izpb USA

Editorial

20.3.2014
Christine HesseChristine Hesse (© bpb)
In den vergangenen 13 Jahren hat das deutsch-amerikanische Verhältnis Höhen und Tiefen durchschritten:
2001 weckten die Terroranschläge auf New York und Washington, denen über 3 000 Menschen zum Opfer fielen, in Deutschland großes Mitgefühl und "uneingeschränkte Solidarität", die auch in der Beteiligung am Militäreinsatz in Afghanistan ihren Ausdruck fand. Deutlich distanzierter reagierten die Bundesregierung und weite Teile der deutschen Öffentlichkeit 2003, als US-Präsident George W. Bush um Gefolgschaft für seine "Koalition der Willigen" im Krieg gegen den Irak warb. Mit dem Amtsantritt Präsident Barack Obamas wiederum waren nicht nur in Deutschland große Hoffnungen verbunden. Diese sind – spätestens im Zuge der NSA-Affäre um die weltweiten US-amerikanischen Spionageaktivitäten – einer eher nüchternen Einschätzung gewichen.

Egal, in welche Richtung das Pendel ausschlägt, unvermindert hoch bleibt die Intensität des Interesses, das in Deutschland den Vereinigten Staaten von Amerika entgegengebracht wird. Dieses Interesse gilt nicht nur der Weltmacht und führenden Wirtschaftsmacht. Vielmehr ist es Ausdruck einer durch Jahrzehnte gefestigten Verbundenheit, der transatlantischen Wertegemeinschaft sowie gemeinsamer kultureller und mentaler Prägungen.
Bei aller Gemeinsamkeit gibt es indes Besonderheiten, die in der Historie der USA wurzeln, aus ihrer geografischen Lage erwachsen, ihrer Rolle als Weltmacht sowie ihrer aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation geschuldet sind.

Das Wissen um diese Spezifika verhilft zu einem vertieften Verständnis und zu differenzierten Einschätzungen, die den sich verändernden Realitäten gerecht werden, sowie zu einer Einschätzung der Handlungsspielräume, die den USA künftig zur Verfügung stehen könnten.
Die völlig neu überarbeitete Heftausgabe legt zunächst den Fokus auf vier Jahrhunderte chronologisch und anschaulich erzählter Geschichte. Der Spannungsbogen reicht von der Besiedlung und Gründung der USA bis zur Präsidentschaft Barack Obamas. Deutlich werden die Prinzipien und ideellen Grundlagen, die den Aufstieg des jungen Staatswesens begleiteten, aber auch die Konflikte und Zerreißproben, vor die es sich gestellt sah.

Einen weiteren Schwerpunkt setzt das Kapitel zur Wirtschaft. Zahlengestützt analysiert es die aktuelle Situation nach der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008, erklärt deren Ursachen und Folgen und thematisiert die wachsende Ungleichheit innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft. Mit dem Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft wird eine der prägnantesten inneramerikanischen Streitfragen beleuchtet und schließlich aus der Summe der vorgelegten Erkenntnisse eine vorsichtige Prognose für die künftige ökonomische Entwicklung abgeleitet.

Das Gesellschaftskapitel greift die zentrale Frage der Bevölkerungsentwicklung auf und konzentriert sich anschließend auf zwei Bereiche, die für den Zusammenhalt der US-amerikanischen Bevölkerung konstitutiv sind: das Zusammenleben und die Entwicklung der ethnischen Gruppierungen sowie die Religiosität, die für viele Menschen in den USA einen hohen Stellenwert hat.
Zum Ausklang werden Werthaltungen und Stereotype miteinander verglichen, die Deutsche und Amerikaner sowie ihre wechselseitige Wahrnehmung prägen.

Christine Hesse