag ermöglicht? Gerne. Sehr gerne. [...]

Marc Baumann, "Hast Du mal ´ne Taschenlampe?", in: positionen zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, hg. v. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Nr. 89, Mai 2013, S. 4 ff.