Orientierung im Medienalltag

Digitale Kommunikation als Thema in Schule und Unterricht – Medien und Methoden

6.10.2017
Lehrende und Lernende nutzen selbstverständlich das Internet und digitale Medien. „Recherchiere im Internet!“ aber reicht nicht. Kommunikation und Informationserwerb in und mit digitalen Medien müssen selbst Gegenstand des Unterrichts werden. Ebenso deren gesellschaftlichen und politischen Implikationen.

Man sieht ein Smartphone vor einer Tafel. Auf dem Bildschirm ist eine Tafel mit dem Schriftzug ABC abgebildet.Medien in der Schule


Doch wie lässt sich dies umsetzen, und welche Medien und Methoden sind dafür geeignet? Der Workshop nähert sich der Frage an, indem er die didaktischen Potentiale, den Ort Schule und den gesellschaftlichen Kontext aufeinander bezieht. Ausgehend von verschiedenen digitaler Angebote, die an vier Tischen präsentiert werden, diskutieren die Teilnehmer im Rahmen eines World-Cafés folgende Fragen:


  1. Welche innovativen Möglichkeiten des digitalen und fachlichen Lernens bieten digitale Medien?
  2. Auf welche Weise fordern digitale Medien traditionelle Strukturen der Schule heraus? Wieviel Offenheit verträgt die Schule?
  3. Inwieweit lassen sich mit Hilfe digitaler Medien gesellschaftliche und politische Auswirkungen der Digitalisierung – in der Schule und darüber hinaus – thematisieren?
Vier Tische - vier Gastgeber:
  1. Digitale Schulbücher (Ilas Körner-Wellershaus, Ernst Klett Verlag)
  2. Mobiles Lernen (Maren Risch, Bildungshaus Wolfsburg)
  3. Spielen und Lernen (Gerda Sieben, jfc Medienzentrum Köln)
  4. Liquid Democracy (Alexa Schaegner, aula projekt)
Während und nach dem Workshop hatten die TeilnehmerInen die Möglichkeit über Etherpads Diskussionsbeiträge und Ergebnisse zu teilen. Hier eine Auswahl der Beiträge:

Tisch 1 - Digitale Schulbücher

Wie wird aus dem eBookpro kommuniziert?
  • Vernetzung
  • Gruppenarbeit zuweisen, eigene Ergebnisse erstellen und teilen
Vorschläge
  • multimediale Potentiale nutzen
  • individualisieren
  • Plagiatsprüfung integrieren
  • Diagnosetools zum individuellen Fördern und Differenzieren
Herausforderungen
  • Serverqualität und Leistungsfähigkeit
  • Datenschutz sichern
Die Länder planen einen "Bildungs-Login" (SSO - Single Sign On), mit dem sich SuS einmalig für alle digitalen Bildungsmaterialien ihrer Schule anmelden können.

Tisch 2 Mobiles Lernen im Unterricht

Material:

http://www.medialepfade.de

Eckpunkte einer Didaktik des mobilen Lernens, Operationalisierung im Rahmen eines Schulversuchs: Zum Text

Eckpunkte zur Didaktik des mobilen Lernens: Zum Text

Disparate culture, disparate education - a discussion on school workshops about re-interpretations of war: Zum Text

Wünsche:
  • fächerübergreifende Unterrichtsmaterialien
  • Frage nach Vermittlung von Methoden an Fortbildungsträger
  • Lehrer_innen werden zu Lernbegleiter_innen, Unterricht wird zu Lerneinheiten
Tisch 4 - Liquid Democracy
  • Projektvorstellung aula- Schule gemeinsam gestalten www.aula.de
  • Politische und digitale Bildung mithilfe eines digitalen Beteiligungskonzepts für die gesamte SchülerInnenschaft
  • Digitale Medien sind kein Selbstzweck sondern werden als Werkzeuge eingesetzte und gezielt reflektiert.
  • Während praktisch demokratische Handlungskompetenzen erworben werden, wird gleichzeitig die Nutzungs- und Reflexionskompetenz mit und über Digitale Medien erhöht
Frage: Was passiert nach dem Projekt? (Nachhaltigkeit für Projekte an Schulen extrem wichtig
Antwort: aula soll am besten Bundes- oder Länderweit in bestehende oder in Zukunft aufgebaute Infrastrukturen und Programme integriert werden, sodass es möglichst breit für viele Schulen nutzbar gemacht werden kann.
Weiter Möglichkeiten: Anbindung an Länder-Schulclouds, Medienkonzepte, Schulbausteine etc.

Das Gesamtsystem Schule mit all ihren spezifischen Gruppen wird durch Digitalisierung herausgefordert. Frage: Wie sollen SchülerInnen, LehrerInnen, Direktion und auch Eltern unter Bedingungen der Digitalisierung zukünftig miteinander kommunizieren?
Rolle der Eltern oft (auch im aula-Projekt) unterrepräsentiert.
These: Nur mit den Eltern lässt sich die Digitalisierung in der Schule nachhaltig gestalten  

Weitere große Herausforderung:
  • Lebenswirklichkeit der SchülerInnen versus pädagogische Ansprüche
  • Dies manifestiert sich in Fragen wie Passwortsicherheit und Authentifizierung.
  • SchülerInnen nutzen Apps und benötigen für ihren täglichen Umgang mit digitalen Medien keine Passwörter, Browser oder Emails.
Frage: Inwieweit ist es sinnvoll daher jetzt bereits "veraltete" oder bald nicht mehr dem aktuellen technischen Stand entsprechende Techniken zu lernen.
Einwand: Datensicherheit und verantwortlicher Umgang mit Daten sollte auf jeden Fall gelehrt werden unabhängig von technischen Entwicklungen
These: Problem der Ent-Sozialisierung von Menschen durch digitale Medien. Insbesondere junge Menschen und auch SchülerInnen kommunizieren weniger persönlich miteinander
Einwand 1: Wenn man jungen Menschen absprechen würde, dass sie ihr soziales Leben online gestalten könne, würde man ihnen attestieren kein soziales Leben zu haben. Wieder: Pädagogische Ansprüche versus Lebensrealität
Einwand 2: Können soziale Medien nicht auch eine Re-Sozialisierung auf anderen vernetzten Wegen hervorbringen?


Zusammenfassend:
  1. Digitale Kommunikation ist zunächst einmal nicht "schlechter" als persönliche Kommunikation
  2. Kommunikationsmöglichkeiten werden durch das "Digitale" erweitert und transformiert (Beispiel Sprachnachrichten) , aber persönliche Kommunikation kann und wird niemals komplett durch das "Digitale" ersetzt werden.
  3. Bedingungen von Kommunikation verändern sich und die gilt es weiterhin zu erforschen und zu reflektieren. Wichtig für Bildung und Schule ist diese Bedingungen /(zunächst für die Lehrenden) zu kennen und entsprechend sinnvoll einzusetzen und zu unterrichten.
Abschlussdiskussion
  • Schule nicht als Schule sehen, sondern als Unternehmen (in Hinblick auf Organisation): Entlastung der Lehrer_innen von nicht-pädagogischen Aufgaben
  • Nutzung digitaler Medien in der Schule führt immer wieder zur Ressourcenfrage: Zeit und Geld
  • Fortbildungen sind notwendig
  • Frage nach der rechtlichen Situation, der Lizenzen/Urheberrecht wurde diskutiert; Wunsch, Schülerarbeiten, die Materialien aus dem Netz integriert haben, auch zu veröffentlichen, was angesichts des Urheberrechts jedoch schwierig ist. Hier muss auf die Lizensierung der Materialien geachtet werden.
  • Einige meinten, wie man Auswirkungen der Digitalisierung zum Unterrichtsthema macht, sei noch nicht ganz klar. Andere betonten, dass die Materialien, z. B. zu Big Data vorliegen, nur im Unterricht noch nicht angekommen sind.


WS-Leitung: Maren Tribukait Maren Tribukait ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Georg-Eckert-Institut. Sie forscht zu digitalen Medien im Geschichtsunterricht, entwickelt Projekte zum Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis und leitet den Arbeitskreis Didaktik.



 

fakefilter.de

FakeFilter ist ein Webvideo-Projekt mit Mr. Trashpack zum Thema Fake News

FakeFilter ist ein Webvideo-Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Es vermittelt Orientierungswissen zum Umgang mit Informationen und Falschmeldungen im Netz. In 10 Folgen beschäftigt sich der Youtuber Mr. Trashpack mit Fake News und verwandten Phänomenen und präsentiert praktische Tipps und Tools. Begleitend bietet www.fakefilter.de weiterführende Artikel und Quellen, um selbst als Fake-Checker aktiv zu werden. Weiter... 

HanisauLand.de

Internet-Tipps für Kinder

Im Internet gibt es viele nützliche Informationen, man kann Spaß haben und sich mit anderen Personen austauschen. Es gibt aber auch Gefahren, die Kinder kennen sollten. Mit dem Hanisauland-Spiel lernen Kinder, wie sie sich sicher im Internet bewegen können. Weiter... 

Die Netzdebatte

Medienkritik

Medien haben die Macht unser Weltbild zu formen. Deshalb ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die sich kritisch mit den Medien und ihrer Arbeit auseinandersetzten und ihre Kritik öffentlich machen. Dank Internet kann das heute theoretisch jeder. In diesem Schwerpunkt hinterfragen wir, was das für den gesellschaftlichen Diskurs und unser Verständnis von Öffentlichkeit bedeutet. Weiter... 

Kinofenster.de

Kinofenster.de

Das gemeinsame Online-Angebot von Vision Kino - Netzwerk für Film- und Medienkompetenz und der Bundeszentrale für politische Bildung enthält Filmbesprechungen, Hintergrund¬informationen, filmpädagogische Begleitmaterialien, News, Termine, Veranstaltungen, Adressen und Links für die schulische und außerschulische Filmarbeit. Weiter... 

Mekomat.de

Mekomat.de

Eine kommentierte Übersicht über alle verfügbaren Materialien zur Vermittlung von Medienkompetenz. Voilà: mekomat.de. Die Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz wünscht viel Spaß beim Stöbern. Weiter... 

Blog: Bildung und Medialität

Der Blog von Erziehungswissenschaftler und Medienforscher Benjamin Jörissen beschäftigt sich ausführlich mit den Zusammenhängen von Bildung und Medialität. Weiter...