Umweltpolitik
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Klimawandel und Klimaschutz


6.5.2008
Die Temperaturen auf der Erde steigen - nicht zuletzt infolge menschlicher Aktivitäten. Um die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen weltweit reduziert werden.

Auch beim Klimagipfel in Durban spielt die Reduktion von Treibhausgasen wieder eine wichtige Rolle.Um die Folgen des Klimawandels zu begrenzen, sollen die Treibhausgase reduziert werden. (© picture-alliance/AP)

Einleitung



Der durch menschliche Aktivitäten verursachte Klimawandel verstärkt paradoxerweise einen Effekt, durch den das Leben auf der Erde erst möglich wurde. Die so genannten Treibhausgase in der Erdatmosphäre vermindern die Wärmerückstrahlung von der Erdoberfläche in das Weltall und speichern die entsprechende Energie in der Erdatmosphäre. Ohne den natürlichen Treibhauseffekt, der vor allem durch den in der Atmosphäre vorhandenen Wasserdampf (vor allem Wolken) und Kohlendioxid (aus organischen Kreisläufen) herbeigeführt wird, läge die bodennahe Durchschnittstemperatur der Erde nicht bei etwa 14 °C über, sondern ungefähr bei 19 °C unter Null.

Anthropogener Treibhauseffekt



Neben diesen lebensnotwendigen natürlichen Treibhauseffekt tritt jedoch seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert der menschlich verursachte (anthropogene) Treibhauseffekt. Er ist auf den rapiden Anstieg der Emissionen von Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) und anderen synthetischen Gasen zurückzuführen, die sich in der Atmosphäre konzentrieren. So ist die Konzentration von CO2 in der Erdatmosphäre seit dem vorindustriellen Zeitalter von 280 ppmv (parts per million in volume, Millionstel Volumenanteile) auf aktuell 377 angestiegen, bei Methan stieg die Konzentration von 730 ppbv (parts per billion in volume, Milliardstel Volumenanteile) auf 1847 ppbv, bei Lachgas von 270 auf 319 ppbv. Andere Treibhausgase wie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW, englisch: HFC) oder perfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW, englisch: PFC) und Schwefelhexfluorid (SF6) kommen in der natürlichen Zusammensetzung der Erdatmosphäre nicht vor. Sie sind in ihren Konzentrationen während der letzten Jahre erheblich gestiegen.

Der TreibhauseffektDer Treibhauseffekt
Die aktuellen Konzentrationen der verschiedenen FCKW betragen heute bis zu 545 pptv (parts per trillion in volume, Billionstel Volumenanteile), bei verschiedenen HFKW 14 pptv sowie bei SF6 etwa fünf pptv. Eine besondere Brisanz ergibt sich bei den synthetischen Treibhausgasen FCKW, HFKW, FKW und SF6, weil sie teilweise außerordentlich lange in der Atmosphäre verweilen (bei SF6 beispielsweise für 3200 Jahre) sowie eine durchgängig sehr hohe Treibhauswirkung haben.

Weitgehend zweifelsfrei nachgewiesen ist inzwischen, dass diese Erhöhung der Treibhausgaskonzentrationen maßgeblich zu der im letzten Jahrhundert beobachteten Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur in Bodennähe von circa 0,74 °C (± 0,2 °C) beigetragen hat. Nun hat es natürliche Schwankungen bei den Durchschnittstemperaturen innerhalb sehr langer Perioden immer gegeben (Warm- und Kaltzeiten). Besorgniserregend ist aber nicht nur die Größenordnung des Temperaturanstieges, sondern vor allem dessen Geschwindigkeit. Niemals in den letzten 1000 Jahren ist ein derartig schneller Temperaturanstieg verzeichnet worden. Gleichzeitig ist die Konzentration des wichtigsten Treibhausgases CO2 in den letzten 20 000 Jahren niemals so schnell angestiegen. Sie verzeichnet heute Werte, die in den vergangenen hunderttausend Jahren nicht erreicht wurden.

Projektionen für die zukünftige Entwicklung der Treibhausgasemissionen und Modellrechnungen für die daraus resultierenden Klimaeffekte zeigen, dass die weltweite bodennahe Durchschnittstemperatur gegen Ende des 21. Jahrhunderts im Vergleich zu 1990 um zwischen 1,1 und 6,4 °C ansteigen könnte. Die Bandbreite der Temperaturprognosen ist dabei nicht nur auf wissenschaftliche Unsicherheiten zurückzuführen, sondern berücksichtigt vor allem verschiedene Emissionsverläufe. In Abhängigkeit von den unterstellten Emissionsverläufen ergibt sich als beste Abschätzung eine Bandbreite der Temperaturerhöhung von 1,8 bis 4,0 °C. Setzen sich die heute beobachteten Emissionstrends fort, so ist für das Jahr 2100 - ebenfalls im Vergleich zu 1990 - mit einer Temperaturerhöhung von 3,4 bis 4,0 °C (bei einer Unsicherheit der Modelle von etwa ±1 °C) zu rechnen. Die Folgen einer solch großen und schnellen Temperaturerhöhung können gravierend sein.

Folgen für Ökosysteme und Gesellschaften



Die globale Erwärmung kann zu verschiedenen Effekten führen, die wiederum erheblichen Einfluss auf Ökosysteme und menschliche Gesellschaften haben können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die durch den Treibhauseffekt bedingten Temperaturerhöhungen nicht gleichmäßig vollziehen. Vor allem über den Landmassen der Kontinente werden die Temperaturen deutlicher steigen als über den Ozeanen. Als sehr wahrscheinlich gilt heute, dass folgende Veränderungen eintreten werden:
  • Der Meeresspiegel steigt signifikant (durch die thermische Ausdehnung der Wassermassen sowie das Abschmelzen der Polarkappen),
  • Gletscher schmelzen ab,
  • die Extremtemperaturen erhöhen sich,
  • Temperaturspreizungen im Tagesverlauf vermindern sich,
  • Niederschläge werden heftiger und
  • Trockenzeiten werden länger, wodurch die Dürregefahr wächst.

Quellentext

Klimaforschung am sterbenden Gletscher

[...] Im Schneefernerhaus, 2650 Meter über Normalnull, hat der Naturwissenschaftler Ludwig Ries zwar nur ein schmuckloses Büro, dafür aber eine grandiose Aussicht: das Alpenpanorama, bei gutem Wetter mit Blick bis nach Italien. [...] Der Beamte führt Buch über die Folgen des industriellen Lebensstils.
Nirgendwo in Deutschland geht das besser als auf der Zugspitze, weit weg von Autos und Fabriken. Unverfälscht durch lokale Abgasquellen lässt sich hier oben beobachten, wie sich die Erdatmosphäre verändert. Genau das registriert Ludwig Ries, unterstützt von einer Armada maschineller Helfer.
Ries merkt zum Beispiel, wie die Erde atmet. Im Sommer, wenn die Bäume nördlich des Äquators Blätter tragen und per Fotosynthese Kohlenstoff in Sauerstoff verwandeln, misst er regelmäßig niedrigere Kohlendioxidwerte als im Winter, wenn viele Pflanzen ruhen. Allerdings beobachtet Ries auch eine andere, beängstigende Regelmäßigkeit: Jahr für Jahr, sommers wie winters, entdeckt er mehr Kohlendioxid in der Zugspitzluft - mehr von jenem an sich ungiftigen Gas, das Auspuffrohren, Kaminen, Schornsteinen entweicht, sich in der Atmosphäre ansammelt und maßgeblich für die globale Erwärmung sorgt. Davon sind jedenfalls die meisten Klimaforscher überzeugt. Ries auch. Alle fünf Minuten wertet sein sensibles Labor, eine Spezialanfertigung, ein Quäntchen Zugspitzluft aus. Ries berechnet daraus Halbstundenwerte, Tageswerte, Monatswerte, schließlich einen Jahreswert, ermittelt aus mehr als 100 000 Einzelmessungen. Es sind winzige Zahlen, mit denen sich Ries beschäftigt,sein Interesse gilt der dritten, vierten Stelle hinter dem Komma, Millionstel Anteilen Kohlendioxid in der Luft. Die unverkennbare Tendenz: Es werden immer mehr Millionstel. Im Oktober 1999, kurz nachdem Ries mit dem Messen anfing, spürte er 365 auf; im Oktober 2004 war der Wert auf 376 (Wert dieser speziellen Messstelle - Anm. d. Red.) geklettert.
11 Millionstel mehr - Laien mag das wenig erscheinen, Experten wie Ries nicht. Luftbläschen im ewigen Eis haben Forschern verraten, wie viel Millionstel CO2 früher in der Luft waren, bevor die Menschen anfingen, Kohle, Öl und Gas in großem Stil zu verbrennen: 280. Seitdem haben die Hinterlassenschaften von Fabriken, Häusern und Autos die CO2-Konzentration um rund 100 Millionstel steigen lassen, 10 Prozent davon allein während der vergangenen fünf Jahre. [...]
Wenn Ludwig Ries aus seinem Arbeitszimmer schaut, fällt sein Blick auf das Überbleibsel vermeintlich ewigen Eises: auf den sterbenden Schneeferner. Einst bedeckte der Gletscher 300 Hektar, inzwischen ist er auf weniger als 50 geschrumpft. In spätestens 25 Jahren wird er verschwunden sein, aufgeleckt von der sommerlichen Sonne: ein Opfer des Klimawandels.
Früher, zwischen 1961 und 1990, während der letzten so genannten klimatologischen Normalperiode, maßen die Beobachter des Deutschen Wetterdienstes auf dem Zugspitzgipfel sommerliche Durchschnittstemperaturen von 1,5 Grad. Der Schneeferner schrumpfte, aber die winterlichen Schneefälle ließen Eis nachwachsen. Es schneit auch heute noch auf der Zugspitze, aber die Eisverluste im Sommer macht der Neuschnee im Winter längst nicht mehr wett: 2,2 Grad zeigte das Thermometer im Sommer 1999, in den Jahren darauf 2,3, dann 2,4, schließlich 3,2, im vergangenen Jahr gar 5,2 Grad. Das allein kostete mehrere Meter Eis [...].
Weltweit ist die Durchschnittstemperatur im vergangenen Jahrhundert um 0,7 Grad gestiegen, in Deutschland um 0,9 Grad. [...] Klimaforscher wissen, dass schon kleine Veränderungen meteoro-logischer Mittelwerte extreme Wetterereignisse um ein Vielfaches wahrscheinlicher machen. Nach Feststellung des Deutschen Wetterdienstes wird Deutschland zum Beispiel deutlich häufiger als früher von so genannten Troglagen heimgesucht, einer Wetterlage, die dem Einzugsgebiet der Elbe vor zwei Jahren die heftigen Niederschläge und das verheerende Hochwasser bescherte. Derweil hat der Frankfurter Meteorologe Christian-Dietrich Schönwiese errechnet, dass die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Hitzesommers à la 2003 in den vergangenen zwei Jahrzehnten um das Zwanzigfache gestiegen ist.
"Wir spüren die Auswirkungen der globalen Klimaänderung immer deutlicher", heißt es im jüngsten Naturkatastrophen-Report der Münchener Rückversicherung. Die Hitze des vergangenen Jahres kommentiert das Unternehmen mit den Worten: "Die Zukunft hat bereits begonnen." [...]

Fritz Vorholz, "Deutschland im Fieber", in: Die Zeit Nr. 51 vom 9. Dezember 2004


Noch nicht abschließend nachgewiesen ist die durch den Klimawandel bedingte Zunahme anderer extremer Wetterereignisse wie Hurrikane oder Taifune; die Wahrscheinlichkeit solcher Effekte ist jedoch keineswegs vernachlässig-bar. Langfristig können da--rüber hinaus auch gravierende Störungen globaler Zyklen entstehen, wie zum Beispiel der irreversible Abriss des Golfstroms im Atlantik, dessen Wärmetransport das vergleichsweise warme Klima Europas sichert.

Solche Veränderungen haben Folgen. So werden gerade in Regionen, deren Wasserhaushalt ohnehin schon stark beansprucht wird, die Probleme der Wasserversorgung zunehmen. Vor neuen Herausforderungen werden aber auchRegionen stehen, deren Wasserversorgung in erheblichem Maße von Gletschern gespeist wird. Die erhöhte Niederschlagsintensität auf der einen Seite und die Gefahr von höheren Extremtemperaturen und Trockenheiten auf der anderen Seite können für die Nahrungsmittelversorgung in vielen Regionen zu Problemen führen. Sowohl der Anstieg des Meeresspiegels als auch die Niederschlagsintensitäten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Überflutungsgefährdungen für einige Regionen der Erde verstärken, wobei besonders - aber keineswegs nur - die oft dicht besiedelten Küstenregionen betroffen sind. Die Verschiebung von Klima- und Vegetationszonen und die Tendenz zu extremeren Temperaturen werden die Gesundheitsprobleme - etwa eine erhöhte Gefährdung durch Malaria, Dengue-Fieber oder Hitzestress - vergrößern. Der Zusammenhang zwischen erhöhten Extremtemperaturen und der Zahl der Todesfälle durch Hitzestress ist beispielsweise mittlerweile statistisch gut nachgewiesen.

Mit der Verschiebung von Temperatur- und Vegetationszonen wie auchder Heftigkeit verschiedener Wetterereignisse werden viele Ökosysteme der Erde (von arktischen Lebensräumen bis zu australischen Unterwasser-Riffs) durch den globalen Klimawandel absehbar unwiederbringlich geschädigt.

Karikatur: ErderwärmungKarikatur: Erderwärmung
Ein wesentliches Merkmal des Klimawandels ist, dass seine Folgen ungleich über die Erde verteilt sind. Die Kapazitäten der verschiedenen Gesellschaften, zumindest einige Effekte des Klimawandels abzuschwächen oder auszugleichen (vom Bau von Deichen und Dämmen bis zur Gesundheitsversorgung), sind höchst unterschiedlich. So ist die Verletzlichkeit vieler Entwicklungsländer mit Blick auf die Folgen des Klimawandels deutlich höher als die der hoch entwickelten Industriestaaten. Sie leiden unter ungünstigeren klimatischen Vorbedingungen, Kapitalmangel, schlechterer Infrastrukturund Defiziten in der Bildung. Nicht nur das naturwissenschaftliche Phänomen des Klimawandels,sondern auch seine politische Dimension ist globaler Natur. Die Industriestaaten verantworten heute den größten Teil der Treibhausgasemissionen mit Folgen vor allem für die Entwicklungsländer. Eine wichtige Dimension des Klimawandels ist also auch die globale Verteilungswirkung seiner Folgen. Vor diesem Hintergrund erwachsen aus der Klimaproblematik auch erhebliche sicherheitspolitische Probleme und Handlungsnotwendigkeiten.

Die verschiedenen Mechanismen des globalen Klimawandels und seine Folgen für Natur und Menschen sind noch längst nicht abschließend erforscht. Doch die bereits vorliegenden wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse machen es möglich und notwendig, Zielvorgaben festzuschreiben, mit denen die Folgen des Klimawandels auf ein gerade noch tolerier- bzw. kompensierbares Maß begrenzt werden könnten.

Von zunehmender Bedeutung ist hier der "2 Grad-Ansatz", nach dem die Erhöhung der globalen Mitteltemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf maximal zwei Grad im Vergleich zu dem Temperaturniveau in der vorindustriellen Zeit begrenzt werden soll. Als zusätzliche Bedingung wird in einigen Analysen gefordert, neben dieser langfristigen Begrenzung die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs auf maximal 0,2 °C pro Dekade zu reduzieren.

Übertragen auf die damit verbundene Begrenzung der weltweiten Treibhausgasemissionen bedeutet dies, deren Aufkommen - je nach zeitlicher Ausprägung des Emissionsverlaufs (wann wird der weltweite Höhepunkt der Emissionen erreicht und wie schnell werden sie dann vermindert) - bis Mitte des Jahrhunderts um mindestens 50 Prozent zu reduzieren und bis zum Ende des Jahrhunderts nahezu vollständig zu vermeiden.



 

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Ein schmelzender Eisberg, aufgenommen am 19. Juli 2007 vor der Insel Ammassalik in Ostgroenland. Die fuehrenden Industrienationen kommen am Mittwoch, 8. Juli 2009, beim G-8-Gipfel in L'Aquila, Italien, zusammen, um ueber die Wirtschaftskrise und den Klimaschutz zu beraten. (ddp images/AP Photo/John McConnico) --- FILE - This is a July 19, 2007 file photo of an iceberg as it melts off Ammassalik Island in Eastern Greenland. (ddp images/AP Photo/John McConnico)Dossier

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