Internationale Wirtschaftsbeziehungen

27.8.2008 | Von:
Klaus-Peter Kruber
Anna Lena Mees
Christian Meyer

Weltwirtschaftliche Entwicklungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Expansion des Warenhandels

Handel in der globalisierten WeltHandel in der globalisierten Welt
Der Gesamtumfang des Welthandels mit Waren stieg in der Zeit von 1948 (59 Milliarden US-Dollar) bis 2006 (11 783 Milliarden US-Dollar nominal, ausgedrückt in den Preisen des jeweiligen Jahres), auf das knapp 200-fache. Insbesondere seit 2000 hat der Welthandel noch einmal stark zugenommen. Wuchs das Exportvolumen in den 1980er und 1990er Jahren ungefähr in dem gleichen Maß oder nur leicht stärker als die weltweite Warenproduktion insgesamt, hat es sie seither deutlich hinter sich gelassen. Auch wenn man zur realen Berechnung übergeht und die im Wachstum steckenden Preissteigerungen von den nominalen Werten abzieht, bleibt dieses Verhältnis bestehen. So nahm von 2000 bis 2006 der weltweite Warenhandel jahresdurchschnittlich um circa sechs Prozent zu, während das Weltwirtschaftsergebnis (World Gross Domestic Product) insgesamt um nur circa drei Prozent anstieg (International Trade Statistics 2007, www.wto.org). Dieser Sachverhalt kann als Indiz für die fortschreitende Internationalisierung der Wirtschaft gedeutet werden. Triebkräfte des Welthandels waren bisher vor allem die Konjunktur in den USA und das starke Wirtschaftswachstum in China, Indien und anderen asiatischen Volkswirtschaften.

LändergruppenLändergruppen
2006 entfielen 57,3 Prozent aller Exporte auf die Industrieländer (siehe auch Glossar), die ihre Waren zum überwiegenden Teil untereinander austauschten. Die Entwicklungsländer (siehe Glossar) und die Transformationsländer (siehe Glossar), das heißt Russland und andere ehemalige Staatshandelsländer, sind deutlich geringer in den Welthandel eingebunden. Eine Unterteilung des Welthandels in sieben Regionen verdeutlicht deren Unterschiede in ihrer Bedeutung für den weltweiten Handel.

Exportanteile am globalen WarenhandelExportanteile am globalen Warenhandel
Innerhalb der Industrieländer konzentriert sich der Handelsaustausch auf drei Regionen: Westeuropa, Nordamerika sowie Japan und die entwickelten Länder Südostasiens. Dieses Welthandelsdreieck wird häufig als "Triade" bezeichnet. Der Konzentration des Welthandels entsprechen handelspolitische Blöcke: die Europäische Union (EU), die Nordamerikanische Freihandelszone (North American FreeTrade Agreement, NAFTA, siehe Glossar), und Ansätze einer südostasiatisch-pazifischen Freihandelszone (Asia-Pacific Economic Cooperation, APEC ; siehe Glossar). Innerhalb dieser Zusammenschlüsse ist ein gemeinsamer Markt für Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräfte weitgehend realisiert (Binnenmarkt der EU), entsteht (NAFTA) beziehungsweise wird eine entsprechende Liberalisierung angestrebt (APEC). Aber auch zwischen den Blöcken wurden in den letzten Jahrzehnten Handelshemmnisse abgebaut oder deutlich verringert. Diese Entwicklungen sind das Ergebnis der Handelsliberalisierung durch das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade, GATT) und der daraus 1995 hervorgegangenen Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO;).

Geteilte WeltGeteilte Welt
Die Zusammensetzung der globalen Wertschöpfung (des gesamten auf der Erde produzierten Sozialproduktes) zeigt in ihrer Entwicklung, dass sich das Wohlstandsgefälle zwischen reichen und armen Staaten bis heute nicht verringert, sondern eher noch ausgeweitet hat. Eine wesentliche Umverteilung des Wohlstands weltweit fand in den letzten 25 bis 30 Jahren somit nicht statt. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass die derzeitigen wirtschaftspolitischen Regelungen, die den Welthandel gestalten, nicht nur in den Entwicklungsländern zunehmend kritisch gesehen werden. Trotz dieser unveränderten Tendenzen konnten zwei Staatengruppen den Abstand zu den wohlhabenden Industrieländern - gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf - beträchtlich verringern. Es handelt sich zum einen um Staaten im Nahen Osten, die seit Ende der 1970er Jahre hohe Einnahmen aus dem Erdölexport erzielen, und zum anderen um einige ehemalige Entwicklungsländer, die sich seit den 1980er Jahren zu Schwellenländern entwickelten. Letztere zählen zu den global am raschesten wachsenden Volkswirtschaften. Dazu gehören einige Staaten Ost- und Südostasiens - insbesondere die Volksrepublik China, Südkorea, Taiwan, Singapur und Malaysia. Ihr Wachstumserfolg wird vor allem auf ihre Öffnung für den internationalen Handel zurückgeführt.

Welthandel 2007Welthandel 2007
So konnte China, indem es sein Wirtschaftswachstum auf eine exportorientierte Produktion stützte, große wirtschaftliche Erfolge verbuchen und Anfang 2007 mehr Waren exportieren als die USA. Für 2008 wird damit gerechnet, dass die Volksrepublik ihren Exportanteil auf über acht Prozent des Welthandels steigern wird und auf dem Weg ist, Deutschland als bisherigen "Exportweltmeister" abzulösen.

Als nächstes dürften die Transformationsländer Mittel- und Osteuropas, die seit 2004 der EU angehören, zu den wohlhabenden Industriestaaten aufschließen. Ihre überdurchschnittlich steigenden Wirtschaftsergebnisse sind durch ihren Beitritt in die EU zu erklären, der einen Wachstumsschub auslöste.

Die Zusammensetzung des internationalen Warenhandels zeigt, dass nicht alle Güter in gleichem Ausmaß von der Zunahme des Welthandels betroffen sind. Die internationale Handelsstatistik der WTO erfasst den Welthandel nach Warengruppen. Danach entfällt der größte und am stärksten wachsende Anteil (circa 70 Prozent) des Warenhandels heute auf industriell gefertigte oder bearbeitete Produkte. Unter den verarbeiteten Produkten sind die wichtigsten Untergruppen Büro- und Telekommunikationswaren (12,3 Prozent), chemische Produkte (10,6 Prozent), Fahrzeuge (8,6 Prozent), Textilien und Bekleidung (4,2 Prozent) sowie Eisen- und Stahlerzeugnisse (3,2 Prozent). Agrarprodukte, Energieträger und Bergbauprodukte sind derzeit mit etwa 30 Prozent beteiligt.

Der internationale Austausch bezieht sich nicht nur auf den Handel mit Fertigprodukten, sondern gleichermaßen auf den Austausch von Rohstoffen und Vorprodukten. Unternehmen gehen zunehmend dazu über, nicht nur ihre Produkte weltweit zu vertreiben, sondern auch die für ihre Fertigung benötigten Rohstoffe und Vorprodukte global zu beschaffen. Hierdurch entstehen komplexe Netzwerke zwischen international verteilten Produktionsstandorten. Ein Beispiel sind die Zuliefererbeziehungen in der Automobilindustrie.


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