Umweltpolitik
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Mobilität und Verkehr


6.5.2008
Mobilität ist ein hohes Gut. Gleichzeitig verursacht sie ökologische und wirtschaftliche Kosten. Weltweit wächst der Verkehr stetig - besonders in Schwellenländern wie China und Indien. Das erfordert besondere umweltpolitische Anstrengungen.

Auch der alltägliche Verkehr trägt zur Luftverschmutzung bei. Viele Städte versinken im Verkehrschaos. Wie hier in Manila, wenn nichts mehr geht.Auch der alltägliche Verkehr trägt zur Luftverschmutzung bei. Viele Städte versinken im Verkehrschaos. Wie hier in Manila, wenn nichts mehr geht. (© Joachim Fried)

Einleitung



Mobilität von Personen und Gütern ist eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren unserer arbeitsteiligen Volkswirtschaft. Sie ermöglicht uns hochwertige Arbeitsplätze zu erreichen, ein großes Warenangebot oder auch Fernreisen und Tourismus. Auf der individuellen Ebene wird Mobilität eng verknüpft mit Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit. Gerade das Automobil ist für viele Menschen zum Symbol gesellschaftlicher Teilhabe und Unabhängigkeit geworden.

Entwicklung des Güter- und PersonenverkehrsEntwicklung des Güter- und Personenverkehrs
Mobilität und Verkehr auf der Straße, der Schiene, in der Luft- und in der Schifffahrt verursachen jedoch auch erhebliche ökologische, soziale und ökonomische Schäden und Belastungen. So beträgt der Anteil des Verkehrs an den Luftschadstoffemissionen bei Kohlenmonoxid und Stickstoffoxiden, die zu einer Schädigung der Atmungsorgane führen können, mehr als 50 Prozent. Verantwortlich dafür ist der Straßenverkehr, was vor allem auf das spürbare Verkehrswachstum in den letzten Jahren und Jahrzehnten zurückzuführen ist (siehe Tabelle). Prognosen zufolge muss von einer weiteren Zunahme des Verkehrs ausgegangen werden.

Belastungen von Mensch und Umwelt



Der so genannte Modal Split bezeichnet die Aufteilung des Verkehrsaufkommens oder der Verkehrsleistung auf die verschiedenen Verkehrsträger. Der Straßenverkehr nimmt dabei sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr den weitaus größten Anteil ein. Vom Autoverkehr wird ein breites Spektrum an Schadstoffen ausgestoßen, das aus der Treibstoffverbrennung sowie von verschiedenen Teilen des Fahrzeugs stammt (zum Beispiel Tropfverluste und Korrosionsprodukte). Hinzu kommen die bei der Tankbelüftung entweichenden Gase und der Abrieb von Reifen, Bremsen und Straßenbelag.

Verteilung der VerkehrsleistungVerteilung der Verkehrsleistung
Die Kraftfahrzeug-Emissionen werden entweder in unveränderter Form direkt wirksam oder sie erfahren in der Atmosphäre chemische Umwandlungen, sodass sich neue Verbindungen bilden, etwa das aus dem Sommersmog bekannte Ozon. Den Hauptanteil an den Schadstoffen haben Abgaskomponenten wie Stickstoffoxide, Kohlenmonoxid, flüchtige Kohlenwasserstoffe (ohne Methan), Benzol, Staub- und Rußpartikel.

Die Schadstoffe verteilen sich unterschiedlich auf Diesel- und Benzinmotoren. Während Benziner Hauptverursacher für Kohlenmonoxid- und Kohlenwasserstoffemissionen sind, tragen Dieselmotoren fast vollständig zu den Partikelemissionen bei. Darunter befinden sich auch die für den Menschen besonders gefährlichen Feinstäube. Neben dem Motortyp beeinflussen auch andere Parameter den Schadstoffausstoß: Ein hoher Stickstoffoxidanteil im Abgas entsteht bei hohen Geschwindigkeiten, Kohlenmonoxid findet sich eher in der Luft dicht besiedelter Gebiete, in denen niedrige Geschwindigkeiten gefahren werden. Auch ein stockender Verkehrsfluss mit vielen Staus führt zu einem Anstieg der Emissionen.

Anteil der Abgasemissionen des StraßenverkehrsAnteil der Abgasemissionen des Straßenverkehrs
Die toxischen Wirkungen der genannten Schadstoffe betreffen zum einen den Menschen direkt, indem er sie über die Atemluft aufnimmt. Zum anderen werden auch Tiere und Pflanzen geschädigt, wobei die aufgenommenen Schadstoffe über die Nahrungskette beim Menschen indirekt wirksam werden. Die Wirkungen lassen sich in zwei Teilbereiche zerlegen: Einige Schadstoffe können die Atmungsorgane reizen oder schädigen (CO, NOx, O3, SO2), andere wirken krebsfördernd (Benzol, Rußpartikel). Weiterhin weisen erste Forschungsergebnisse darauf hin, dass Luftverunreinigungen das Entstehen von Allergiekrankheiten fördern.

CO2-Emissionen

CO2, also Kohlendioxid, ist kein Schadstoff im eigentlichen Sinn. Es wird von Pflanzen zum Wachstum und zur Produktion von Sauerstoff benötigt. Allerdings trägt der hohe und immer weiter steigende Kohlendioxidausstoß des Verkehrs zum Treibhauseffekt bei. Dabei wird kontrovers diskutiert, wie hoch der anthropogene, also der von Menschen verursachte Anteil am Treibhauseffekt ist. Dass es einen anthropogenen Anteil gibt, gilt jedoch inzwischen als sicher.

Co2-Ausstoß nach VerursachernCo2-Ausstoß nach Verursachern
Der Anteil des Verkehrs am Kohlendioxidausstoß in Deutschland liegt mit 21 Prozent hinter dem Energiesektor (46 Prozent) an zweiter Stelle. Der Ausstoß pro Automobil konnte seit 1990 zwar durch sinkenden Verbrauch reduziert werden, durch den steigenden Verkehr nahmen die Gesamtemissionen des Kfz-Sektors jedoch zu. Dennoch geht der Gesamtausstoß von CO2 seit 1990 in Deutschland zurück, Hauptanteil an diesem Rückgang haben effizientere Industrieanlagen.

Weltweit ist ein gegenteiliger Trend zu beobachten. Von 1990 bis 2005 stiegen die CO2-Emissionen um 27 Prozent an, mit Blick auf die fortschreitende Motorisierung in den wachstumsstarken Ländern Asiens ist in den kommenden Jahren mit weiteren Emissionssteigerungen zu rechnen. Allein in China - mit derzeit über fünf Millionen neu zugelassenen PKW pro Jahr - wächst der Automarkt jährlich um etwa 20 Prozent. Der weltweite Anteil des Verkehrs am CO2-Ausstoß beträgt etwa ein Viertel.

Lärm

Lärm wird definiert als unerwünschter, störender oder gesundheitsschädlicher Schall, der von einer Beeinträchtigung des seelischen und körperlichen Wohlbefindens bis zu schweren Hörstörungen führen kann. Lärm ist wesentlich ein subjektives Phänomen. So wird zum Beispiel ein Meeresrauschen von 60 bis 70 Dezibel (genauer: dB(A), Maßeinheit für die Lautstärke) kaum als Lärm empfunden, während die gleiche Lautstärke ausgehend von einer verkehrsreichen Straße oft schon zu einer deutlichen subjektiven Belastung führt. Nach einer Untersuchung des Umweltbundesamtes ist der Hauptverursacher für die Lärmbelästigung der Straßenverkehr. 60 Prozent der Bevölkerung fühlen sich durch ihn mindestens etwas gestört. Der Luftverkehr ist gemessen an seinem Anteil an der Verkehrsleistung überproportional häufig für Lärm verantwortlich, 32 Prozent der Bevölkerung empfinden ihn als störend.

LärmLärm
Im Straßenverkehr geht die höchste Lärmemission (80 dB(A), gemessen bei Vorbeifahrt in 7,5 Meter Entfernung) von schweren LKW über 150 Kilowatt Motorleistung sowie von großen Motorrädern aus. Personenkraftwagen sind mit 74 dB(A) zwar die leisesten Fahrzeuge, trotzdem stellen sie aufgrund ihrer hohen Anzahl auf den Straßen die Hauptlärmquelle dar.

Die Beeinträchtigung des seelischen und körperlichen Wohlbefindens durch Lärm kann sich in vielfältiger Weise äußern. So kann Lärm die Kommunikation behindern, zu Nervosität führen und die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit herabsetzen. Des Weiteren kann es zu körperlichen Auswirkungen kommen. 31 Prozent der Bevölkerung sind nachts einem Geräuschpegel, verursacht vom Straßenverkehr, von über 50 dB(A) ausgesetzt, der zu Schlafstörungen führen kann. Tagsüber beträgt die Lärmbelastung bei 15,6 Prozent der Menschen in Deutschland mehr als 65 dB(A). Ab diesem Wert sind erhöhte Risiken zum Beispiel für Herzkreislauferkrankungen zu befürchten.

Soziale und wirtschaftliche Schäden

Der Verkehr verursacht soziale und wirtschaftliche Schäden vor allem durch Unfälle und Staus. Bei der Anzahl schwerer Unfälle mit getöteten Personen gibt es große Unterschiede zwischen den Verkehrsträgern. Während im Jahr 2003 in Deutschland 6613 Personen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben kamen, lag diese Zahl für den Eisenbahnverkehr bei 173 und im Luftverkehr bei 43 Getöteten. Bei der Binnenschifffahrt starben zwei Personen. Die Mehrzahl an Straßenverkehrsopfern überrascht angesichts der Bedeutung des Straßenverkehrs zunächst nicht, allerdings ist ihr Anteil mit 97 Prozent (bei einem Straßenverkehrsanteil von circa 75 Prozent) überproportional hoch. Dennoch nimmt die Zahl der Unfälle, der Getöteten und Verletzten seit dem Höchststand 1970 kontinuierlich ab.

Abgesehen von den Auswirkungen auf das Schicksal der Betroffenen verursachen Verkehrsunfälle volkswirtschaftliche Schäden. Sie ergeben sich durch:
  • Produktionsausfall der verletzten oder getöteten Personen,
  • Behandlungs- und Krankenhauskosten,
  • materielle Schäden,
  • Schäden der Opfer und ihrer Angehörigen,
  • Kosten für Polizei und Rettungsdienste sowie
  • Kosten der Gerichtsbarkeit und der Versicherungen.
Nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung der Universität Karlsruhe (IWW) aus dem Jahr 2004 tragen die Unfallkosten mit knapp einem Viertel zu den Gesamtkosten des Verkehrs bei und wurden für Westeuropa in Höhe von 156 Milliarden Euro ermittelt. Den weitaus überwiegenden Anteil der Unfallkosten verursacht der Straßenverkehr und davon wiederum zu über 70 Prozent (114 Milliarden Euro) der PKW-Verkehr.

Verkehrsstaus treten immer dann auf, wenn die maximale Leistungsfähigkeit einer Verkehrsinfrastruktur (zum Beispiel Straße, Bahnlinie, Schleuse, Flugplatz) aufgrund einer zu hohen Verkehrsnachfrage überschritten wird. Die Folge sind Störungen des Verkehrsflusses bis hin zu einem vollständigen Verkehrsstillstand. Trotz zunehmender Staus auch im Flugverkehr, etwa Verspätungen durch Überlastung der Flugsicherung oder der Abfertigung, ist der Hauptproblemträger wiederum der Straßenverkehr. In Folge der Staus kommt es zu erhöhten Emissionsbelastungen, da bei Stop-and-go-Verkehr der Kraftstoffverbrauch und der Schadstoffausstoß in Relation zur gefahrenen Strecke überproportional ansteigen. Außerdem nimmt der Zeitaufwand für die zurückzulegende Strecke zu. Betroffen sind sowohl der Fernverkehr (Autobahnstau) als auch der Nahverkehr in den Städten, täglich für alle Berufspendler zu beobachten während der rush hour. Berechnungen des ADAC zufolge entsteht der deutschen Volkswirtschaft allein durch Straßenverkehrsstaus jährlich ein Schaden durch Arbeitszeitverluste in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro. Zusätzlich gehen nach Schätzungen des Deutschen Verkehrsforums circa 20 Prozent des Jahresverbrauchs an Kraftstoff durch Staus verloren.

Sonstige Belastungen

Die Verkehrsträger verursachen weitere Belastungen. Zum einen entstehen bei der Entsorgung der Verkehrsmittel (insbesondere PKW) Abfallbelastungen und Recyclingkosten. Zum anderen sind mit der Errichtung und dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur Landschaftsverbrauch und Bodenversiegelung verbunden - der Abfluss des Niederschlags bereitet dann oft Probleme, und das Landschaftsbild ist ästhetisch beeinträchtigt. In Deutschland beträgt die durch den Verkehr genutzte Fläche 4,9 Prozent des Bundesgebietes, also gut 17 500 Quadratkilometer. Außerdem gehen von Verkehrswegen Trennwirkungen aus, indem sie die natürlichen Lebensräume der Tierwelt zerschneiden, was sich ungünstig auf Tierpopulationen auswirken kann. Auch die menschlichen Lebensräume sind von den Trennwirkungen negativ betroffen, indem sie die Siedlungsgebiete zerteilen und damit die Kommunikation erschweren. Nicht zuletzt ist der Verbrauch von natürlichen Ressourcen, insbesondere des für die Kraftstoffproduktion nötigen Erdöls, eine beachtenswerte negative Folgeerscheinung des Verkehrs. So beträgt nach einer Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) der Anteil des Verkehrssektors am weltweiten Ölverbrauch etwa 57 Prozent.



 

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