IzpB: Israel Cover

28.5.2018 | Von:
Noa Lavie
Anat Feinberg
Dominik Peters

Medien und Kultur

Das Hebräische, jahrhundertelang dem religiösen Ritus vorbehalten, hat sich nicht nur im modernen Alltag und in den landeseigenen Medien etabliert. Auch in Literatur und Musik ist die Sprache von hoher Ausdrucksfähigkeit. Israelische Kunstschaffende (Schriftsteller und Musiker) haben sich ein internationales Publikum geschaffen.

Die vielfältigen Kulturen Israels spiegeln sich auch in der Musik wider: Shlomo Artzi 2015 bei einem Konzert in Tel Aviv; Sarit Hadad während eines Konzerts in Jerusalem.Die vielfältigen Kulturen Israels spiegeln sich auch in der Musik wider: Shlomo Artzi 2015 bei einem Konzert in Tel Aviv; Sarit Hadad während eines Konzerts in Jerusalem. (© Mandy Hechtman / Flash90)

NOA LAVIE

Medienlandschaft

Israel ist eine parlamentarische Demokratie, und doch sind die Meinungs- und Pressefreiheit nie in einem Grundgesetz verankert worden. Außerdem steht das Land in anhaltendem Konflikt mit seinen arabischen Nachbarn. Dieser politische Hintergrund hat die Entwicklung und die Merkmale der Medienlandschaft in Israel erheblich mitgeprägt.

Radio und Fernsehen
In den ersten Jahrzehnten des Staates Israel waren Hörfunk und Fernsehen stark zentralisiert, da alle Radiosender und der – bis in die 1990er-Jahre einzige – Fernsehsender, Kanal 1, der staatlichen Rundfunkbehörde unterstanden. Ausgenommen waren der Radiosender der Armee – Galei Zahal mit der Tochterstation Galgalaz – und das Schulfernsehen.
1990 beschloss man, die Fernseh- und Hörfunksender teilweise zu privatisieren und kommerzielles Fernsehen zuzulassen. Im selben Jahr wurde ein Gesetz für die zweite Fernseh- und Rundfunkbehörde erlassen, das die Konzessionen und Genehmigungen des öffentlich-kommerziellen Fernsehens in Israel regelt.

Die zweite Senderbehörde sollte vor allem den abweichenden kulturellen Vorlieben der israelischen Peripherie zum Ausdruck verhelfen, deren Bewohner den eher schwachen Gesellschaftsschichten des Staates angehören. Dazu zählen in erster Linie Misrachim (Juden aus arabischen Ländern), Araber (Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) sowie Einwanderer aus den GUS-Staaten und aus Äthiopien. Um sie zu versorgen, entstanden zahlreiche kommerzielle Regionalsender. Trotzdem repräsentieren die meisten nach wie vor die jüdisch-säkulare und die jüdisch-traditionelle Gesellschaft. Rundfunk ist sehr populär bei den Jugendlichen, die ihn auf verschiedenen Sendeplattformen hören. Ihr Favorit ist der Musiksender Galgalaz.
Israel hat heute ein duales TV-Sendermodell, das öffentlich-rechtliches (heute Kanal Kan 11) und öffentlich-kommerzielles Fernsehen (heute Keshet 12, Reshet 13 und Kanal 10 14) mit Satelliten- und Kabelsendern verbindet. Letzthin wächst der Konsum von TV-Inhalten auf Internet-Plattformen.

Populärster Fernsehsender ist der (neuerdings in Keshet und Reshet gespaltene) kommerzielle Kanal 2. Am beliebtesten sind Reality-TV-Programme, und zwar mehr noch als in anderen westlichen Ländern. Das mag sich unter anderem daraus erklären, dass der TV-Markt in Israel klein ist und seine Verbraucher jahrelang an den kollektiven Konsum eines einzigen Fernsehsenders gewöhnt waren. Das populärste Reality-Programm ist "HaAch HaGadol" (Big Brother), gefolgt von israelischen Versionen der Serien "Survival", "The Voice" und "The Amazing Race". Die absolute Mehrheit der im Fernsehen auftretenden Personen sind Juden und Jüdinnen – in Nachrichten, Reality und Drama. Das Arabische, die zweite offizielle Sprache in Israel, ist kaum je zu hören.

Presse und neue Medien
Die drei wichtigsten Tageszeitungen in Israel sind das Boulevardblatt Yedioth Ahronoth, die elitäre, linksliberale Zeitung Haaretz und das unter schweren finanziellen Verlusten verteilte Gratisblatt Israel HaYom. Letzteres gehört Sheldon Adelson, einem amerikanisch-jüdischen Unternehmer und persönlichen Freund von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. In den letzten Jahren rückt die israelische Öffentlichkeit – dem weltweiten Trend folgend – immer mehr von den Printmedien ab.
Seit 2003 dringt das Internet rasant nach Israel ein, wo es wächst und gedeiht. Das äußert sich auch in der großen Beliebtheit, die im Land entwickelte Apps genießen. Auf der Liste der erfolgreichsten Applikationen der Firma Apple für das Jahr 2014 beispielsweise standen mehrere israelische, an erster Stelle die Navigations-App Waze.

Zu den wichtigsten Kommunikationsformen in Israel zählen die sozialen Netzwerke, angeführt von Facebook. Unter jungen Israelis gewinnt auch Snapchat an Beliebtheit. Hassreden in den sozialen Netzwerken sind stark verbreitet. Am schlimmsten betroffen sind Araber, Linke, LGBT, Ultraorthodoxe, Misrachim und die Flüchtlinge aus Afrika.

Die Kommunikation in Israel ist zum Teil kritischer als früher, und das trotz Zentralisierung und einigem Klüngel zwischen Kapital und Medien. Das ist unter anderem auf die Entstehung neuer, unabhängiger Kommunikationswege im Internet zurückzuführen. Journalisten, die für etablierte Medien arbeiten, nutzen auch soziale Netzwerke und veröffentlichen persönliche Posts über Facebook oder Twitter, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Trotz alledem sehen sich die israelischen Medien in den letzten Jahren Angriffen von Regierungsseite ausgesetzt. Der Kampf um die Meinungs- und Pressefreiheit im Land ist derzeit in vollem Gang. Die Zukunft dieses Ringens wird sich, wie jede Zukunft, erst später offenbaren.

Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama