Russland

3.2.2004 | Von:

Kultur und Bildungswesen

Wissenschaft und Forschung

Anders als in Deutschland ist die Forschung weitgehend vom Hochschulbetrieb abgetrennt. Neben ihren Lehr- und Ausbildungsaufgaben betreiben die Hochschulen nur in begrenztem Umfang Forschungsaktivitäten, überwiegend im Bereich der Grundlagenforschung. Von circa 420000 in der Wissenschaft Tätigen in Russland gehören derzeit etwas mehr als die Hälfte dem Hochschulbereich an. An der Spitze der wissenschaftlichen Einrichtungen steht weiterhin die renommierte und traditionsreiche, inzwischen aber finanziell ausgeblutete und personell überalterte Akademie der Wissenschaften mit ihren verschiedenen Abteilungen und zahlreichen dezentralisierten Einzelinstituten.

Kennzeichnend ist die unterschiedliche Entwicklung in den humanwissenschaftlichen und den naturwissenschaftlich-technischen Fächern, die bei den Studierenden erst in jüngster Zeit wieder an Beliebtheit zunehmen. Unterschiede bestanden nicht nur beim finanziellen Bedarf des Studien- und Forschungsbetriebes, sondern auch bei der ideologischen Ausrichtung. Die internationale Öffnung brachte große inhaltliche Herausforderungen sowie neue Kooperationsmöglichkeiten mit sich, die sich jedoch zum Beispiel in der physikalischen Forschung völlig anders als in der Rechtswissenschaft auswirkten. Als ein zentraler Förderer naturwissenschaftlicher und technischer Grundlagenforschung sowie ihrer angewandten Zweige war der "militärisch-industrielle Komplex" weggefallen, zu dem die Rüstungsindustrie, die Weltraumfahrt und die Atomforschung gezählt hatten. Auf Grund ihrer Kostenintensität brachte der Umbruch hier äußerst ungünstige Folgen mit sich.

Um den fortlaufenden Personalverlust sowie den weiteren Rückgang der Forschungsaktivitäten in diesen Wissenschaftsbereichen zu beenden, hat die Regierung eine Reihe von finanziellen Förderprogrammen aufgelegt sowie im März 2002 eine neue Konzeption zur längerfristigen Entwicklung auf dem Gebiet von Wissenschaft und Technologie vorgelegt. Im Mittelpunkt der gezielten Förderung durch den Staat stehen die Informations- und Kommunikationstechnologie, die Raumfahrt- und Rüstungstechnologie sowie die Produktions-, Energie-, Transport- und Umwelttechnologie. Andere Wissenschaftszweige werden darauf verwiesen, sich verstärkt mittels wissenschaftlicher Service- und sonstiger Dienstleistungen über die Privatwirtschaft und deren Aufträge zu finanzieren. Eine weitere Lösung wird in den dafür geeigneten Disziplinen in einer Integration der Forschung in den Hochschulbereich gesucht; die Einbindung hat bislang jedoch nur geringe Fortschritte erzielt.

Im letzten Jahrzehnt sind große internationale Organisationen wie Weltbank, UNESCO, Europäische Union und zahlreiche ausländische Stiftungen zu einer auch von der Regierung hochgeschätzten Quelle der Wissenschafts- und Forschungsförderung geworden. Die gegenwärtigen Anstrengungen, das teilweise bereits erfolgte Zurückfallen hinter Länder der dritten Welt aufzuhalten und Russland auf dem Gebiet von Wissenschaft und Forderprogramme bewogen.