Internationale Wirtschaftsbeziehungen

27.8.2008 | Von:
Klaus-Peter Kruber
Anna Lena Mees
Christian Meyer

Weltwirtschaftliche Entwicklungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Deutschlands Verflechtung in die Weltwirtschaft

Die wirtschaftlichen Vorgänge zwischen In- und Ausländern in einem Jahr werden in der vom Statistischen Bundesamt erstellten Zahlungsbilanz erfasst. Als Inländer gelten alle Personen und Unternehmen mit Sitz im Inland. Somit zählen auch im Inland lebende Ausländer und inländische Firmen in ausländischem Besitz zu den Inländern. Die Zahlungsbilanz wird nach Art der ökonomischen Vorgänge in Teilbilanzen gegliedert. Die Im- und Exporte von Waren werden in der Handelsbilanz und die Im- und Exporte von Dienstleistungen in der Dienstleistungsbilanz erfasst. Die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkünfte beinhaltet grenzüberschreitende Entgelte für Produktionsfaktoren (Einkommen einer im Inland beschäftigten, aber im Ausland lebenden Person). Die Bilanzen von Außenhandel, Dienstleistungen, Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie die laufenden Übertragungen (zum Beispiel Heimatüberweisungen ausländischer Arbeitnehmer, Entwicklungshilfezahlungen) sind in der Leistungsbilanz zusammengefasst.

Vermögensmitnahmen von Aus- bzw. Einwanderern oder Schuldenerlasse werden in der Bilanz der Vermögensübertragungen erfasst. Die Kapitalbilanz erfasst laufende Kapitaltransaktionen (Kredite an Ausländer bzw. von Ausländern) und Direktinvestitionen.

Deutsche ZahlungsbilanzDeutsche Zahlungsbilanz
Die Differenz aus Zahlungszuflüssen und Zahlungsabflüssen ergibt die Veränderung der Währungsreserven. Die Zahlungsbilanz wird durch diesen Saldo ausgeglichen. Da in der Praxis nicht alle grenzüberschreitenden Aktivitäten erfasst werden können, wird mathematisch der Ausgleich durch einen "Restposten" herbeigeführt.

Deutschland zählt neben den USA, China und Japan zu den wichtigsten Außenhandelsnationen. Im Jahr 2006 erreichte die Ausfuhr deutscher Waren 904,9 Milliarden Euro; die Einfuhr von Waren nach Deutschland betrug 741,5 Milliarden Euro. 2008 dürfte bei den Ausfuhren die Marke von 1000 Milliarden Euro überschritten werden.

Deutschlands Kunden und LieferantenDeutschlands Kunden und Lieferanten
Einen Eindruck von der Einbindung Deutschlands in den internationalen Handel vermitteln die Import- und Exportquote. Das Verhältnis der Einfuhren zum BIP betrug 2006 31,7 Prozent (Importquote); die Exportquote betrug 38,7 Prozent. Mit anderen Worten: Fast ein Drittel der im Inland verfügbaren Fertigwaren und Vorprodukte stammten aus dem Ausland. Etwa 40 Prozent aller Arbeitsplätze im Inland produzieren für ausländische Kunden. Berücksichtigt man zusätzlich zum Warenverkehr noch den Dienstleistungs- und den Kapitalverkehr ist die Auslandsabhängigkeit noch weitaus größer.

Außenhandel nach WarengruppenAußenhandel nach Warengruppen
Die Auslandsverflechtung ist nicht in allen Wirtschaftszweigen gleich. Auffallend ist, dass viele Industriezweige sowohl beim Export als auch beim Import mit hohen Zahlen vertreten sind. Dies kann auf zwei Ursachen zurückgeführt werden: In der Papier- und Chemieindustrie zum Beispiel müssen fast alle Rohstoffe importiert werden, ein erheblicher Teil der Fertigerzeugnisse wird exportiert. Demgegenüber finden sich im Straßenfahrzeugbau auf der Import- und der Exportseite gleichartige Erzeugnisse (Autos in- und ausländischer Hersteller). Die Differenzierung der Nachfrage auf dem Heimatmarkt ist ursächlich für diesen intra-industriellen Handel. Die deutschen Fahrzeugkunden interessieren sich zum Beispiel nicht nur für einheimische, sondern auch für japanische, französische oder italienische Automobile. Der deutsche Außenhandel ist sehr stark auf den intra-industriellen Austausch gleichartiger Produkte ausgerichtet.

Eine auf Regionen bezogene Betrachtung zeigt, wie stark Deutschland in den europäischen Binnenmarkt eingebunden ist. 2007 stammten 59,7 Prozent der Importe aus Ländern der Europäischen Union (EU-27), 64,8 Prozent der Exporte gingen dorthin. Allerdings ist zu fragen, ob es hier wirklich noch um "Außenhandel" im klassischen Sinne geht: Mit der fortgeschrittenen Integration entwickelt der europäische Binnenmarkt sich für immer mehr Unternehmen zu einem Teil des "heimischen" Marktes. Nach der Errichtung der Währungsunion wurde der intra-EU-Handel im "Euroland" praktisch zum Binnenhandel.

Auf den Handel mit den westlichen Industriestaaten (den EU-Ländern, USA, Kanada dazu auch Japan) entfallen etwa drei Viertel sowohl der Importe wie der Exporte. Daneben gewinnen Ost- und Südostasien an Bedeutung: Nach China gingen 2007 3,1 Prozent der Ausfuhren, von dort kamen 7,1 Prozent der Importe. Ebenso bedeutsam ist der Handel mit den südostasiatischen Schwellenländern (Anteile am Export 2007 3,3 Prozent, am Import 4,3 Prozent). Hohe Zuwachsraten weist auch der Handel mit den mittel- und osteuropäischen Ländern auf, die seit 2004 EU-Mitglieder sind (11,6 Prozent Anteil am Export, 13,6 Prozent Anteil am Import -Stand 2006). Etwas zurückgegangen ist der Handel mit den Staaten, die der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Organization of Petrol Exporting Countries, OPEC) angehören, unter anderem die Nahost-Staaten, Venezuela, Nigeria und Indonesien. Dies ist vor allem auf die wachsende Bedeutung von Großbritannien, Norwegen und Russland als Erdöllieferanten zurückzuführen, die neben die OPEC-Länder getreten sind.


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