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Entwicklung und Entwicklungspolitik

9.6.2005 | Von:

Glossar

Personelle Zusammenarbeit (PZ)
Im Bereich der PZ umfasst die Entwicklungszusammenarbeit insbesondere drei Bereiche: die Vorbereitung und Durchführung der Entsendung von Fachkräften aus Industrieländern in Entwicklungsländer, die Aus- und Weiterbildung von Personen aus Entwicklungsländern sowie die Unterstützung von Fachkräften aus Entwicklungsländern bei der Integration auf dem Arbeitsmarkt ihres Heimatlandes. Dabei gilt es im Rahmen der PZ, einerseits von Seiten der industrialisierten Länder Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, andererseits bereits vorhandene Potenziale der Menschen aus Entwicklungsländern nicht an ihrer Entfaltung zu behindern (siehe auch Finanzielle Zusammenarbeit und Technische Zusammenarbeit, DED).

Primärgruppen
Gruppen im unmittelbaren Nahbereich (zum Beispiel Familie, Dorfgemeinschaft), die grundlegenden und prägenden Einfluss auf die Sozialisation, Wertbindung und Identitätsbildung des Gruppenmitglieds ausüben.

Public-Private-Partnership (PPP)
Öffentlich - private Partnerschaft. Kooperationen von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren (v.a. Wirtschaftsunternehmen), die auch im Falle von Entwicklungsprojekten zu finden sind.

Rio-Deklaration
Als Schlussdokument der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 legte die Rio-Deklaration in insgesamt 27 Prinzipien die grundlegenden ökologischen Rechte und Pflichten der Menschen fest, deren Umsetzung Gegenstand der Agenda 21 ist. Eine Überprüfung der Umsetzung erfolgte auf dem Weltgipfel in Johannesburg 2002.

Schwellenländer
(auch Newly Industrializing Countries - NIC oder emerging countries/markets, aufkommende Länder/Märkte). Teilgruppe unter den Entwicklungsländern, die aufgrund erfolgreicher Industrialisierungsprozesse die typischen strukturellen Merkmale der Entwicklungsländer überwunden haben und an der Schwelle zum Industrieland stehen. Die Klassifizierung als Schwellenland erfolgt anhand unterschiedlicher Kriterien, unter anderem dem Pro-Kopf-Einkommen.

Self-reliance (oder auch Collective Self-reliance, "kollektive Eigenständigkeit?)
Der Begriff self-reliance stellt auf Entwicklungsprozesse aus eigener Kraft ab, unter anderem unterstützt durch Massenmobilisierung und Partizipation der Bevölkerung. Die vor allem in den siebziger Jahren in der Dritten Welt propagierte Strategie der "kollektiven Eigenständigkeit" beinhaltet zum einen den Ausbau der Gegenmachtpositionen der Entwicklungsländer gegenüber den Industrieländern in der internationalen Politik. Zum anderen sollte größere Eigenständigkeit durch eine intensivierte politische, wirtschaftliche, technologische und kulturelle Zusammenarbeit der Entwicklungsländer erzielt werden.

SILIC
Severely Indebted Low-Income Countries; hochverschuldete Länder mit niedrigem Einkommen, von der Weltbank verwendete Klassifikation.

SIMIC
Severely Indebted Middle-Income Countries. Hoch verschuldete Länder mit mittlerem Einkommen.

Strukturanpassung
Bezeichnet ein Bündel wirtschaftspolitischer Maßnahmen, zu deren Umsetzung Entwicklungsländer verpflichtet sind, wollen sie von Krediten der Weltbank und des IWF bzw. von der Entschuldungsinitiative HIPC profitieren. Durch weit reichende wirtschaftspolitische Vorgaben (Konditionalitäten) der Deregulierung und Privatisierung soll kurzfristig das Ziel erreicht werden, die Kreditwürdigkeit der betroffenen Staaten wiederherzustellen sowie mittel- bis langfristig die Wachstumschancen der jeweiligen Wirtschaften zu fördern. Unter anderem aufgrund der hohen sozialen Kosten, die oftmals die Umsetzung der Strukturanpassungsprogramme begleiten und insbesondere die armen Bevölkerungsschichten benachteiligen, sind die Maßnahmen der Strukturanpassung heftig umstritten.

Subsistenzwirtschaft
Landwirtschaftliche Produktion, die überwiegend oder ausschließlich dem direkten Eigenverbrauch und nicht der Belieferung von Märkten dient.

Technische Zusammenarbeit (TZ)
Nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" werden im Rahmen der TZ technische, wirtschaftliche und organisatorische Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt sowie die Rahmenbedingungen für ihre Anwendbarkeit verbessert. Dies soll ermöglichst werden u.a. durch die Entsendung von Beratern, Sachverständigen und die Lieferung einschlägiger Hilfsmittel. Nach der Finanziellen Zusammenarbeit ist die TZ im Rahmen der deutschen EZ von großer Bedeutung und wird von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) durchgeführt.

Terms of Trade
Austauschverhältnis der Import- und Exportpreise eines Landes. Mit unterschiedlichen Konzepten und Berechnungen der Terms of Trade wird versucht, die Wohlfahrtsgewinne bzw. -verluste durch Außenhandel zu erfassen.

Transnationale Unternehmen (auch transnationale Konzerne)
Nach einer engen Definition Bezeichnung für Unternehmen, in deren Besitz sich mindestens eine, oftmals auch mehrere ausländische Tochtergesellschaften befinden.

UNCTAD
United Nations Conference on Trade and Development; Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung. Als ständiges Organ der Vereinten Nationen werden im Rahmen der in Abstand von jeweils vier Jahren stattfindenden Konferenzen Fragen des Welthandels diskutiert. Die Konferenz verfolgt das Ziel, eine bessere Integration der Entwicklungsländer in den weltweiten Wirtschaftsprozess zu erreichen. Die Entwicklungsländer nutzten die auf ihr Drängen hin ins Leben gerufene Konferenz als Plattform, um in den 1970er Jahren ihre Forderungen nach einer Neuen Weltwirtschaftsordnung (NWWO) zu verwirklichen. Internet: www.unctad.org

UNDP
United Nations Development Programme; Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. 1965 gegründet koordiniert es seit 1970 die entwicklungspolitischen Programme und Aktivitäten der Vereinten Nationen. In seinem jährlich veröffentlichten "Human Development Report" legt das UNDP eine umfassende Analyse der sozialen Entwicklungen in der Welt vor. Internet: www.undp.org

VENRO
Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. umfasst als freiwilliger Zusammenschluss rund 100 deutsche Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind. Internet: www.venro.org

Vereinte Nationen (VN)
(United Nations Organization - UNO). Die 1945 als Nachfolgerin des Völkerbundes ins Leben gerufene internationale Organisation verfolgt laut Gründungsurkunde das Ziel, weltweiten Frieden und Sicherheit zu garantieren. Als einzige universale Organisation besteht die Mitgliedschaft der UN aus allen derzeit souveränen Staaten der Erde (2004: 191). Internet: www.un.org

Vier "kleine" Tiger
Verbreitete Bezeichnung für die vier süd-ostasiatischen "Wirtschaftswunderländer" Hongkong, Singapur, Südkorea und Taiwan.

Weltbank / Weltbankgruppe (IBRD)
Die aus fünf verschiedenen Organisationen bestehende Weltbankgruppe ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Dabei bezieht sich der Begriff der Weltbank vornehmlich auf die beiden Tochterorganisationen IBRD (International Bank for Reconstruction and Development) und IDA, die in der Rolle des wichtigsten Geldgebers in der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit Kredite an Entwicklungsländer vergeben (siehe auch Strukturanpassung). Internet: www.worldbank.org

WTO
World Trade Organization; Welthandelsorganisation. Als "Erweiterung" des GATT verfolgt die WTO das grundsätzliche Ziel, durch den Abbau von Handelshemmnissen einen möglichst freien weltweiten Handel zu ermöglichen. Zu diesem Zweck verhandeln die Mitgliedsstaaten der WTO über zentrale handelspolitische Fragen und können im Falle von Streitfragen im Bereich der Handelspolitik das Schlichtungsverfahren der Organisation in Anspruch nehmen. Internet: www.wto.org

Zuschusselement
Messgröße für den Grad der Vergünstigung von Krediten (siehe auch ODA).