IzpB Internationale Sicherheitspolitik
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Gefahren durch ABC-Waffen


15.7.2015
Die Gefahr, dass immer mehr Staaten sich Zugang zu atomaren, biologischen und chemischen Waffen verschaffen, wächst. Mit verschiedenen Rüstungskontrollabkommen wird versucht, dem Einhalt zu gebieten. Jedoch bleiben die Verträge aus verschiedenen Gründen lückenhaft. Daher nimmt die Bedeutung von Schutzmaßnahmen gegen den Einsatz von ABC-Waffen zu.

Doch ABC-Waffen stellen weiterhin ein weltweites Gefährdungspotenzial dar. Kontrollabkommen sollen sicherstellen, dass beispielsweise der Iran sich, wie hier im Atomkraftwerk Buschehr, auf die friedliche Nutzung der Atomenergie beschränkt.ABC-Waffen stellen weiterhin ein weltweites Gefährdungspotenzial dar. Kontrollabkommen sollen sicherstellen, dass beispielsweise der Iran sich, wie hier im Atomkraftwerk Buschehr, auf die friedliche Nutzung der Atomenergie beschränkt. (© picture alliance / AP Photo / Majid Asgaripour)

Während des Kalten Krieges standen sich die Sowjetunion und die USA mit überdimensionierten Atomwaffenarsenalen gegenüber. Wäre der Kalte Krieg heiß geworden, hätte dies Millionen von Menschen das Leben gekostet. Die europäische Zivilisation wäre ebenso weitgehend an ihr Ende gekommen wie vermutlich auch die Gesellschaften der USA und der Sowjetunion. Vieles spricht dafür, dass es genau diese Aussicht auf umfassende Zerstörung im Falle eines Krieges war, die die beteiligten Akteure zur Mäßigung brachte.

Moskau und Washington lernten, mit den nuklearen Gefahren umzugehen. Sie erkannten ihr gemeinsames Interesse, einen Atomkrieg zu vermeiden. In langjährigen Abrüstungs- und Rüstungskontrollverhandlungen gelangten sie zu schrittweisen Reduzierungen ihrer nuklearen Arsenale. Zuletzt unterzeichneten US-Präsident Barack Obama und sein damaliger russischer Amtskollege Dmitri Medwedew im April 2010 in Prag das New-START-Abkommen über die Reduzierung der strategischen Kernwaffen beider Seiten.

Verbreitung und Bedrohungspotenzial



Doch noch immer existieren weltweit fast 17.000 Atomwaffen. Mit ihnen ließe sich die Erde mehrfach komplett zerstören. Im Zuge der Ukraine-Krise haben sich die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen massiv verschlechtert. Russlands Präsident Wladimir Putin hat wiederholt auf die Tatsache verwiesen, dass sein Land über ein großes Nukleararsenal verfügt. Ein erneuter nuklearer Rüstungswettlauf zwischen Ost und West zeichnet sich derzeit noch nicht ab, ist für die Zukunft allerdings nicht auszuschließen.
Weltweite Arsenale einsetzbarer und vorrätiger NuklearwaffenWeltweite Arsenale einsetzbarer und vorrätiger Nuklearwaffen (© Götz Neuneck, "Nukleare Nichtverbreitung, Rüstungskontrolle und Abrüstung", in: APuZ 35–37/2014, S. 20.)

Im Vordergrund der Besorgnisse steht indes derzeit die Verbreitung von Atomwaffen. Neben den USA und Russland verfügen Frankreich, Großbritannien und China bereits seit den 1960er-Jahren über Kernwaffen. 1998 stießen Indien und Pakistan infolge ihrer Nuklearwaffentests zum Atomklub hinzu. Nordkorea hat inzwischen ebenfalls insgesamt drei nukleare Tests durchgeführt, doch ist nicht ganz klar, ob es über einsatzbereite Waffen verfügt. Von Israel wird allgemein angenommen, dass es ebenfalls Kernwaffen besitzt, aber dies ist von keiner israelischen Regierung je offiziell bestätigt worden. Hinzu kommt das iranische Atomprogramm, von dem viele Beobachter annehmen, es ziele auf eine Kernwaffenoption ab. Sollte Teheran eines Tages über die Bombe verfügen, so könnte dies einen nuklearen Rüstungswettlauf in der ohnehin von vielen politischen Konflikten belasteten Region des Mittleren Ostens auslösen. Weitere Länder, auch in anderen Regionen, könnten sich – nicht zuletzt aus Prestigegründen – Atomwaffen zulegen.

Staaten, die bereits im Besitz von Atomwaffen sind oder verdächtigt werden, solche anzustreben, verfügen oft auch über Trägermittel mit großer Reichweite, also in der Regel Raketen, mit denen sie Kernwaffen prompt und über größere Distanzen einsetzen können. Indien etwa entwickelt eine ganze Serie von Agni-Raketen, deren neueste Version eine Reichweite von mehr als 5000 Kilometern erreichen soll. Delhi arbeitet darüber hinaus sogar an einer Rakete, die von U-Booten aus abgeschossen werden kann. Nordkorea profitiert vom Zugang zu sowjetischer Raketentechnologie. Seine Nodong-Raketen fliegen über 1000 Kilometer weit und sind nach Pakistan und Iran exportiert worden. Darüber hinaus hat Pjöngjang im Dezember 2012 eine dreistufige Unha-3-Rakete erfolgreich abgeschossen. Ziel war es, einen kleinen Satelliten in eine Erdumlaufbahn zu bringen. Die drei Stufen arbeiteten wie vorgesehen, allerdings gelang es dem Satelliten nicht, eine stabile Umlaufbahn zu erreichen. Pakistan und Iran haben nicht nur von Nordkorea Nodong-Raketen erhalten, sondern verfügen über Raketen mit Reichweiten von mehr als 2000 Kilometern, die mit modernen Feststoffantrieben ausgestattet sind.

Die Frage, die sich aus diesen Entwicklungen ergibt, ist, ob es auch in einer Welt mit mehreren Atommächten gelingt, wie zuvor im Kalten Krieg eine Eskalation bis hin zum Einsatz von Kernwaffen auf Dauer zu vermeiden. Hier scheinen Zweifel angebracht. Die Kontrahenten Indien und Pakistan haben sich zwar letztlich immer wieder Zurückhaltung auferlegt, gerieten aber mehrfach an den Rand einer atomaren Krise. Nordkoreas Regime wird von vielen als nicht rational eingeschätzt und könnte – sollte es sich in die Enge gedrängt fühlen – unbedacht handeln. Sollte Iran Atomwaffen bauen, wäre fraglich, ob auf Dauer eine stabile Abschreckung zwischen diesem nuklearen Neuling und dem vermuteten Atomwaffenbesitzer Israel gelänge. Das geografisch kleine Israel stünde in Krisensituationen jedenfalls unter großem Druck, einen iranischen Atomschlag, der das gesamte Land verwüsten würde, zu verhindern. Jerusalem könnte daher versuchen, Irans Nukleararsenal in einem Erstschlag zu vernichten. Kriseninstabilität wäre die Folge, denn Teheran müsste seinerseits versuchen, seine Atomwaffen einzusetzen, bevor Israel sie zerstört.

Doch nicht nur die Verbreitung nuklearer Waffen ist problematisch. Auch biologische und chemische Waffen bereiten Sorgen. Der von ihrem Einsatz zu erwartende Schaden dürfte in aller Regel nicht mit einer Kernwaffenexplosion vergleichbar sein. Chemie- und Biologiewaffen – bei letzteren handelt es sich um Viren und Bakterien, die zu kriegerischen Zwecken eingesetzt werden – sind aber insofern mit Atomwaffen vergleichbar, als sie in einer ungeschützten Zivilbevölkerung unterschiedslos zu massenhaften Verletzungen und Todesfällen führen können. Während Bio-Waffen in jüngster Vergangenheit nicht zum Einsatz kamen, setzte die irakische Seite im iranisch-irakischen Krieg 1980–1988 Chemiewaffen ein, um die zahlenmäßig überlegenen iranischen Streitkräfte zu bekämpfen. Darüber hinaus verübte Saddam Hussein 1988 mittels Chemiewaffen ein Massaker an seiner eigenen kurdischen Bevölkerung. Das letzte belegte Beispiel eines C-Einsatzes fand unter bislang noch nicht abschließend geklärten Umständen 2013 im syrischen Bürgerkrieg statt. Beide Seiten werfen sich bis heute den Einsatz von Chemiewaffen vor. Sogar Terroristen haben bereits chemische Kampfstoffe eingesetzt. Im März 1995 töteten Mitglieder der Aum-Sekte in der Tokioter U-Bahn mittels des Kampfstoffes Sarin elf Menschen und versetzten Tausende in Angst und Schrecken.



 

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