Kaukasus-Region
1 | 2 | 3 | 4 | 5 Pfeil rechts

Nordkaukasien - von Widerstand geprägt


15.1.2004
Nordkaukasien ist seit dem Zerfall der Sowjetunion die exponierteste Grenzregion Russlands. Vor allem der jahrelange Sezessionskrieg mit Tschetschenien droht die gesamte Region zu destabilisieren.

Wladimir Putin mit Ramsan Kadyrow, Präsident von Tschetschenien, einer im Nordkaukasus gelegenen autonomen Republik Russlands.Wladimir Putin mit Ramsan Kadyrow, Präsident von Tschetschenien, einer im Nordkaukasus gelegenen autonomen Republik Russlands. (© AP)

Einleitung



Die Region Nordkaukasien umfasst im engeren Sinne sieben Teilrepubliken mit nichtrussischen Titularnationalitäten (namengebenden Völkern) und ethnisch gemischter Bevölkerung. Es handelt sich dabei in West-Ost-Richtung um
  • Adygien (Hauptstadt Maikop),
  • Karatschai-Tscherkessien (Hauptstadt Tscherkessk),
  • Kabardino-Balkarien (Hauptstadt Naltschik),
  • Nordossetien-Alanien (Hauptstadt Wladikawkas),
  • Inguschetien (Hauptstadt Magas),
  • Tschetschenien (Hauptstadt Grosny) und
  • Dagestan (Hauptstadt Machatschkala)
mit insgesamt über 6,5 Millionen Menschen. Zum Nordkaukasus gehören weiterhin die südrussischen Gebietseinheiten Krasnodar (Einwohnerzahl: 5,1 Millionen), Stawropol (2,7 Millionen) und Rostow (2,7 Millionen). Mit einer Gesamtbevölkerung von rund 17 Millionen Menschen wird die Region im weitesten Sinne heute mit dem Südlichen Föderalbezirk gleichgesetzt, einer von sieben unter Präsident Wladimir Putin im September 2000 geschaffenen administrativen Großregionen der Russischen Föderation. Zu diesem Föderalbezirk gehören noch die Republik Kalmykien (Einwohnerzahl: 292400) sowie die Gebiete Astrachan (eine Million) und Wolgograd (2,7 Millionen). Wenn von gegenwärtigen Problemen Russlands im Nordkauskasus die Rede ist, wird dies überwiegend auf den Gürtel aus sieben Teilrepubliken im Süden der Region bezogen.

Das Kaukasusvorland war eine der bedeutendsten Landwirtschaftszonen der ehemaligen Sowjetunion. Andere Teile des Gebietes (Tschetschenien, Stawropol, Kubangebiet) sind aufgrund von Erdölvorkommen auch von industrieller Bedeutung. In nachsowjetischer Zeit wuchs die strategische Bedeutung des Nordkaukasus als Transitregion für Erdöl aus dem kaspischen Raum über das Territorium Russlands (Pipeline von Baku zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk).

Bevölkerungsbewegung



Die Bevölkerungszahlen für Nordkaukasien beruhen auf dem neuesten russländischen Zensus von 2002. Dessen Angaben sind aber in Bezug auf Tschetschenien (1,1 Million) zweifelhaft, da dort nach zwei Kriegen und gewaltigen Fluchtbewegungen die Einwohnerzahl deutlich unterhalb der Millionengrenze liegt. Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung in den einzelnen Gebietseinheiten hat sich im ersten nachsowjetischen Jahrzehnt durch Wanderungen verändert.

So ist der russische Anteil in einigen Teilrepubliken stark zurückgegangen. In Dagestan ist er von ehemals zwölf auf unter sechs Prozent gesunken. In Tschetschenien, wo Anfang der neunziger Jahre noch über 300000 Russinnen und Russen lebten, ist heute nur noch eine winzige russische Restbevölkerung anzutreffen. Eine große russische Bevölkerungsmehrheit gibt es in Adygien, deren adygeisches "Titularvolk" eine Minderheit in der nach ihm benannten Republik bildet.

Im Gegenzug ist eine wachsende Migration aus den genannten kaukasischen Teilrepubliken in die Regionen Stawropol und Krasnodar zu verzeichnen. Dabei ist das Potenzial für Konflikte zwischen kaukasischen Volksgruppen und der russischen Bevölkerung dieser Regionen, in denen sich auch das Kosakentum neu organisiert hat, gewachsen. Besonders in Krasnodar kam es zu Reibereien zwischen Kosaken und kaukasischen Migranten. Im Zentrum der nordkaukasischen Bevölkerungsbewegung stand die Massenflucht (von mehr als 300000 Menschen) aus dem von zwei Kriegen heimgesuchten Tschetschenien. Zeitweise bestand in Inguschetien die Bevölkerung während des zweiten Tschetschenienkriegs (seit 1999) deshalb zu einem Großteil aus Flüchtlingen.