Internationale Wirtschaftsbeziehungen

27.8.2008 | Von:
Klaus-Peter Kruber
Anna Lena Mees
Christian Meyer

Weltwirtschaftliche Entwicklungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Wachstumsmarkt Dienstleistungen

Jahrhunderte lang konzentrierte sich die internationale Arbeitsteilung ausschließlich auf den Handel mit Waren. Dies hat sich heute sehr verändert. Zählten Dienstleistungen noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts - abgesehen von den mit dem Warenhandel verbundenen Transport- und Versicherungsdienstleistungen - im Wesentlichen zu den Binnengütern, sind sie heute in wachsendem Maße Gegenstand des internationalen Austauschs: 2005 wurden weltweit Dienstleistungen im Wert von 2 415 Milliarden US-Dollar gehandelt. Ihre Wachstumsrate liegt über der des Warenhandels. Die Verschiebung des Schwergewichts vom primären (Agrarwirtschaft und Bergbau) und sekundären Sektor (Industrie) zur Dienstleistungswirtschaft (tertiärer Sektor) zeigt sich heute in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen besonders ausgeprägt. Die wachsende Bedeutung des tertiären Sektors erlaubt es, von einer "Tertiarisierung" der internationalen Wirtschaftsbeziehungen zu sprechen.

Besonders spektakulär ist die Expansion des internationalen Tourismus seit den 1960er Jahren. Zwar führten die anhaltende Kriegs- und Terrorfurcht seit den Anschlägen vom 11. September 2001 auf die USA und die schlechte Konjunkturlage vieler Industrieländer im Zeitraum von 2001 bis 2003 zu einer Stagnation des internationalen Reiseverkehrs. Doch bis 2005 erholte er sich wieder vollständig, und im Jahr 2006 wurden weltweit 693 Milliarden US-Dollar für Auslandsreisen ausgegeben. Eine besonders große Bedeutung haben Ausgaben für Tourismusdienstleistungen in Deutschland. So zahlten die Deutschen im Jahr 2006 nach Angaben der International Trade Statistics der WTO von 2007 75 Milliarden US-Dollar für Auslandsreisen, Ausländer ließen 33 Milliarden US-Dollar in der Bundesrepublik.

Ein weiterer relativ junger Wachstumsmarkt sind internationale Kommunikationsdienstleistungen. Die moderne Telekommunikation hat die Welt zu einem globalen Markt vernetzt. Multimedia und Internet haben einen Entwicklungssprung auf den internationalen Telekommunikationsmärkten bewirkt. International gehandelt werden Informationen (Nutzung von Datenbanken) und Dienstleistungen der Werbungs- und Unterhaltungsbranche (Vermarktung von Sport- und Popveranstaltungen, Film- und TV-Rechte) sowie Lizenzen für die Nutzung von Patenten. Für die USA ist mittlerweile die Film- und TV-Branche die zweitgrößte Einnahmequelle im Außenhandel geworden. Für die Nutzungsrechte an Spielfilmen oder Fernsehserien werden Hunderte Millionen US-Dollar in die USA überwiesen.

Auch die Entwicklungsländer haben von der Zunahme des Dienstleistungshandels und vom Fortschritt der Technologien profitiert. Die Bandbreite der Dienstleistungen, die heute in diese Länder verlagert werden, wächst und umfasst neben einfachen inzwischen bereits auch anspruchsvolle Dienstleistungsaufgaben. Dies ist möglich, da auch dort qualifizierte Informatiker und Ingenieure ausgebildet werden, die ihre Dienstleistungen zu wesentlich niedrigeren Löhnen zu Verfügung stellen. Deshalb vergeben deutsche Anlagenbaufirmen wie Lurgi und Uhde Konstruktionsaufträge an indische Ingenieure, mit denen sie über das Internet kommunizieren. Es entwickeln sich weltumspannende, weitgehend standortunabhängige virtuelle Unternehmensnetze.


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