IzpB: Israel Cover

28.5.2018 | Von:
Stephan Stetter
Jenny Hestermann

Die internationalen Beziehungen Israels

Die politische Distanz zu den arabischen Nachbarstaaten veranlasst Israel, sich im weiteren Umfeld politischen Rückhalt und wirtschaftliche Kooperationspartner zu suchen. Während es supranationaler Zusammenarbeit eher distanziert begegnet, unterhält es enge bilaterale Beziehungen zu den USA und zur EU. Aber auch mit Staaten Afrikas und Asiens werden Kontakte geknüpft.

Israels Legitimation wird von zahlreichen Akteuren der Region in Frage gestellt. Hinzu kommen geopolitische Streitpunkte, wie etwa Irans Einfluss in der unmittelbaren Nachbarschaft Israels sowie das iranische Nuklearprogramm und die Sorge, dass dies gegen Israel gerichtet werden könnte. Hierauf nimmt auch Premierminister Benjamin Netanjahu bei einer Rede vor der 67. UN-Generalversammlung im September 2012 Bezug.Israels Legitimation wird von zahlreichen Akteuren der Region in Frage gestellt. Hinzu kommen geopolitische Streitpunkte, wie etwa Irans Einfluss in der unmittelbaren Nachbarschaft Israels sowie das iranische Nuklearprogramm und die Sorge, dass dies gegen Israel gerichtet werden könnte. Hierauf nimmt auch Premierminister Benjamin Netanjahu bei einer Rede vor der 67. UN-Generalversammlung im September 2012 Bezug. (© picture-alliance/AP)

STEPHAN STETTER
An Israel scheiden sich die Geister

Seit der Staatsgründung und internationalen Anerkennung durch die Vereinten Nationen (UN) und eine Mehrzahl ihrer Mitgliedstaaten – inklusive der Sowjetunion und der USA – im Jahre 1948 ist Israel in hochgradig komplexe weltweite Beziehungsgeflechte eingebunden, die sich seither vielfach gewandelt haben.

Auf der einen Seite ist Israel ein enger Verbündeter vieler Staaten der Welt – heute insbesondere der Länder des Westens, allen voran der USA, aber auch der EU und ihrer Mitgliedstaaten. Aber nicht nur auf diplomatischer, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene hat Israel weltweit viele, oft sehr emotionale Unterstützer und Bewunderer – und dies nicht nur im Westen und in jüdischen Diasporagemeinden. Zu beachten ist ebenfalls, dass Israel seit den 1940er-Jahren eine bemerkenswerte ökonomische Entwicklung vollzogen hat, von einem de facto Entwicklungsland, das von externer Hilfe abhängig war, hin zu einer führenden globalen Technologiemacht. Dieses gewachsene ökonomische Gewicht schlägt sich auf politischer Ebene in Israels prosperierenden Handels- und Kooperationsnetzwerken mit Europa, Amerika, dem Fernen Osten und Afrika nieder. Im Nahen Osten ist Israel heute eine zentrale Regionalmacht. Es ist militärisch und ökonomisch neben Iran, Saudi-Arabien und der Türkei einer der stärksten Staaten der Region – und dort die (bislang) einzige Atommacht. Darüber hinaus unterhält es wichtige strategische Bündnisse mit Ägypten, Jordanien und, informell, mit verschiedenen Staaten im Maghreb und arabischen Staaten in der Golfregion.

Gleichzeitig wird allerdings Israels Legitimität von zahlreichen Akteuren in der Region, aber auch darüber hinaus bestritten oder infrage gestellt. Im internationalen Vergleich fällt die hohe Anzahl an Staaten aber auch gesellschaftlichen Gruppen auf, die Israel bis heute die Anerkennung verweigern. Derzeit sind dies insgesamt 31 der 192 UN-Mitgliedstaaten, vornehmlich Mitgliedstaaten der Arabischen Liga (AL) sowie der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) – aber mit gewichtigen Ausnahmen wie Ägypten und Jordanien sowie der Türkei. Weltweit gibt es – ein Spiegelbild der emotionalen Unterstützung, die das Land und seine Menschen von anderer Seite erfahren – nicht minder emotionale israelkritische oder sogar israelfeindliche politische und gesellschaftliche Bewegungen. Die Bandbreite reicht hierbei von gewaltfreien Akteuren hin zu terroristischen Gruppen. Auch das Argumentieren mit antisemitischen Stereotypen ist in diesen Zusammenhängen immer wieder zu beobachten. Die Legitimität des jüdischen Staates wird in diesem Kontext oft infrage gestellt – sei es grundsätzlich oder sei es wegen der – freilich auch von befreundeten Akteuren kritisierten und gegen das internationale Recht verstoßenden – israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete.