Dossierbild Jüdisches Leben in Deutschland
1 | 2 | 3 Pfeil rechts

Judentum in Antike und Frühmittelalter


5.8.2010
Schon früh lassen sich jüdische Gemeinden außerhalb Palästinas und des Mittelmeerraumes nachweisen. Das Erstarken des Christentums brachte den Juden in vielen Orten politische und wirtschaftliche Benachteiligungen.

Eine Darstellung des Titusbogens in Rom - Kaiser Titus ließ 70 n. Chr. einen jüdischen Austand niederschlagen und führte die Tempelschätze im Triumphzug nach Rom.Eine Darstellung des Titusbogens in Rom - Kaiser Titus ließ 70 n. Chr. einen jüdischen Austand niederschlagen und führte die Tempelschätze im Triumphzug nach Rom. (© Wikimedia, Steerpike)

Einleitung



Das Nomadenvolk "Israel" (hebr. für Gottesstreiter) - so die Bezeichnung in einer ägyptischen Quelle um 1200 v. Chr. - wurde um ca. 1300 v. Chr. sesshaft. Zwölf Stämme, zu verstehen als große Sippenverbände, siedelten in den Bergen von Judäa (mittleres Bergland des heutigen Israel und südliches Westjordanland) sowie in Galiläa (im Wesentlichen heutiges Nordisrael). Von den übrigen Völkern unterschieden sie sich durch ihren Glauben an einen einzigen und unsichtbaren Gott. Gemäß der jüdischen Überlieferung erneuerte Gott auf dem Berg Sinai seinen mit Abraham geschlossenen Bund mit dem Volk Israel und offenbarte dem Propheten Mose (13. Jahrhundert v. Chr.) seine Lehre, niedergelegt in der Tora, Grundlage für Glauben und Lebensordnung. Unter dem Druck der feindlichen Nachbarvölker, unter anderem der Philister und Kanaaniter, schlossen sich die zwölf jüdischen Stämme enger zusammen.

Um 1000 v. Chr. bildeten sie ein Königreich. Der zweite König, David aus dem Stamm Juda (von dessen Namen sich die Bezeichnung "Jude" ableitet), eroberte Jerusalem, und sein Sohn Salomon baute es mit dem Ersten Tempel zum Zentrum aus. Nach dem Tod Salomons (um 928 v. Chr.) zerfiel das Königreich in ein Nordreich (Israel) und ein Südreich (Juda). Das Königreich Israel erlag 721 v. Chr. dem Ansturm der Assyrer, während das Königreich Juda über 100 Jahre länger existierte. Aus unterschiedlichen Überlieferungen wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. der Pentateuch - die griechische Bezeichnung der Tora - schriftlich zusammengestellt.

587 v. Chr. eroberte der Babylonierkönig Nebukadnezar das Königreich Juda, zerstörte den Ersten Tempel und verschleppte die Elite des Volkes, Adlige und Priester, aber auch einfache Handwerker nach Babylon. Hier erhielt die Tora ihre endgültige Form und wurde zum geistigen und geistlichen Mittelpunkt des jüdischen Volkes im Exil, das dadurch seine Identität bewahrte. Der Tora wurden in den folgenden Jahrhunderten weitere Bücher (Propheten, Dichtungen, Chroniken) hinzugefügt, die insgesamt als die Heilige Schrift der Juden gelten. Als die Perser unter Kyros II. 539 v. Chr. Babylon eroberten, durften die Juden in ihre alte Heimat zurückkehren. Eine Anzahl von ihnen blieb jedoch in Babylon und bildete hier in den folgenden Jahrhunderten ein eigenes jüdisches Zentrum.

Die Rückkehrer errichteten um 500 v. Chr. in Jerusalem den Zweiten Tempel, der unter König Herodes kurz vor der Zeitenwende prachtvoll umgestaltet wurde und deshalb auch als Herodianischer Tempel bezeichnet wird. Seine Reste bilden die heutige Klagemauer. Den Hellenisierungsversuchen der hellenistischen Vormacht der Seleukiden, die im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. Vorderasien beherrschte, widersetzten sich Mitglieder einer Priesterfamilie, die nach dem Beinamen Makkabäus (= Hammer) Makkabäer genannt wurde. Im Makkabäeraufstand 167 bis 142 v. Chr. konnte sich Judäa als eigenes Königreich behaupten, das von Priesterkönigen regiert wurde. 63 v. Chr. eroberte der römische Feldherr Pompejus das Seleukidenreich. Die Römer setzten über Judäa eine neue Dynastie ein, der König Herodes der Große (73 - 4 v. Chr.) entstammte.



 

Publikationen zum Thema

Die Geschichte der Juden in Deutschland

Die Geschichte der Juden in Deutschland

Die Erinnerung an den Holocaust muss wachgehalten werden. Doch sollte dahinter nicht der Reichtum de...

Juden in Europa

Juden in Europa

Nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust schien eine Zukunft des Judentums in Europa unvorstellbar....

Antisemitismus

Antisemitismus

Antisemitismus zählt zu den ältesten und beharrlichsten Vorurteils-
komplexen und hat viele Fac...

WeiterZurück

Zum Shop

Dossier

Antisemitismus

Antisemitismus ist eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache aller Probleme der heutigen Welt sieht. Das Dossier beleuchtet Geschichte und Gegenwart der Judenfeindschaft und hilft, sie zu entlarven. Weiter... 

Cover_antisemiThemenblätter im Unterricht (Nr. 56)

Stichwort Antisemitismus

Offenem Antisemitismus begegnet man in Deutschland heute eher selten. Gleichzeitig tauchen alte Formen der Judenfeindschaft im neuen Gewand auf. Das Themenblatt beschäftigt sich mit diesen versteckten Formen des antijüdischen Vorurteils. Weiter...