IzpB: Israel Cover

28.5.2018 | Von:
Guy Katz

Wirtschaftliche Grundzüge und Entwicklungen

Innerhalb von 70 Jahren hat sich Israel vom Erzeuger hauptsächlich landwirtschaftlicher Produkte zum HightechLand entwickelt. Viele hochgebildete Zuwanderer und deren Nachfrage bildeten einen wichtigen Motor für diese Transformation. Probleme bereiten die wachsende Ungleichheit in der Bevölkerung und der weiterhin ungelöste Nahostkonflikt.

Tel Aviv ist das Wirtschaftszentrum Israels. Blick über die Stadt.Tel Aviv ist das Wirtschaftszentrum Israels. Blick über die Stadt. (© Imago / ZUMA Press)

Jahrzehnte des Wirtschaftswachstums

Als 1948 der Unabhängigkeitskrieg ausbrach, lebten im britischen Mandatsgebiet Palästina 600.000 Juden. Im Verhältnis zu ihrer Anzahl war ihre wirtschaftliche Stärke überraschend. Geschuldet war dies vor allem dem Umstand, dass die Armeen Großbritanniens und seiner Verbündeten, die während des Zweiten Weltkrieges im Nahen Osten stationiert waren, verstärkt diejenigen Produkte für den Grundbedarf nachfragten, die die dortigen jüdischen Firmen im Angebot hatten. Und so gelangte das britische Mandatsgebiet ausgerechnet in den Jahren, in denen Millionen Juden dem Holocaust zum Opfer fielen, zu einem relativen wirtschaftlichen Wohlstand, der die Grundlage für die künftige Entwicklung legte.

Diese Wirtschaftskraft begünstigte den Erfolg der Juden im israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 (Erster Nahostkrieg). Während der 15-monatigen Kampfhandlungen war das Produktionssystem voll ausgelastet, obwohl alle jungen Männer (ca. 135.000 Ende 1948, was fast einem Viertel der Einwohner entsprach) zum Kriegsdienst eingezogen worden waren und etwa 40 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) Israels für die Sicherheit und den Kriegseinsatz verwendet wurden.
Trotz dieser schwierigen Bedingungen sank das BIP im Jahr 1948 nicht. Diese Erfahrung gemeinschaftlicher Stärke und das Gefühl, einer Schicksalsgemeinschaft anzugehören, hatte wiederum psychologische Effekte: So gab die israelische Zentralbank auf dem Höhepunkt des Krieges 1948 eigenmächtig eine neue israelische Währung heraus, zu einem Zeitpunkt, da die existenzielle Gefährdung des jungen Staates noch nicht vorbei war.

Nach dem Krieg und ab Anfang der 1950er-Jahre verzeichnete die israelische Wirtschaft kontinuierliche Wachstumsraten. Diese wurden befördert durch den Start eines Rentenfonds, durch Reparationen aus Deutschland und Leistungen aus den USA, die den jüdischen Staat aus strategisch-politischen sowie humanitären Gründen unterstützten. Die Exporte stiegen, während sich die staatlichen Ausgaben reduzierten, einschließlich der Verringerung des Verteidigungshaushalts. Bis 1965 war eine signifikante Wachstumsrate von jährlich zehn Prozent zu beobachten, die in dieser Zeit weltweit nur Japan erreichen konnte. Die starke Zuwanderung von Juden nach Israel ließ den Binnenmarkt wachsen. Unter der Regierung der Mapai-Partei David Ben Gurions, die eine sozialistisch-etatistisch geprägte Ideologie vertrat, konnten einige strukturelle Probleme – die auch Israels lokaler Isolation geschuldet waren – behoben, die Produktivität erhöht, und bis zum Ende der 1950er-Jahre eine Vollbeschäftigung erreicht werden.

Nach diesem Aufschwung stagnierte die israelische Wirtschaft bis 1967. Doch der – aus israelischer Sicht – spektakuläre Sieg des Sechstagekriegs im Juni 1967 kurbelte einen erneuten wirtschaftlichen Aufschwung an.
Besonders schnell entwickelte sich die Rüstungsindustrie. War noch bis 1967 Frankreich der Hauptwaffenlieferant Israels gewesen, so zwang das anschließende Verbot des französischen Präsidenten Charles de Gaulle, Waffen an Israel zu verkaufen, die Regierung, eigene Wege zu gehen. Besonders die Metall- und Elektroindustrie profitierten von umfangreichen Aufträgen aus dem Verteidigungsministerium. Innerhalb weniger Jahre gelang es der lokalen Rüstungsindustrie sogar, Weltniveau zu erreichen und Waffen mit hohen Technologiestandards zu exportieren.
Der territoriale Zugewinn der Sinaihalbinsel, des Westjordanlands, des Gazastreifens und der Golanhöhen stimulierte die wirtschaftliche Nachfrage, insbesondere beim Hoch- und Tiefbau sowie Straßen- und Festungsbau. Diesem Aufschwung folgte eine Stagnationsphase, die in den späten 1970er-Jahren durch neuerliche Einwanderungswellen aus Europa und der damaligen Sowjetunion beendet wurde. Die einwandernden Menschen waren in der Mehrheit hochgebildet, ihre Nachfrage kurbelte das Wachstum des Bausektors und die Produktion von Konsumgütern an.

Wirtschaftsdaten kompakt, Israel, November 2017.Wirtschaftsdaten kompakt, Israel, November 2017. (© Germany Trade & Invest 2017)