Staat und Wirtschaft

Glossar

5.7.2007
Allokation:
die Lenkung der Produktionsfaktoren in ihre verschiedenen Verwendungen. Durch die Allokation ergibt sich, welche Waren an welchen Standorten mit welchen Verfahren produziert werden.

Bruttoinlandsprodukt (BIP):
Gesamtwert aller in einem festgelegten Zeitraum innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen.

Effizienz:
Alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die zur Erreichung der Ziele der Wirtschaftspolitik beitragen, sind effektiv. Werden diese Ziele möglichst kostengünstig erreicht, spricht man von Effizienz.

Externe Effekte:
Folgen von Entscheidungen, die Individuen hinnehmen müssen bzw. genießen, obwohl sie an den Entscheidungen nicht beteiligt gewesen sind. Negative externe Effekte senken die Lebensqualität Unbeteiligter, gehen aber nicht in die Kalkulation der Verursacher ein. Das wichtigste Beispiel ist die Umweltverschmutzung. Bei positiven externen Effekten wäre es volkswirtschaftlich wünschenswert, wenn die Produktion, welche die Effekte hervorruft, noch verstärkt würde. Die Wirtschaftspolitik hat speziell im ersten Fall die Aufgabe, externe Effekte zu internalisieren.

Freie Marktwirtschaft:
In der Freien Marktwirtschaft werden Produktion und Konsum allein durch die Mechanismen des Marktes gesteuert. Es findet freier Wettbewerb statt, ohne dass der Staat in Wirtschaftsabläufe eingreift. Die Entscheidungsfreiheit der Wirtschaftssubjekte ist oberstes Prinzip.

Grundwerte:
Wirtschaftspolitische Ziele sollen sich an Grundwerten orientieren, zu denen Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit und Fortschritt zählen. Aus diesen grundlegenden Wertvorstellungen lassen sich weitere umfassende und auf alle Lebensbereiche anwendbare Normen ableiten.

Hoher Beschäftigungsgrad:
Der Beschäftigungsgrad ist das in einem Prozentsatz ausgedrückte Verhältnis von tatsächlicher Beschäftigung und möglicher Beschäftigung. Theoretisch beträgt der höchste Beschäftigungsgrad 100 Prozent, aber dieser Wert ist in der Praxis nicht zu erreichen. Vereinfacht wird heute von Vollbeschäftigung gesprochen. Sie gilt in den meisten Staaten als erreicht, wenn die Arbeitslosigkeit nicht höher als drei Prozent ist.

Inflation:
signifikanter und anhaltender Anstieg des Preisniveaus und damit Prozess der Geldentwertung in einer Volkswirtschaft.

Internalisierung:
Positive und negative externe Effekte werden in das Kosten-Nutzen-Kalkül ihrer Verursacher eingebracht. Der Handel mit Emissionszertifikaten stellt beispielsweise eine Methode der Internalisierung negativer externer Effekte dar.

Jahreswirtschaftsbericht:
nach dem Stabilitätsgesetz jährlich im Januar dem Bundestag und -rat von der Bundesregierung vorzulegender Bericht, der die Stellungnahme zum Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sowie die Darlegung der von der Bundesregierung für das laufende Jahr angestrebten wirtschafts- und finanzpolitischen Ziele beinhaltet.

Kartell:
Unternehmen, die sich zu einem Kartell zusammenschließen, indem sie Vereinbarungen (beispielsweise Preisabsprachen oder Absprachen über die Aufteilung von Marktanteilen) treffen, behindern damit den Wettbewerb und schädigen letztlich die Verbraucher. Die Kartellämter sowie die Europäische Kommission überwachen den Wettbewerb und ahnden Verstöße gegen das Kartellrecht mit hohen Geldstrafen.

Konjunktur:
wirtschaftliche Lage einer Volkswirtschaft. Die Entwicklung der Konjunktur ist von wellenförmigen Schwankungen gekennzeichnet, welche sich mit gewisser Regelmäßigkeit wiederholen, man spricht deshalb auch von Konjunkturzyklen. Der Konjunkturverlauf lässt sich in vier Phasen einteilen: Aufschwung (oder Expansion), Hochkonjunktur (oder "Boom"), Abschwung (oder Rezession), und schließlich Depression, die Wirtschaftskrise. Mit dem erneuten Anstieg der Produktion beginnt ein neuer Konjunkturzyklus. Bewegungen in der wirtschaftlichen Entwicklung lassen sich bezogen auf die gesamte Volkswirtschaft oder auf einzelne Branchen oder auch auf bestimmte Zeiträume (saisonale Schwankungen) beobachten.

Monopol:
Marktsituation, die vorliegt, wenn nur ein einziger Anbieter für ein bestimmtes ökonomisches Gut existiert.

Öffentliche Güter:
Güter, die positive externe Effekte mit sich bringen, von deren Nutzung niemand ausgeschlossen werden kann und bei denen keine Nutzungskonkurrenz besteht. Der Staat muss für ihre Bereitstellung sorgen, da der Markt sie nicht oder nur in geringem Maße produziert (Trittbrettfahrer-Problem). Beispiele für öffentliche Güter sind Landesverteidigung und Umweltschutz.

Operationalität:
Bestimmtheit von Zielen, insbesondere die Messbarkeit der Zielerreichung bzw. Zielverfehlung. Ein Ziel ist operational, wenn der Zielerreichungsgrad gemessen werden kann. Das Ziel darf daher nicht zu allgemein und unverbindlich formuliert sein ("Die Situation des Unternehmens soll verbessert werden!").

Opportunitätskosten:
Ressourcen, die für die Erreichung eines Ziels eingesetzt werden, stehen nicht mehr für andere Ziele zur Verfügung. Die daraus resultierenden Abstriche (Nachteile, Verluste) beim attraktivsten anderen Ziel bezeichnet man als Opportunitätskosten.

Ordnungspolitik:
Ordnungspolitik bestimmt die Rahmenbedingungen wirtschaftlichen Handelns und besitzt Leitbildcharakter. Beispiele für Ordnungspolitik sind die Sicherung von Privateigentum, Tarifautonomie und Notenbankunabhängigkeit.

Planwirtschaft:
In der Planwirtschaft verfügen zentrale Instanzen über die Produktionsmittel, die Koordination wirtschaftlicher Handlungen erfolgt zentral durch Plananweisungen. Freier Wettbewerb und freie Preisbildung existieren nicht.

Preisniveaustabilität:
herrscht, wenn die Kaufkraft des Geldes konstant bleibt. Zwar ändern sich gegebenenfalls einzelne Preise, aber insgesamt bleiben die Preise im Durchschnitt konstant. Die Deutsche Bundesbank und die Europäische Zentralbank verwenden häufig den einfacheren Begriff Preisstabilität (Price Stability). Die Europäische Zentralbank sieht das Ziel der Preisstabilität als erfüllt an, wenn die Inflationsrate nahe bei, aber unter zwei Prozent liegt.

Prozesspolitik:
Prozesspolitische Maßnahmen werden häufig ergriffen. Die Prozesspolitik muss sich am Rahmen orientieren, den die Ordnungspolitik setzt. Ihre Effekte lassen sich statistisch messen. Beispiele für Prozesspolitik sind Änderungen der Staatsausgaben und Änderungen der Leitzinsen.

Regelbindung:
Es werden auslösende Tatbestände definiert, welche die wirtschaftspolitischen Akteure dazu verpflichten, vorgeschriebene Handlungen vorzunehmen. Die Akteure können also nicht mehr nach freiem Ermessen handeln. Ein Beispiel für staatliche Regulierungen sind gesetzliche Vorschriften zum Umweltschutz.


Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR):
1963 gegründetes unabhängiges wirtschaftswissenschaftliches Expertengremium, bestehend aus fünf Personen ("fünf Weisen"), die vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung für fünf Jahre berufen werden. Der SVR ist zur Erstellung eines Jahresgutachtens verpflichtet, das die gesamtwirtschaftliche Lage und deren absehbare Entwicklung darstellt. Er darf keine konkreten Empfehlungen für wirtschaftspolitische und soziale Maßnahmen geben, soll aber Fehlentwicklungen sowie Möglichkeiten zu deren Überwindung aufzeigen.

Soziale Marktwirtschaft:
Eine wirtschaftspolitische Konzeption, welche die Verbindung von Freiheit und sozialem Ausgleich anstrebt und in der die Marktergebnisse von Seiten des Staates aus sozialpolitischen Motiven korrigiert werden.

Wahlhandlungen:
Wirtschaften erfordert immer Wahlhandlungen, also Entscheidungen zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten. Die Volkswirtschaftslehre kann zu einem großen Teil als Theorie der Wahlhandlungen angesehen werden.

Wirtschaftspolitische Konzeption:
Ziel-Mittel-System auf hoher Abstraktionsstufe, das als Richtschnur für die Wirtschaftspolitik dient. Für die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland gilt die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft.

Wirtschaftspolitisches Programm:
Operationales Ziel-Mittel-System zur Bearbeitung konkreter wirtschaftspolitischer Probleme. Beispiele sind etwa die Erhöhung des staatlichen Investitionsvolumens zur Reduktion der Arbeitslosigkeit oder der Abbau von Subventionen zur Senkung der Staatsverschuldung.

Zielkonflikt:
Die Verfolgung eines Ziels beeinträchtigt die Erfüllung anderer Ziele. In der Volkswirtschaftslehre gibt es zum Beispiel eine kontroverse Diskussion darüber, ob die Ziele Vollbeschäftigung und Preisstabilität im Konflikt liegen.



 

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