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Kalter Krieg von 1945 bis 1989


20.3.2014
Im Kalten Krieg sollte der Sowjet-Kommunismus aktiv eingedämmt werden, während Bürgerrechts- und Friedensbewegungen auf innergesellschaftliche Konflikte hinwiesen. Die Wirtschaftskraft der USA entschied den Rüstungswettlauf und beförderte den Zusammenbruch der Sowjetunion.

US-Präsident Harry S. Truman mit dem Sowjetdiktator Josef Stalin auf der Konferenz von Potsdam im August 1945. Sie ist das letzte Gipfeltreffen der alliierten Siegermächte, die sich bald darauf im Kalten Krieg jahrzehnte lang feindlich gegenüberstehen.US-Präsident Harry S. Truman mit dem Sowjetdiktator Josef Stalin auf der Konferenz von Potsdam im August 1945. Sie ist das letzte Gipfeltreffen der alliierten Siegermächte, die sich bald darauf im Kalten Krieg jahrzehnte lang feindlich gegenüberstehen. (© picture-alliance / akg-images)
Wie bereits im Ersten Weltkrieg waren die Vereinigten Staaten die eigentlichen Sieger dieses zweiten globalen Konfliktes. Zwar hatten etwa 400 000 Amerikaner ihr Leben lassen müssen, gemessen an den Verlusten der anderen beteiligten Nationen stellte dies jedoch eine eher geringe Zahl dar. Wirtschaftlich und militärisch war das Land zur Supermacht avanciert. Es produzierte jetzt mehr als 60 Prozent der weltweiten Industriegüter und besaß zwei Drittel der globalen Goldreserven. Der Weltmarkt stand ihm fast konkurrenzlos offen, seit die Konferenz von Bretton Woods im Juli 1944 den US-Dollar als internationale Leit- und Reservewährung festgelegt hatte. Noch hatten die USA das Atomwaffenmonopol inne und verfügten über eine der restlichen Welt überlegene Waffentechnologie.

Außer der Sowjetunion, die gleichfalls zur Weltmacht aufgestiegen war, existierte kein ernsthafter Konkurrent mehr. Allerdings hatten sich schon während des Krieges sowjetisch-amerikanische Differenzen gezeigt. Sie betrafen zum Beispiel die Zukunft Deutschlands, die Höhe der Reparationszahlungen und das weitere Schicksal Osteuropas und traten nun immer offener zutage. Präsident Roosevelt hatte noch gehofft, dass sich diese Spannungen nach dem Friedensschluss durch eine Weltorganisation ausgleichen lassen würden. Die Vereinten Nationen, im Juni 1945 in San Francisco ins Leben gerufen (mit späterem Sitz in New York), fanden denn auch – anders als der Völkerbundgedanke nach dem Ersten Weltkrieg – die Zustimmung der US-Bevölkerung. Ein effektives Organ zur Wahrung des Weltfriedens konnte diese Organisation angesichts des sich anbahnenden Konfliktes zwischen den ideologischen Machtblöcken im Kalten Krieg jedoch nicht werden.

Die Ursachen des Ost-West-Konfliktes, der sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachhaltig auf die Innen- und Außenpolitik, die wirtschaftliche und auch kulturelle Entwicklung aller Nationen auswirkte, sind komplex und zwischen zwei Polen angesiedelt: dem sowjet-kommunistischen auf der einen und dem amerikanisch-kapitalistischen auf der anderen Seite. Die Vereinigten Staaten reagierten auf das sowjetische Verlangen nach einer Sicherheitszone, die über Osteuropa hinausreichen sollte, mit einer "Eindämmungsstrategie" (containment), durch die ein weiteres Vordringen des Sowjet-Kommunismus weltweit verhindert werden sollte. Die Umsetzung dieser Strategie erforderte enorme Kosten, die im Inneren nur mittels eines kommunistischen Bedrohungsszenarios begründet werden konnten.

Innenpolitisch war Truman ein überzeugter Befürworter eines amerikanischen Sozialsystems. Die Tradition des New Deal wollte er 1948 mit dem Reformprogramm des Fair Deal fortsetzen, wozu die Einführung eines Mindestlohns, einer obligatorischen Krankenversicherung sowie eine deutliche Verbesserung des Bildungswesens gehören sollten. Das Programm scheiterte jedoch an einem gesellschaftlichen Klima, das durch den schon seit 1946 andauernden Wirtschaftsboom sowie die permanente Rhetorik des Anti-Kommunismus reformkritisch orientiert war.
Zwischen 1950 und 1960 nahm das Bruttosozialprodukt zwar um 77 Prozent zu, doch nicht alle Bevölkerungsschichten profitierten entsprechend davon. Insbesondere Afroamerikaner waren nach wie vor benachteiligt. Generell hatte die Beteiligung schwarzer Soldaten am Zweiten Weltkrieg dazu beigetragen, ihre Diskriminierung abzubauen und ihr Selbstwertgefühl zu stärken; angesichts fortdauernder rassistischer Anfeindungen und Gewaltausschreitungen insbesondere in den Südstaaten forderten die afroamerikanischen Kriegsheimkehrer, nun auch unterstützt von weißen Mitstreitern, die Umsetzung der Ideale einer Demokratie ohne Rassentrennung und Diskriminierung im eigenen Land. Schließlich war dieser Krieg gegen Rassismus und für Demokratie geführt worden. Truman unterstützte diese Vorstellungen durch eine Kommission zum Schutz der afroamerikanischen Bürgerrechte und durch Berufung von Afroamerikanern in wichtige Ämter seiner Administration.

Anti-Kommunismus und Wohlstand



Nach Kriegsende erwirtschafteten die USA 50 Prozent des Welt-Bruttosozialproduktes. Millionen von Kriegsveteranen erhielten per Gesetz die Möglichkeit eines Collegestudiums. Steuersenkungen, hohe Unternehmensprofite und Investitionen schufen eine Wohlstandsgesellschaft (affluent society), deren Zustandekommen auf das dem Sowjet-Kommunismus offensichtlich überlegene Modell eines Kapitalismus zurückgeführt wurde, in dem freie Menschen selbst über ihr Schicksal entscheiden konnten.

Zusätzlich zur Vorstellung der externen Bedrohung durch die Sowjetunion und seit 1949 auch durch das kommunistisch gewordene China wurde das antikommunistische Klima in den USA durch den Korea-Krieg (1950-53) angeheizt. Auf diesem Nährboden gedieh die Angst vor innerer ideologischer Zersetzung. Der republikanische Senator Joseph McCarthy stellte in einer Art "Hexenjagd" (so der deutsche Titel eines Theaterstücks des zeitgenössischen Schriftstellers Arthur Miller) zahlreiche US-Bürger aus Politik, Verwaltung und Kultur unter Kommunismusverdacht. Dann zerrte er sie vor das Tribunal des von 1950 bis 1954 von ihm geleiteten Senatsausschusses für "unamerikanische Umtriebe", dessen Verhöre sogar im Fernsehen übertragen wurden. Die Folge war eine Vergiftung des innenpolitischen Klimas, die selbst dem neuen republikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower (1953-1961), zuvor Oberbefehlshaber der Alliierten in Europa sowie erster Oberkommandierender der NATO und bekannt für seine anti-kommunistische Haltung, zu weit ging. Als ein Untersuchungskomitee Unregelmäßigkeiten im Stab McCarthys zutage förderte, war dessen Karriere beendet (siehe Quellenkasten).

Quellentext

Kommunistenfurcht

[…] "Der einzelne Amerikaner kann nur sehr wenig tun, um kommunistische Spione in unserer Regierung zu entlarven. Sie müssen ganz auf die unter uns setzen, die als Wachtürme für die Nation dienen. Was die Amerikaner jedoch tun können, ist Tag und Nacht wachsam zu sein und sicherzustellen, dass keine Kommunisten Lehrer für die Söhne und Töchter Amerikas sind." So formulierte Senator Joseph McCarthy sein antikommunistisches Credo.

Eine antikommunistische Hysterie hatte das Land allerdings schon vor McCarthy ergriffen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war über die Frage der Machtverteilung in der Welt zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR der ideologisch begründete Ost-West-Konflikt ausgebrochen. Im Zuge der staatlich forcierten Schaffung der neuen Feindbilder "Sowjetunion" und "Kommunismus" wurde vor allem vom rechten Flügel der Republikanischen Partei in den USA der Ruf nach Überprüfung der Gesinnung von Staatsbediensteten und Militärs laut. Man befürchtete die Unterwanderung der amerikanischen Gesellschaft. Kommunismus wurde zum Inbegriff aller tatsächlichen oder eingebildeten Bedrohungen des American Way of Life – sei es durch äußere Aggression oder innere Subversion.

Schon 1938 hatte das Repräsentantenhaus einen Ausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe ins Leben gerufen [...]. Im März 1947 stellte der Kongress 400 Millionen Dollar im Rahmen der Truman-Doktrin zur Verfügung, um in Griechenland und in der Türkei gegen die Ausbreitung des Kommunismus vorzugehen. Im selben Monat erließ der Präsident die so genannte "Loyalty Order", wonach über drei Millionen Bundesangestellte überprüft und rund 3 000 entlassen wurden, weil sie einer von 78 als kommunistisch eingestuften Organisationen angehört hatten – das Abonnement von Publikationen eingeschlossen. [...]

1952 verpflichtete der McCarren-Walter Act alle kommunistischen Organisationen zur Registrierung beim Justizminister sowie zur Offenlegung ihrer Finanzen und Mitgliederlisten. Nach diesem Gesetz über die innere Sicherheit konnte US-Bürgern der Reisepass und Ausländern die Einreise verweigert werden. Im Fall eines vom Präsidenten verkündeten Notstands durfte der Justizminister Verdächtige präventiv festnehmen. Der Taft-Hartley-Act verlangte von Gewerkschaftsfunktionären eine antikommunistische Einstellung.
"Sind Sie oder waren Sie jemals Mitglied der Kommunistischen Partei?" Das war die zentrale Frage vor dem Ausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe. 1947 fanden die ersten öffentlichen Verhöre statt, deren Ziel es war, sämtliche links oder auch nur liberal angehauchten Filmschaffenden aus Hollywood zu vertreiben. Wer sich auf sein Aussageverweigerungsrecht oder das konstitutionell verbriefte Recht auf Meinungsfreiheit berief, wurde sofort für schuldig befunden und nicht selten ins Gefängnis gesteckt. Der bloße Verdacht oder eine Denunziation, die nicht weiter überprüft wurde, genügten. [...]

Nach dem Republikanischen Wahlsieg 1952 konnte McCarthy seine Rolle als Großinquisitor mit noch größerer Autorität fortsetzen: als Vorsitzender eines eigens eingerichteten Unterausschusses des Senats. Der neue Präsident Eisenhower ließ ihn gewähren. Selbst liberale Politiker wie John F. Kennedy unternahmen nichts gegen die Hexenjagd. Sein Bruder Robert Kennedy gehörte gar zum Stab des McCarthy-Ausschusses.

Als McCarthy sein Amt antrat, waren bereits mehrere Säuberungswellen übers Land gezogen. [...]
Schwarze Listen und Verhöre setzten neben Schriftstellern und Filmemachern auch Musiker unter einen steigenden Druck. [...] [D]er heute 84 Jahre alte Broadway-Produzent Harold Leventhal erinnert sich, was das für sie bedeutete. "[...] Für die Menschen, die davon betroffen waren, die Opfer der McCarthy-Ära wurden, bedeutete es in vielen Fällen den Verlust des Arbeitsplatzes und damit der Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es hat die Menschen zerstört; sie daran gehindert, von ihrer Kunst zu leben. Natürlich waren nicht alle davon betroffen. Es hat vor allem in intellektuellen Kreisen Spuren hinterlassen. Es war eine Bedrohung für die Freiheit der Menschen."

Harold Leventhal selber wurde zum Objekt der politischen Verfolgung unter McCarthy. "Das FBI wollte mit mir reden. […] Sie haben mich im Büro angerufen. Sie haben mich zu Hause angerufen. Sie haben vor der Haustür auf mich gewartet. Es waren zwei Typen, die mir selbst zur U-Bahn gefolgt sind. Ich habe dennoch kein Wort gesagt. Der Rat meines Anwalts lautete: ignorier' sie. Nach etwa einem Jahr sind sie dann auch verschwunden. Aber – als ich vor einigen Jahren meine FBI-Akte einsehen konnte, stellte ich fest, sie wussten jedes kleinste Detail aus meinem Leben." […]

Michael Kleff, "Geschichte aktuell: Das Ende der Hexenjagd", Beitrag des Deutschlandfunks vom 18. Februar 2004,
www.deutschlandfunk.de/geschichte-aktuell-das-ende-der-hexenjagd.724.de.html?dram:article_id=97809



Wie eng die Ereignisse des Kalten Krieges mit der amerikanischen Innenpolitik verbunden waren, demonstrierte der "Sputnik-Schock". Nachdem die Sowjets am 4. September 1957 erfolgreich den ersten Satelliten in eine Erdumlaufbahn geschossen hatten, riefen die USA im Gegenzug ein milliardenschweres Raumfahrtprogramm sowie eine nationale Bildungsinitiative ins Leben.
Ansonsten gelang Eisenhower in der Innenpolitik über Parteigrenzen hinweg ein Kurs der politischen Mitte. Obwohl seine Ära häufig mit dem Phänomen der "Überflussgesellschaft" in Verbindung gebracht wird, blieben die Einkommen weiterhin ungleich verteilt; auch das Ausmaß der Armut nahm nicht wesentlich ab.

Abbau der Rassenschranken

Von ökonomischer Benachteiligung waren insbesondere Afroamerikaner betroffen, dies vor allem während der kurzen Rezessionen von 1953/54, 1957/58 und 1960/61. Eng damit verbunden war ihre weiterhin existierende Diskriminierung im Kontext eines anhaltenden Rassismus, besonders in den Südstaaten. Eisenhower setzte sich für den Abbau der Rassenschranken ein, indem er zum Beispiel 1954 den liberalen Juristen Earl Warren zum Mitglied des Obersten Bundesgerichts ernannte. Im Mai 1954 erklärten er und seine Richterkollegen in einer richtungweisenden Entscheidung die Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig (Verstoß gegen den 14. Verfassungszusatz von 1868). Mit diesem Urteil wurde die bislang geltende Doktrin des "Getrennt, aber gleichwertig" aufgehoben.

Parallel dazu entwickelte sich eine Bürgerrechtsbewegung unter Führung des schwarzen Pfarrers Martin Luther King (1929-1968). Mit dem Prinzip des gewaltlosen Widerstands konnte er eine wachsende Anhängerschaft gewinnen, unter der sich zunehmend auch Weiße befanden. Der Kongress nahm Kritikpunkte der Bewegung auf, indem er mit den Civil Rights Acts von 1957 (dem ersten Bürgerrechtsgesetz seit 1875) und 1960 die Wahlrechtsbestimmungen für Schwarze verbesserte.
Um die Autorität des Supreme Court zu wahren, befahl Eisenhower am 24. September 1957 in Little Rock, Arkansas, den Einsatz von Bundestruppen, die schwarzen Schülern den Zugang zu einer bislang den Weißen vorbehaltenen öffentlichen Schule ermöglichen sollten. Seine Unterstützung schuf ein Klima, das Protestaktionen wie dem mehrmonatigen Busboykott 1956 in Montgomery, Alabama, zum Erfolg verhalf. Unter Führung von Martin Luther King konnte so die Aufhebung der Rassentrennung in diesem Verkehrsmittel erreicht werden. Hier wurden die Weichen für die spätere Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre gestellt.