Geschichte der DDR
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Auf dem Weg in die Diktatur (1945 bis 1949)


31.10.2011
Im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands gestaltet die Besatzungsmacht mit Hilfe deutscher Kommunisten das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche System nach ihren Vorstellungen. Die Parteien werden gleichgeschaltet, Großgrundbesitz und Industrie sozialisiert.

Nach Abschluss der Konferenz von Jalta im Februar 1945 lassen sich die alliierten Staatschefs Winston Churchill (Großbritannien), Franklin D. Roosevelt (USA) und Josef Stalin (UdSSR) fotografieren.Nach Abschluss der Konferenz von Jalta im Februar 1945 lassen sich die alliierten Staatschefs Winston Churchill (Großbritannien), Franklin D. Roosevelt (USA) und Josef Stalin (UdSSR) fotografieren. (© Wikimedia)

Kriegsende und Besatzungsregime



Mit der bedingungslosen Kapitulation des Oberkommandos der deutschen Wehrmacht am 7. bzw. 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Deutschland verlor seine staatliche Souveränität an die alliierten Siegermäc­hte Frankreich, Großbritannien, die USA und die Sowjetunion, deren Truppen das Land in Besitz genommen hatten. Die vier alliierten Staaten richteten Besatzungszonen ein und übernahmen die oberste Regierungsgewalt in Deutschland. In dem von sowjetischen Truppen besetzten Teil Deutschlands wurde bis zuletzt erbittert ge­kämpft. Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Gebieten östlich der Oder und Neiße ließen hier die Zahl der Einwohner, gemessen am Vorkriegsstand, bis Ende 1945 um eine Million auf rund 16 Millionen wachsen. Im Dezember 1947 stellten Flüchtlinge und Vertriebene mit über 4,3 Millionen nahezu ein Viertel der Gesamtbevölkerung in der sowjetischen Besatzungszone. Der Alltag war von der Suche nach Obdach, Nahrung, Familienangehörigen und einer neuen Heimat geprägt. ­

Besatzungszonen und Länder in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.Besatzungszonen und Länder in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Grenzen der sowjetischen Besatzungszone wurden am 12. September 1944 von der EAC (= European Advisory Commission), einem Unterausschuss der alliierten Außenminister, in London markiert und im Februar 1945 von den Regierungs- bzw. Staatschefs der drei Großmächte Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin in Jalta endgültig festgelegt. Zu ihr gehörten die preußische Provinz Brandenburg, das Land Mecklenburg unter Einschluss Vorpommerns, das aus der Provinz Sachsen und dem Freistaat Anhalt gebildete Land Sachsen-Anhalt sowie die Freistaaten Sachsen und Thüringen. Die Oder-Neiße-Linie bildete die Ostgrenze der sowjetisch besetzten Zone. Bis zum 1. Juli 1945 hatte ein Drittel der sowjetischen Zone und damit wichtige Industriezentren in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen unter angloamerikanischer Besatzung gestanden. Die USA und Großbritannien zogen jedoch aufgrund vorheriger Abmachungen ab 1. Juli 1945 ihre Verbände zurück. Im Gegenzug rückten die Westmächte in zwölf der zwanzig Verwaltungsbezirke Berlins ein, die zuvor ausschließlich unter sowjetischer Kontrolle gestanden hatten. Die Präsenz der drei, nach Aufnahme Frankreichs vier westlichen Alliierten in Berlin war vorwiegend symbolischer Natur, da Berlin gemeinsam von einer "Alliierten Kommandantur" verwaltet werden sollte. Doch spielte für die Westmächte auch die strategische Bedeutung Berlins im Zentrum der sowjetischen Zone eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Erklärte Absicht der vier Siegermächte war es, die oberste Regierungsgewalt in Deutschland gemeinsam auszuüben. Zu diesem Zweck bildeten die Oberbefehlshaber einen Alliierten Kontrollrat, der "im gegenseitigen Einvernehmen Entscheidungen über alle Deutschland als Ganzes betreffende Fragen" fällen sollte und erstmals Ende August 1945 in Berlin zusammentrat. Unabhängig davon agierte in jeder der vier Besatzungszonen eine Militärregierung, die dort die oberste Regierungsgewalt ausübte. Für die sowjetische Zone konstituierte sich am 9. Juni 1945 eine Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD), an deren Spitze der Oberbefehlshaber der sowjetischen Besatzungstruppen stand. Bis zum April 1946 war dies Marschall Georgi Schukow; sein Nachfolger wurde Marschall Wassili Sokolowski. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Besatzungsgebietes lag bis Oktober 1949 in der alleinigen Verantwortung der SMAD.

Über die allgemeinen Grundsätze der Behandlung Deutschlands herrschte unter den Siegermächten zunächst Einigkeit. Auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945) verständigten sie sich darauf, das Land abzurüsten und zu entmilitarisieren, alle nationalsozialistischen Gesetze aufzuheben, die Bevölkerung zu entnazifizieren, Kriegsverbrecher zu verhaften und zu verurteilen und das Erziehungssystem, die Justiz, die Verwaltung sowie das öffentliche Leben zu demokratisieren. Die aus ihnen abgeleitete konkrete Politik der jeweiligen Besatzungsmächte zeigte jedoch bald, wie unterschiedlich die Alliierten das Potsdamer Abkommen auslegten.

Die sowjetischen Besatzungsbehörden gingen rigoroser als die Amerikaner, Franzosen und Briten an die Entnazifizierung heran. Bis zum März 1948 wurden circa 520000 Angestellte in der sowjetischen Besatzungszone aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Die politischen Säuberungen nutzten die Besatzungsbehörden, um die frei werdenden Stellen im öffentlichen Dienst mit Personen zu besetzen, von denen eine loyale politische Einstellung zur Besatzungsmacht erwartet wurde. Das Bemühen um die wirtschaftliche, politische und kulturelle Stabilisierung der sowjetischen Zone und der Kalte Krieg im Zeichen des aufbrechenden Ost-West-Konflikts ließen das Interesse an der politischen und juristischen Ahndung der vielschichtigen Verstrickungen in das NS-System in allen Besatzungszonen jedoch sehr bald in den Hintergrund treten.

Lange Zeit stritten Historiker über die deutschlandpolitischen Absichten der Moskauer Führung. Wollte Stalin von Anbeginn an eine kommunistische Diktatur in der sowjetischen Zone installieren, oder war er eher geneigt, die Einheit Deutschlands zu erhalten? Hier offenbart sich das Bild einer widersprüchlichen Politik, die sich mehrere Optionen offenhielt: Offiziell, in öffentlichen Verlautbarungen, wurde die Einheit Deutschlands beschworen, praktisch sorgte die SMAD zielstrebig dafür, dass die politischen und sozialen Strukturen in der SBZ schnell nach sowjetischem Vorbild umgeformt wurden. Vieles deutet darauf hin, dass Stalin vor allem ein militärisch neutrales Deutschland in Mitteleuropa anstrebte, von dem künftig für die Sowjetunion keine Kriegsgefahr mehr ausgehen sollte. Zu Beginn ihrer Besatzung verfolgte die Sowjetunion vor allem wirtschaftliche (Demontagen und Reparationen) und geopolitische Interessen. Dafür war sie bis etwa Mitte 1947 bereit, mit den Westalliierten zu kooperieren, und versuchte, eine gesamtdeutsche Perspektive offenzuhalten.




 

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