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Entwicklung und Entwicklungspolitik

9.6.2005 | Von:

Glossar

Gini-Koeffizient
statistisches Maß, das die Abweichung einer gegebenen Verteilung beispielsweise von Land oder Einkommen in einer Volkswirtschaft von einer vollkommenen Gleichverteilung widerspiegelt. Je höher der Wert des Gini-Koeffizienten, der zwischen 0 und 1 liegen kann, ausfällt, desto ungleicher sind die untersuchten Kenngrößen verteilt.

Globalisierung
Sammelbegriff für alle Prozesse im Zusammenhang mit den wachsenden weltweiten Verflechtungen zwischen Staaten, Gesellschaften und Volkswirtschaften, die vor allem durch Veränderungen in der Kommunikationstechnologie und im Transportwesen bedingt sind.

Good Governance
Gutes Regierungshandeln, das nach allgemeinem Verständnis charakterisiert wird durch eine Reihe von Kriterien wie zum Beispiel Wahrung der Menschenrechte, Beteiligung der Bevölkerung an politischen Entscheidungen, Rechtsstaatlichkeit, eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung sowie entwicklungsorientiertes und effizientes Staatshandeln. Im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit wird die Vergabe von Entwicklungshilfe zunehmend an die Gewährleistung dieser Standards von Seiten der Empfängerländer geknüpft.

Grundbedürfnisstrategie
Entwicklungsstrategie, die darauf abzielt, die Grundbedürfnisse einer möglichst großen Zahl von Menschen zu befriedigen. Dies beinhaltet neben der Bereitstellung einer Mindestausstattung mit Gütern des privaten Gebrauchs wie Nahrung, Kleidung und Wohnraum auch die Sicherung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen wie beispielsweise die Versorgung mit sauberem Trinkwasser.

Gruppe der 77
Zusammenschluss von 132 Entwicklungsländern (2004) bei den Vereinten Nationen, die als eine Art "Gewerkschaft" der Dritten Welt die gemeinsamen Interessen dieser Ländergruppe auf internationaler Ebene vertritt. Sie besitzt eine vergleichsweise lose Organisationsstruktur und ist mit der Schwierigkeit konfrontiert, die stark unterschiedlichen Interessenlagen ihrer Mitglieder in einheitlichen Positionen zu vereinen. Internet: www.g77.org

GTZ
Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Bundeseigene, privatrechtlich als GmbH organisierte Gesellschaft, die im Auftrag des BMZ die Technische Zusammenarbeit (TZ) abwickelt. Internet: www.gtz.de

HDI
Human Development Index. Index der menschlichen Entwicklung, der vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) anhand der drei Indikatoren Lebensdauer, Bildung und Lebensstandard für gegebene Staaten berechnet wird. Bei möglichen Indexwerten zwischen 0 und 1 werden die untersuchten Länder in drei Klassen eingeteilt: Länder mit einem high human development (HDI zwischen 0,8 und 1), Länder, die ein medium human development (HDI zwischen 0,5 und 0,8) verzeichnen und abschließend Länder mit einem low human development (HDI unter 0,5).

HIPC-Initiative
Highly Indebted Poor Countries-Initiative. Initiative für hochverschuldete Länder; die zurückgehend auf einen Beschluss der Weltbank und des IWF im Jahre 1996 das Ziel verfolgt, die Schuldenlast für die Gruppe der hochverschuldeten Länder auf ein "tragfähiges" Maß zu reduzieren. Eine Erweiterung und Konkretisierung der Initiative wurde 1999 auf dem Kölner Weltwirtschaftsgipfel beschlossen, wobei die konkreten Reformmaßnahmen (vor allem Armutsbekämpfung) in Absprache mit den internationalen Finanzinstitutionen von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren des betroffenen Landes erarbeitet werden.

IDA
International Development Association; Internationale Entwicklungsorganisation. 1960 ge--gründete Tochterorganisation der Weltbank, die Kredite zu Vorzugsbedingungen an ärmere Entwicklungsländer mit einem BSP pro Kopf von zurzeit weniger als 865 US-Dollar vergibt. Internet: www.worldbank.org

Importsubstitution
Durch verstärkte Industrialisierung und Auffächerung der Produktionspalette soll die Herstellung bislang importierter Produkte im Inland ermöglicht werden mit dem Ziel, finanzielle Einsparungen und eine größere Unabhängigkeit vom Außenhandel zu erreichen. Allerdings birgt diese Strategie das Risiko einer Abschottung gegenüber dem Weltmarkt.

Informeller Sektor (auch "Schattenwirtschaft" oder "Parallelökonomie")
wichtiger Teilbereich der Wirtschaft vieler Entwicklungsländer, der durch arbeitsintensive Produktion sowie schlecht bezahlte und gering qualifizierte Arbeit gekennzeichnet ist und vor allem im Dienstleistungs- und Handelsbereich weit verbreitet ist (zum Beispiel: Schuhputzer, Straßenverkäufer).


InWEnt
Internationale Weiterbildung und Entwicklung GmbH. Aus der Zusammenführung der Carl-Duisberg-Gesellschaft und der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung entstandene Organisation der personellen Zusammenarbeit (PZ). Internet: www.inwent.org

IWF
Internationaler Währungsfonds (auch International Monetary Fund - IMF). 1944 gegründete Finanzorganisation mit Status einer Sonderorganisation bei den Vereinten Nationen. Die Ziele des IWF beinhalten eine verstärkte Zusammenarbeit seiner Mitglieder im Bereich der Währungspolitik, eine Förderung des weltweiten Handels und im Falle von Währungskrisen die finanzielle Unterstützung seiner Mitglieder in Form von Krediten. Internet: www.imf.org

KfW-Bankengruppe
Kreditanstalt für Wiederaufbau als Zentrum dieser Bankengruppe. Öffentlich-rechtliches Kreditinstitut, das neben anderen Aufgaben, wie z.B. Wiederaufbau und Förderung der deutschen Wirtschaft, im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit vom BMZ mit der Abwicklung der FZ beauftragt ist. Internet: www.kfw.de

LDC
Least Developed Countries. Die "am wenigsten entwickelten Länder" sind eine Teilgruppe der Entwicklungsländer.

Lomé-Abkommen
In regelmäßigen Abständen erneuerte vertragliche Regelungen der Zusammenarbeit von EU und AKP-Staaten, benannt nach dem ersten Verhandlungsort, der togolesischen Hauptstadt Lomé. Im Jahr 2000 wurden die Kooperationsverträge von Lomé durch das Abkommen von Cotonou ersetzt.

Millenniumsziele
Nach dem Auslaufen der vierten Entwicklungsdekade auf einer Gipfelkonferenz der VN im Jahr 2000 beschlossenes Aktionsprogramm, mit dem Entwicklungsdefizite in zentralen sozialen, ökonomischen und politischen Bereichen überwunden werden sollen (Zeitrahmen überwiegend bis 2015).

Nachhaltige Entwicklung
sustainable development. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung soll gemäß der Definition der Brundtland-Kommission gewährleistet werden, "dass die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse zu beeinträchtigen." Grundlage einer nachhaltigen Entwicklungsstrategie ist somit die gleichzeitige Berücksichtigung sozialer, ökonomischer und ökologischer Faktoren, die in Einklang gebracht werden müssen.

NEPAD
New Partnership for Africa's Development; Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung. Aus verschiedenen Vorläuferprogrammen hervorgegangene und 2001 beschlossene Initiative afrikanischer Staaten, in dessen Rahmen die Mitgliedsstaaten ihre kollektive Eigenverantwortung für die Initiierung von Entwicklung und Wachstum auf dem Kontinent betonen. Die Umsetzung von Prinzipien der good governance, zu denen sich die Mitgliedsstaaten bekennen, soll in besonderer Weise durch die Einsetzung eines gegenseitigen Beobachtungs- und Beurteilungsprozesses der afrikanischen Staaten gewährleistet werden. Internet: www.nepad.org

NRO
Nicht-Regierungsorganisation (auch: NGO, Non-Governmental Organisation). Nach einem breiten Verständnis können alle Organisationen der Zivilgesellschaft, die also nicht zum staatlichen Sektor gehören, als NRO bezeichnet werden.

NWWO
Neue Weltwirtschaftsordnung. Bezeichnung für eine von den Entwicklungsländern insbesondere in den 1970er Jahren geforderte Veränderung des internationalen Wirtschaftssystems. Auf der Grundlage eines umfassenden Forderungskatalogs verfolgten sie das Ziel, ihre benachteiligte Stellung in der Weltwirtschaft abzubauen.

OA
Official Aid for Countries and Terretories in Transition. Öffentliche Hilfe für Transformationsländer (insbesondere osteuropäische Staaten), die nicht der ODA zugerechnet wird.

ODA
Official Development Assistance; Öffentliche Entwicklungshilfe. Laut Definition des DAC zählen all jene Leistungen zur ODA, die aus öffentlichen Mitteln stammen, ein Zuschusselement von mindestens 25 Prozent enthalten und darauf abzielen, die Lebensbedingungen in den vom DAC anerkannten Entwicklungsländern zu verbessern.

OECD
Organization for Economic Cooperation and Development. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ursprünglich als Koordinierungsinstrument der Wirtschaftspolitik der westlichen Industrieländer gegründet. Im Verlauf der Zeit hat sie sich für einen breiteren Themen- und Mitgliederkreis geöffnet. Internet: www.oecd.org

OPEC
Organization of the Petroleum Exporting Countries. Organisation erdölexportierender Länder, die im Interesse ihrer derzeit elf Mitgliedstaaten, die mehr als Dreiviertel aller weltweiten Rohölvorkommen kontrollieren, danach strebt, durch Absprachen über Ölfördermengen und Ölpreise den weltweiten Preis für den Rohstoff Öl auf einem hohen Niveau zu stabilisieren. Internet: www.opec.org

Pariser Klub
Informeller Zusammenschluss westlicher Industrieländer, die in ihrer Funktion als Hauptgläubiger der hoch verschuldeten Entwicklungsländer im Falle von Verschuldungskrisen über Umschuldungen (zum Beispiel Vereinbarung längerer Zahlungsfristen, Senkung des Zinssatzes) oder den Schuldenerlass beraten. Internet: www.clubdeparis.org

Pearson-Kommission
Eine 1968 von der Weltbank eingesetzte "Kommission für internationale Entwicklung", der unter dem Vorsitz des ehemaligen kanadischen Ministerpräsidenten, Lester B. Pearson, sieben Wirtschaftsexperten überwiegend aus Industrieländern angehörten. Sie legten 1969 ihren viel beachteten Bericht "Partners in Development" vor, indem sie die Resultate von zwanzig Jahren Entwicklungshilfe bilanzierten und Empfehlungen für die Zukunft gaben.