Deutschland in den 70er/80er Jahren

Zu diesem Heft

21.5.2002
Honecker und Kohl, Friedensbewegung und RAF, Mangelwirtschaft und Massenarbeitslosigkeit: Die innenpolitische Entwicklung der beiden deutschen Staaten in den letzten Jahrzehnten vor der Vereinigung wird nachgezeichnet und analysiert. Ein Themenheft der "Informationen zur politischen Bildung".

"Honeckers Vorgänger Walter Ulbricht hatte den Investitionen, dem Ausbau der industriellen Basis, den Vorrang vor dem privaten Konsum gegeben und auch die Westverschuldung in engen Grenzen halten können. Mit Honecker begann das Aufzehren der Substanz, weil die Investitionen in Produktionsanlagen und Infrastruktur vernachlässigt wurden und zugleich die Verschuldung gegenüber dem Westen zunahm." Aus dieser Bilanz von Dieter Grosser kann man in letzter Konsequenz die These ableiten, dass der Zusammenbruch der DDR mit dem Amtsantritt Erich Honeckers 1971 begonnen hat, der auf dem VIII. Parteitag der SED die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" verkündete und damit den Konsum in den Vordergrund stellte.

Die letzten knapp zwei Jahrzehnte der DDR waren dann von den Versuchen der SED gekennzeichnet, die ökonomische Dauerkrise durch sozialpolitische Maßnahmen und ein relativ besseres Konsumgüterangebot abzufedern. Diese Strategie konnte jedoch auf Dauer weder die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung noch die Bildung oppositioneller Gruppen verhindern. Beide zusammen führten schließlich den Sturz des SED-Regimes herbei.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland griff in diesen beiden Jahrzehnten das Volk stärker in die aktuelle Politik ein. Umwelt- und Friedensbewegung machten zunächst durch Großdemonstrationen von sich reden, führten aber auch zur Gründung einer neuen Partei und brachen damit das bis dahin scheinbar etablierte Dreiparteiensystem auf.

In der Bundesrepublik gab es – vor allem in den siebziger Jahren – ebenfalls wirtschaftliche Schwierigkeiten. Sie konnten jedoch durch stärkere Angebotsorientierung, durch den Umbau der Sozialpolitik und eine Reduzierung der Staatsverschuldung eingedämmt und zum Teil auch überwunden werden. Ein zentrales Problem aber blieb bis in diese Tage: Die hohe Arbeitslosigkeit, die in den fünfziger und sechziger Jahren in Deutschland weitgehend unbekannt gewesen war.

Das vorliegende Heft versucht die innere Entwicklung beider deutscher Staaten in den letzten Jahrzehnten vor der Vereinigung nachzuzeichnen und zu analysieren. Der Vereinigungsprozess wird in Heft Nr. 250 "Der Weg zur Einheit" dargestellt.

Jürgen Faulenbach